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Gesund beginnt im Mund

Warum Zähneknirschen zu Rückenschmerzen führt und Lachen den Blutdruck reguliert
Hubertus von Treuenfels

portrait vontreuenfels
Wussten Sie, dass
• Schnarchen zum Schlaganfall führen kann
• Verspannungen im Kiefer zu Verdauungsstörungen führt
• Zähneknirschen Rückenschmerzen verursacht und
• die falsche Atmung Auswirkungen auf die Beckenbodenmuskulatur hat?

Kein Organ ist gleichzeitig an so vielen Funktionen des Gesamtorganismus beteiligt wie der Mund. Der Mund ist die größte Körperöffnung, im Kiefer liegt der stärkste Muskel – er spielt eine zentrale Rolle bei der Atmung, Ernährung, Mimik und dem Sprechen, ist Durchgangstation zwischen Außen und Innen, zwischen Umwelt und menschlichem Organismus.
Verständlich, dass der Zustand dieses Organs eine zentrale Bedeutung für die Gesundheit des ganzen Körpers hat und auch das geistige und seelische Wohlbefinden beeinflusst. Nicht von ungefähr kommen Ausdrücke wie „Zähne zeigen“ oder „sich durchbeißen“. Die Medizin weiß heute, dass die vielen verschiedenen Teilbereiche des menschlichen Organismus intensiv miteinander vernetzt und somit in ihrer Funktion bzw. Fehlfunktion voneinander abhängig sind. Hier ist das komplexeste Nervenzentrum des Menschen verortet, von Zunge und Zähnen gehen viele Nervenbahnen in Richtung Hirn und Bauch. Mund- und Rachenraum sind Nahrungsschleuse, Ort der feinsten und vielfältigsten Sinnes- und Reizwahrnehmung, Melting Pot für die meisten körpereigenen Bakterien, Tor zu Lunge und Bühne unserer Gedanken und Gefühle.
Die Systemische Zahnmedizin kennt und nutzt diese Zusammenhänge und berücksichtigt die Einflüsse aus dem Zahn-, Mund- und Kieferbereich auf alle Teilbereiche des Organismus und umgekehrt. Der renommierte systemische Zahn- und Kiefermediziner Dr. med. Hubertus von Treuenfels legt mit Gesund beginnt im Mund einen fundierten Gesundheitsratgeber über das faszinierende und weitgehend unbekannte Wechselspiel von Mund, Körper und Seele vor.
Herausgegeben von der Presseabteilung des MensSana Verlages, Hilblestr. 54, 80636 München Tel: 089 / 9271-274


Hier folgt die Einleitung aus dem Buch Gesund beginnt im Mund von Herrn von Treuenfels.

Wie alles begann – statt einer Einleitung
Als meine Mutter im siebten Monat mit mir schwanger war, landete sie mit dem Motorrad in einem Straßengraben. Während sie zahlreiche Prellungen davontrug, blieb ich in ihrem Bauch rein äußerlich unversehrt. Allerdings verlor meine Mutter bei dem Unfall fast das gesamte Fruchtwasser, was mein restliches Wachstum beeinträchtigte, so dass ich kleiner und leichter als andere Babys zur Welt kam. Aber damit nicht genug: Ich hatte gleich nach der Geburt Probleme mit dem Saugen und bekam deshalb anstelle der Mutterbrust recht schnell die Flasche. Doch auch das Trinken aus der Flasche will gelernt sein, und da ich dies nicht konnte, nuckelte ich, um irgendwie satt zu werden, ständig daran herum. Das wiederum reichte aus, um meinen Kiefer zu verformen und meiner Mutter große Sorgen zu bereiten. Keine günstigen Startbedingungen also, wie man sie sich für die Entwicklung eines kräftigen Kiefers und damit eines gesunden Kindes wünscht.
Auch meine Eltern selbst hatten als Flüchtlinge in den Nachkriegsjahren in Norddeutschland alles andere als günstige Startbedingungen für einen Neuanfang. Daher beschlossen sie, nach Brasilien auszuwandern, und das, obwohl meine Mutter hochschwanger und ich erst eineinhalb Jahre alt war. So wurde mein Leben in den folgenden Jahren vom Pioniergeist meiner Eltern bestimmt.
Das einfache Leben auf einer Kaffeeplantage inmitten von exotischen Pflanzen und Tieren und netten Farmerfamilien in der Nachbarschaft war geradezu prädestiniert, mir eine bilderbuchhafte Kindheit zu bescheren. Allerdings litt ich als zartes nordeuropäisches Kind in dem tropisch-heißen Klima an mehreren chronischen Erkrankungen, u. a. an Asthma und an nicht enden wollenden Durchfällen, die mich phasenweise derart schwächten, dass ich tagelang ans Bett gefesselt war.
Meine besorgten Eltern fuhren mit mir zu diversen Ärzten, und da ich – obwohl ein guter Esser – sehr mager war, riet man mir, noch mehr zu essen. Trotz zusätzlich verabreichten Lebertrans und eines proteinhaltigen Pulvers zum Anrühren wurde ich kein bisschen dicker. Im Gegenteil: Sämtliche Maßnahmen förderten nur meinen Durchfall. Irgendwann hatte ich es satt, das alles und dazu noch viele Medikamente zu schlucken, darunter stärkste Antibiotika und Tabletten, die, wie ich später erfuhr, in Deutschland schon gar nicht mehr zugelassen waren.
Als ich im Alter von ungefähr sechs Jahren eines Abends allein zu Hause war – man hatte mir wieder einmal Bettruhe, Tee, Haferschleim und jede Menge Pillen verordnet – ging gar nichts mehr. Obwohl es mir körperlich sehr schlechtging, waren mir die Medikamente so zuwider, dass ich mich weigerte, sie zu nehmen. Irgendetwas in mir sperrte sich mit aller Macht dagegen, und ich war mit einem Mal zutiefst davon überzeugt, dass mir die Tabletten nicht halfen, sondern schadeten.
Also blieb ich einfach im Bett liegen, und wenn ich Durst bekam, trank ich ein wenig Wasser, Schluck für Schluck. Zu mehr war ich nicht fähig, mehr ging nicht in mich hinein. Ausgelaugt, matt und müde schlummerte ich irgendwann ein – und schlief zum ersten Mal seit langer Zeit die ganze Nacht durch, ohne schmerzende Bauchkrämpfe. Schon beim Aufwachen am nächsten Morgen spürte ich die untrüglichen Anzeichen einer Besserung und fühlte mich so kräftig wie lange nicht mehr, obwohl ich am Vortag nichts gegessen hatte.
Also blieb ich erst einmal beim Wasser, ging ganz langsam zu Tee über und ergänzte meine Nahrung peu à peu um gekochten Reis, bis ich schließlich wieder ganz normal aß, was der ganzen Familie aufgetischt wurde. Allmählich lernte ich, besonders durch schmerzliche Rückschläge, auf meinen Bauch zu hören und zu unterscheiden, was meiner Gesundheit zuträglich war und was nicht.
Noch viel wichtiger jedoch war die Erkenntnis, dass ich es durch mein Essverhalten selbst in der Hand hatte, für mein Wohlbefinden zu sorgen.
Diese erste Erfahrung der Selbstheilung sollte mir auch einige Jahre später weiterhelfen, als ich mir im Alter von sieben Jahren bei einem Sturz vom Fahrrad die oberen Schneidezähne verletzte und verschob. Die anschließende Behandlung bei unserem brasilianischen Zahnarzt empfand ich als traumatisches Erlebnis aus Schmerz und Ohnmacht, das mir über Jahre hinweg Angst einjagte, wenn ich auch nur daran dachte. Was jedoch noch schlimmer war: Die Behandlung konnte nicht verhindern, dass sich die Wurzelspitzen immer wieder entzündeten und allmählich der umgebende Kieferknochen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es sollte über zwanzig Jahre dauern, bis die Entzündung erfolgreich behandelt werden und vollständig ausheilen konnte.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass sich auch in der westlichen Welt Erkenntnisse aus der traditionellen chinesischen Medizin durchgesetzt haben, die den zahlreichen energetischen Wechselbeziehungen zwischen den Organen einen entscheidenden Stellenwert bei der Behandlung von Krankheiten zuweisen. So können schon kleine Entzündungsherde gerade auch im Mund – wir sprechen in der systemischen Medizin heute von »stillen Störfeldern« – auf Dauer verheerende Auswirkungen auf andere Körperregionen und Organe haben, selbst wenn diese quasi am anderen Ende des Ursprungsortes liegen. In meinem Fall waren es die Nieren, die durch die dauerhaft entzündeten Schneidezahnwurzeln zunehmend belastet und geschwächt wurden. Und da die Nieren zentral für die Ausscheidung von Giften sind, war ich immer leicht vergiftet und dadurch geschwächt und anfällig für neue Erkrankungen.

Aber hatte ich mich nicht schon einmal in einer schier ausweglosen Lage befunden und mich letztlich selbst daraus befreit? So beschloss ich eines Tages, auch diesmal wieder zur Selbsthilfe zu greifen. Ich wollte lernen, den Teufelskreis aus Angst vor dem Zahnschmerz und vor dem Zahnarzt zu überwinden und mich meinem Zahnleiden furchtlos zu stellen. Also studierte ich Zahnmedizin.
Dass ich ein verstecktes Nierenleiden hatte, wusste ich damals noch nicht. Doch nach meinem Studium begegnete ich dem alternativen Zahnmediziner Augusto Beozzo, der mich lehrte, die systemischen Zusammenhänge von Zähnen, Mund und Körper zu erkennen. Seine Behandlungsmethoden elektrisierten mich förmlich, sah ich darin doch einen Weg, wie ich nicht nur mein eigenes Leiden heilen, sondern auch anderen Menschen helfen konnte.
Kurioserweise sollte mich dieser Weg (1976) wieder zurück nach Deutschland führen. Denn dort, in Bonn, lehrte bis zu seinem Tod in den frühen 1960er Jahren ein Prof. namens Wilhelm Balters, der als Begründer der ganzheitlichen Kieferorthopädie in die Geschichte der Zahnheilkunde eingegangen ist. Berühmtheit erlangte er insbesondere durch seine Erfindung des Bionators, eines kieferorthopädischen Geräts, mit dessen Hilfe es den Patienten selbst gelingt, durch die Kraft ihrer Mundbewegungen ihre Kieferanomalien zu regulieren.
Bei Balters’ Nachfolger Fritz Bahnemann, der sein Meisterschüler gewesen war, ließ ich mich in den Folgejahren ausbilden. Außerdem ließ ich meine chronisch entzündeten Schneidezähneoperativ entfernen, wodurch endlich das Störfeld beseitigt wurde, das meine Nieren so sehr beeinträchtigt hatte. So konnte ich mich endlich einer Gesundheit erfreuen, die mir Stärke und Widerstandskraft verlieh und ungeahnte Energien in mir freisetzte.
Auf diese Weise wurde ich selbst zu einem Beispiel dafür, was man mit einer schlechten Zahnheilkunde versäumen und durch eine gute wiedererlangen kann. Die Erfahrung, wie es sich anfühlt, von einem Leiden befreit zu werden, war der Beginn meines leidenschaftlichen Interesses für die ganzheitliche Zahnheilkunde. Bis zum heutigen Tag begegne ich meinen Patienten als Arzt, der sich in ihre Leiden und Ängste aufgrund eigener Erfahrungen gut hineinversetzen kann.
Wie sehr in unserem Organismus das eine mit dem anderen verwoben ist, erkannte ich erst im Laufe der Jahre. Und so fand ich auch erst viel später eine Erklärung für jenes seltsame Phänomen, das ich in meiner Kindheit erlebt hatte. Die Episode stammt aus einer Zeit, in der wir Kinder in der Schule vor den berühmt-berüchtigten Killerbienen gewarnt wurden, die sich damals über ganz Brasilien ausbreiteten. Es handelte sich dabei um die Kreuzung einer afrikanischen Biene mit einheimischen Arten, deren erste Tochtergeneration so aggressiv und angriffslustig war, dass wir aus Radio und Zeitung des Öfteren von totgestochenen Haustieren und gelegentlich sogar von getöteten Kleinkindern erfuhren.
Daran erinnerten sich mein Bruder und ich, als uns eines Tages ein riesiger Bienenschwarm attackierte und uns mit zahlreichen Stichen übersäte, bevor wir in letzter Minute auf unseren Fahrrädern flüchten konnten. Zu Hause versorgte unsere Mutter uns mit Alkoholkompressen und Medikamenten.
Mehrere Tage lang litten wir an hohem Fieber, und es dauerte eine geraume Zeit, bis wir wieder aus unseren zugeschwollenen Augen schauen konnten. Aber mit mir passierte noch etwas ganz anderes: Mein Durchfall, den ich in diesen Tagen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen beim Essen nie ganz losgeworden war, hatte sich mit dieser Bienenepisode schlagartig in Luft aufgelöst.
Jahre später las ich in einem Buch über Homöopathie, dass der Organismus in extremen Stresssituationen wie z. B. bei Lebensgefahr oder sportlichen Wettkämpfen nicht nur Adrenalin, sondern auch andere Hormone ausschüttet, so dass auch noch an anderen Baustellen im Körper Reparaturprozesse in Gang gesetzt werden. Offensichtlich war dieser Angriff der Bienen, diese Ausnahmesituation, der Schrecken, die Angst und das Gift genau das gewesen, was mein geschwächter Körper gebraucht hatte, um eine Art Gegengift bereitzustellen. So wurde mir gleich im doppelten Sinne eingeimpft, was die körpereigene Abwehr durch Immunisierung alles leisten kann.
Den Durchfall war ich los, nicht aber das Asthma, das mich, als ich wieder einmal glaubte, ersticken zu müssen, mit meinen Eltern ins Krankenhaus führte. Cortison gab es damals noch nicht, und so blieb den Ärzten nichts anderes zu tun, als mir ein Mundspray zu verabreichen und mich während des Asthmaanfalls im Auge zu behalten.
Als dieser vorüber war, nahm mich der behandelnde Arzt beim Abschied beiseite, packte mich an den Schultern und schüttelte mich einmal kräftig durch. Nanu, dachte ich, will er mich jetzt ausschimpfen oder was?

»Merk dir eines«, sagte er mit donnernder Stimme zu mir, »wenn du anfängst zu rauchen, du mit deiner schwachen Brust, und wenn du dir nicht genug frische Luft holst, indem du abends das Fenster aufmachst, und wenn du dich nicht genug bewegst und was für deine Atmung tust, dann wirst du dein blaues Wunder erleben mit deinem Asthma. Aber: Du kannst etwas dagegen tun.«

Das hat mich damals so tief beeindruckt, dass ich mich bis zum heutigen Tag an seine Ratschläge halte: Ich rauche nicht, ich schlafe bei offenem Fenster und bleibe immer in Bewegung. Und heute gehört meine Lunge mit zum Besten, was ich habe. So lehrte mich mein Körper durch Asthmaanfälle buchstäblich das freie Atmen.

Wir bedanken uns bei dem Autoren und der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG für die Genehmigung zum Abdruck des Buchauszuges.

Dr. Hubertus von Treuenfels
betreibt eine Praxis für Kieferorthopädie in Eutin.
Als Experte für Systemische Kieferorthopädie (SKFO) und Kiefergelenkserkrankungen hält er weltweit Vorträge und hat einen Lehrauftrag für Kieferorthopädie und Kiefergelenkserkrankungen an der Medizinischen Fakultät der Universität Basel (im Rahmen eines Masterstudienganges).

Buchtipp:
Hubertus von Treuenfels
Gesund beginnt im Mund
Warum Zähneknirschen zu Rückenschmerzen führt und Lachen den Blutdruck reguliert
240 Seiten, Klappenbroschur
18,- € 
ISBN 978-3-426-65800-0
Knaur MensSana, München
auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-426-44126-8

 


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