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Darm natürlich gesund

Ein praktischer Ratgeber mit Rezepten aus der Naturheilkunde
Von Christine Baumann

 Christine Baumann Fotograph Vroni Freudling
Verdauung:
Vom Tabuthema zum Kassenschlager

Ein neuer Star macht von sich reden. Seine Geschichte rangiert auf den obersten Plätzen der Bestsellerlisten. Nein, er ist kein neuer Zauberlehrling. Und auch kein pelzfüßiger Schmuckträger. Er wohnt in unserem Inneren. Es ist der Darm.

Vor ein paar Jahren noch haben wir uns mit roten Bäckchen entschuldigt, sobald irgendein Grummeln verkündet hat, dass unsere Innereien zuverlässig arbeiten. Heute liegt es im Trend, sich mit seinem Darm anzufreunden und auszusöhnen. So gibt es auch vermehrt Angebote zur Darmsanierung in Naturheilpraxen, neue Diäten, die die Darmflora mit einbeziehen, Nahrungsergänzungsmittel, die einen gesunden Darm versprechen, und Literatur zu den neuesten Erkenntnissen aus dem menschlichen Inneren.
Die Erkenntnis, dass der Darm wesentlich mehr kann als verdauen, ist keineswegs neu. Schon lange wissen wir, dass er unser Immunsystem trainiert, unsere Psyche beeinflusst und eine wichtige Basis für unser Wohlbefinden ist. Bereits Hippokrates, einer der bedeutendsten Ärzte der Antike wusste:
»Der Darm ist der Vater aller Trübsal.« Eine andere vielzitierte Weisheit geht sogar noch weiter, indem sie besagt: »Der Tod sitzt im Darm.« Dass wir dieses wichtige Organ also sehr gut pflegen und seine Befindlichkeiten unbedingt beachten sollten, ist keine Idee unserer Zeit. Wir wissen heute vielleicht ein bisschen mehr über die Funktionen und Zusammenhänge in unserem Körper und sehen die Dinge aus einer anderen Perspektive als unsere Vorfahren. Interessant ist allerdings, dass viele der Erkenntnisse der heutigen Forschung letzten Endes uralte und traditionelle Empfehlungen zur Gesunderhaltung bestätigen. Und auch wenn Wissenschaftler schonvieles gefunden haben, wissen wir doch noch immer nur einen Bruchteil dessen, was in unserem Körper tatsächlich vorgeht.
Manchmal scheint es, als ob die Menschheit diesbezüglich Lernschleifen durchlaufen würde, um immer wieder aufs Neue zu begreifen, was Gesundheit ausmacht. Natürlich lernen wir in jeder Runde ein bisschen dazu und sollten dennoch neugierig und demütig bleiben, angesichts des Wunderwerks, das der menschliche Körper darstellt.
Der Darm ist bei allem, was er für uns tut, natürlich nicht allein. Er ist ein großer und wichtiger Teil des Netzwerks im Körperinneren, das unser Leben ermöglicht. Ich freue mich, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, neugierig sind auf dieses Mikrouniversum, und wünsche mir, dass ich Sie mit meiner Begeisterung für das Wunder Mensch auf den folgenden Seiten anstecken kann.
Christine Baumann
Martinsried zu Samhain 2015

Pflanzen für die Verdauungsorgane
Beispielsweise der Apfel:

S 73 Apfel Malus domestica

Apfel: Der Durchputzer

Familie der Rosengewächse (Rosaceae)

Namen: Malus domestica, Pirus malus, Fructus malus, Affalter, Eppel, Englisch: Apple

Botanik
Der Apfel zählt wohl zu den wichtigsten heimischen Obstsorten. Der Baum mit seiner rissig-furchigen Rinde blüht im Frühjahr weiß bis rosa. Die Früchte reifen je nach Sorte von August bis Oktober.

Inhaltsstoffe
Die reife Frucht enthält reichlich Vitamin C, Carotin, Flavone, B-Vitamine und Mineralstoffe. Ihre organischen Säuren unterstützen die Entgiftung der Leber. Wertvolle Enzyme regen den Stoffwechsel an. Das in Frucht und Rinde enthaltene Pektin dient unseren Darmbewohnern als Futter und räumt im Darm auf. Wie in allen Rosengewächsen finden wir auch hier in der gesamten Pflanze Gerbstoffe. Außerdem liefern Frucht und Blüte ätherische Öle und Schleimstoffe. Apfelkerne enthalten Amygdalin, das als Vitamin B17 zum Beispiel in der Krebstherapie verwendet wird.

Verwendung
In allen Kulturen dient der Apfel immer wieder als Symbolpflanze. Er steht für Reichtum, Macht, Fruchtbarkeit und Gesundheit. Für das menschliche Verdauungssystem ist er ein wahres Wundermittel. Er wirkt nämlich bei völlig unterschiedlichen Leiden gleichermaßen gut.
Das war schon Adamus Lonicerus bekannt:
»Die sauren Äpfel stopfen den Bauch, machen wohl harnen und wehren den Erbrechen. Süße Äpfel laxieren und treiben auch die Würme aus.«

Bei Verstopfung hilft der reife Apfel roh und mit Schale gegessen. Seine Ballaststoffe (Pektin und Cellulose) verursachen einen Dehnungsreiz im Darm und regen dessen Tätigkeit an. Bei Durchfall hingegen empfiehlt es sich, den Apfel zu schälen und zu reiben. Lässt man ihn dann mit Wasser etwas aufquellen, bildet das enthaltene Pektin eine Art Gel, das sich schützend auf die Darmwand legt und außerdem in der Lage ist, Bakterientoxine unschädlich zu machen.
Aber auch, wenn unsere Verdauung funktioniert, wie sie soll, fördert der Apfel die Gesundheit. Das quellfähige Pektin bindet im Darm allerlei Schadstoffe, aber auch Gallensäuren und Cholesterin. Außerdem verstärkt es das Sättigungsgefühl.
Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass unsere Darmflora aus den Apfelpektinen Buttersäure bilden kann. Das hilft, den pH-Wert im Darm stabil zu halten, sodass Fremdkeime sich nicht ansiedeln können, sich die Darmflora aber pudelwohl fühlt.
Vermutlich aufgrund der positiven Wirkungen auf den Stoffwechsel wird der Apfel von jeher auch für Erkrankungen wie Gicht und Diabetes empfohlen. Der regelmäßige Verzehr senkt den Blutzuckerspiegel, wirkt Entzündungen entgegen, stabilisiert den Hormonspiegel und schützt vor Krebs. Die Volksheilkunde verwendet den Apfel bei Divertikulose, Megacolon und Darmverengung ebenso wie zur Gewichtsreduktion und gegen Depression. Für blutarme Menschen wird in ländlichen Gegenden noch immer ein Apfel über Nacht mit Nägeln gespickt und am nächsten Tag zum Essen gegeben. Ein frischer Apfel nach der Mahlzeit desinfiziert den Mundraum und reinigt die Zähne.
Sogar dann, wenn er selbst nicht mitgegessen wird, hilft der Apfel, unser Verdauungssystem zu entlasten. Stopft man beispielsweise die Weihnachtsgans schon vor dem Braten mit Äpfeln aus, wird zum einen das Fleisch schön saftig, zum anderen wird das schwere Essen viel leichter verdaulich.
Hautauflagen mit Apfelscheiben oder geriebenem Apfel straffen die Haut, wirken verjüngend, selbst Akne und Narben lassen sich damit behandeln. In der Antike wurden Apfelblätter dazu verwendet, Ungeziefer von Kleidern fernzuhalten. Nach einem mittelalterlichen Rezept aus Italien wirken getrocknete Apfelblätter als Tee getrunken adstringierend und helfen bei Magenschmerzen, vor allem bei denen nervöser Art.
Apfelessig ist ebenfalls ein gesunder Küchenhelfer. Er pflegt den Darm, verhindert die Ausbreitung von Fäulnisbakterien und regt die Bildung von Verdauungsenzymen an. Außerdem ist er etwas magenfreundlicher als Weinessig.

S 75 Apfelbluete
Hildegard von Bingen verordnete die Apfelblüten bei Migräne: »Und wer durch eine Leber oder Milzschwäche oder von üblen Säften des Bauches oder des Magens oder von Migräne im Kopf leidet, der nehme die ersten Sprossen, das heißt die Knospen des Apfelbaumes und lege sie in Baumöl und erwärme sie in einem Gefäß an der Sonne und abends, wenn er schlafen geht, salbe er den Kopf (und trinke es) mit diesem Öl und tue dies öfters und er wird sich besser im Kopfe befinden.« Die Hildegard-Experten Dr. Hertzka und Dr. Strehlow übersetzen das für uns in 100 Gramm Knospen, die in einem halben Liter Olivenöl einen bis höchstens acht Tage an die Sonne gestellt werden sollen. Anschließend werden sie abgeseiht, ohne sie auszupressen. Von dem daraus hervorgehenden Apfelblütenöl sollen ein bis zwei Esslöffel vor dem Schlafengehen eingenommen werden.
Auch Teezubereitungen sind möglich: Apfelschalentee wirkt fiebersenkend und beruhigend. Die Kräuterfrau Eva Aschenbrenner empfahl ihn zusammen mit Melisse gegen Verstopfung und als Unterstützung beim Abnehmen.
Apfelpektin gibt es heutzutage extrahiert zu kaufen, beispielsweise als Geliermittel für Marmeladen. Es lässt sich auch medizinisch verwenden. Bei unerträglichem Leberjuckreiz, beispielsweise im Rahmen der Krebstherapie, kann eine Kur mit einem Esslöffel auf ein Glas Wasser dreimal täglich Linderung bringen. Für manche ist das Apfelpektin schwer zu verdauen. Sie bekommen Blähungen nach dem Verzehr von Äpfeln. Für den Einsatz als Arzneimittel kann man den Versuch machen, den geriebenen Apfel etwas stehen zu lassen. Die bräunliche Verfärbung, die durch die Oxidierung eintritt, zeigt an, dass sich die Struktur des Pektins verändert hat. So wird der Apfel verträglicher. Generell sollten Magenempfindliche Äpfel nicht eiskalt (aus dem Kühlschrank) essen. Außerdem vertragen die wenigsten Menschen den Apfel abends. Wenn das Verdauungssystem mit dem rohen Obst zu später Stunde überfordert ist, entstehen Gäralkohole. Insbesondere Kinder futtern sich so einen schweren Kopf an.
Klar ist auch, dass die Äpfel, von denen Hildegard und ihre mittelalterlichen Kollegen schwärmten, anders sind als das, was wir heute in den meisten Supermarktregalen finden. Ein moderner Apfel wird bis zur Ernte bis zu 20 Mal gespritzt und zusätzlich mit Chemikalien behandelt, die den Reifezeitpunkt der Äpfel an einem Baum synchronisieren. Die Äpfel werden auf Größe gezüchtet, was bedeutet, dass sie mehr Wasser und weniger wertvolle Inhaltsstoffe aufweisen. Außerdem werden aus den alten Sorten die säuerlichen Polyphenole weggezüchtet, weil der moderne Mensch lieber süß isst. Diese sekundären Pflanzenstoffe machen den Apfel aber verträglicher und weniger allergen. Wer sich mit einem Apfel am Tag etwas Gutes tun will, kauft also unbedingt Bioware und am besten alte Sorten, die kleine und säuerliche Früchte hervorbringen. Will man den Doktor fernhalten, reicht übrigens so ein kleiner Apfel am Tag nicht. Die Portion sollte schon mindestens drei umfassen.

Rezept: Warmer Dinkel-Apfel-Brei
4 EL Dinkelflocken oder Schrot in etwa 125 ml Wasser aufkochen, etwas rühren. Den Brei vom Herd nehmen, einen kleinen reifen Apfel hineinreiben und etwas ziehen lassen. Mit 1 TL Honig und etwas Galgant und Zimt würzen. Nach Geschmack können auch noch Rosinen untergerührt werden.
Nach Hildegard von Bingen macht dieses Frühstück »ein fröhliches« Gemüt und fördert die Durchblutung.

Handelsprodukte
Apfelschalen (Kräuterladen)
Apfelbaumblätter (Kräuterladen)
Carpellum Mali D4 (Weleda)
Carpellum Mali comp. (Weleda)
Diverse Apfelmistelpräparate

Anwendungsbeschränkungen
Keine.

Wir Danken der Autorin und dem AT Verlag für die Genehmigung zum Abdruck.
Fotografie © Christine Baumann, AT Verlag / www.at-verlag.ch

Christine Baumann
geboren 1978, ist seit 2010 Heilpraktikerin in eigener Praxis. Seit 2011 arbeitet sie mit den Heilpraktikern Margret Madejsky und Olaf Rippe in einer Gemeinschaftspraxis im Herzen von München.
Das therapeutische Spektrum verbindet Pflanzenheilkunde, Spagyrik, Homöopathie, manuelle Therapien und andere Verfahren aus der Traditionellen Abendländischen Medizin mit modernen Ansätzen aus anthroposophischer und orthomolekularer Medizin, sowie Ernährungstherapie. Ihre Praxisschwerpunkte sind Frauenheilkunde, Krebstherapie, Darmgesundheit und Sportlerbetreuung.
Sie ist Begründerin eines Arbeitskreises für biologische Krebstherapie und hält Vorträge und Seminare.
Tel.: 0172 - 89 22 142
info@jump-on.eu, www.jump-on.eu

 

Darm natuerlich gesund

Christine Baumann
Darm - natürlich gesund
Gebunden, 192 Seiten
19,95 €
ISBN: 978-3-03800-894-1
AT Verlag