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Gezeiten des Lebens

Die Zeit der Fülle und Ernte weicht der Dunkelheit und der inneren Stille
Von Amara Yachour

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Die vier Jahreszeiten sind Yin und Yang, sind Anfang und Ende, Vergehen und Wiedergeburt. Die Natur folgt diesem ewigen Zyklus und auch uns Menschen tut es gut, sich diesem anzupassen. Nicht umsonst heißt es in einem der kosmischen Gesetzte: Wie im Innen, so im Außen. Wie im Großen, so im Kleinen.

So wie dem Licht des Tages die Dunkelheit der Nacht folgt, so folgt der immer höher steigenden Sonne in Frühjahr und Sommer die Dunkelheit von Herbst und Winter.
Das Leben ist ein immer währender Zyklus und jede Zeit des Jahres hat ihre Besonderheiten.

Die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche ist der kalendarische Herbstanfang. Die Sonne steht über dem Äquator Tag und Nacht sind dann etwa zwölf Stunden lang.
Nach der Sonnenwende im Herbst ist die Zeit der Ernte fast vorbei, die letzten Stoppeln auf den Feldern werden untergepflügt. Unter das Grün der Blätter auf den Bäumen mischen sich mehr und mehr bunte Farben. Täglich geht die Sonne früher unter und später auf. Die Nächte werden länger.
Mit der zweiten Tag-und-Nacht-Gleiche des Jahres vollendet sich der Zyklus in der Natur:
Anfang und Ende - Leben und Vergehen.
Der Lebenskreis schließt sich, um wieder von vorn zu beginnen.
Herbst und Winter - eine Zeit, in der sich die Natur zurückzieht, um sich dann im Frühjahr wieder kraftvoll entfalten zu können. Auch für uns Menschen ist es Zeit, es der Natur gleich zu tun.
Es ist Zeit Rückschau zu halten auf die Arbeit, die man geleistet hat. Es ist die Zeit um sie zu würdigen. Das betrifft nicht nur die sichtbare Arbeit, sondern auch den Weg, den man als Mensch und als Seele zurückgelegt hat. Es ist Zeit dankbar zu sein für die eigene Kraft und den Mut, den man aufgebracht hat.
Man sagt: Die Gedanken der Vergangenheit, seien die Gegenwart, die Gedanken der Gegenwart werden die Zukunft. Und über all dem liegen Dankbarkeit und Liebe.

Mabon, wie die Zeit der Herbstsonnenwende auch genannt wird, ist das achte Fest des Jahreskreises. Es symbolisiert einen Wechsel von Aktivität in die Ruhe. Nach dem Tag des Gleichgewichts folgt die Zeit der Ruhe und Rückbesinnung.
• Was hast du gesät und was hast du geerntet?
• Gibt es Projekte, die du angefangen hast und die du noch nicht beendet hast?
• Was hast du bis jetzt erreicht und wer war dir behilflich?
• Wo oder wem hast du geholfen?
• Ist alles im Gleichgewicht?

Während in den Sommermonaten alle Aktivitäten nach außen gerichtet waren, ist es jetzt an der Zeit, nach innen zu gehen. Es ist an der Zeit die inneren Kräfte zu stärken, ein Gleichgewicht von Innen und Außen herzustellen.

Obwohl sich die Natur auf dem Weg in die Dunkelheit befindet, zeigt sie sich noch einmal in den schönsten Farben. Rot, Orange, Gold und Braun, aber auch Kupfer und Mahagoni herrschen vor.
Kerzen in Orange und Dunkelrot, in Gelb und Indigo, Trauben, Efeu und Haselnuss als Dekoration bringen den Zauber der Natur in jedes Zuhause. Die warmen Farben, das sanft flackernde Licht der Kerzen verbreiten Ruhe und Andacht, rufen auf zu Achtsamkeit.  Kerzenlicht steht für ewiges Leben und die Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Für manchen steht das Kerzenlicht auch als Symbol für die Chakren oder als Ausdruck für stilles Gedenken. Flackerndes Kerzenlicht wirkt beruhigend und lässt uns in Momenten der Stille verharren.
Ab Ende Oktober beginnt endgültig die dunkle Zeit. Sie wird von Samhain (31. Oktober) eingeleitet. Die Nacht zu Allerheiligen (1. November) gilt als eine der magischsten des Jahres. Es ist eine Nacht in der die Schleier zwischen den Welten sehr dünn sind. Die uns bekannte Ordnung löst sich im Nebel dieser Nacht. Alles muss sich wieder neu ordnen. Mit vielen Bräuchen kann man in dieser Nacht die Ahnen ehren und gnädig stimmen.
Folgt man dem Glauben unserer keltischen Vorfahren, befinden wir uns im Herbst und Winter in der so genannten Jahresnacht. In dieser Zeit richtete man sich nach dem Rhythmus des Mondes. Die zwölf Monde des Jahres ergeben 354 Tage. Zum Sonnenjahr fehlen 11 Tage bzw. Jahresnächte.

Um die Zeit der Wintersonnenwende (21./22. Dezember) beginnt ein neuer Zyklus im Jahreslauf. Die drei großen Perioden
• Erdumlauf - 365 Tage
• Mondumlauf - 29 Tage
• Erdumdrehung - 1 Tag
sind eng miteinander verknüpft und haben einen großen Einfluss auf alles Leben. Auch diese Rhythmen folgen den kosmischen Gesetzen.

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Ein alter Brauch symbolisiert das „Sterben des Lichtes“:
Am ersten Advent werden alle vier Kerzen entzündet, an jedem weiteren Sonntag leuchtet eine Kerze weniger. Am Tag der Wintersonnenwende (21. Dezember) brennt nur noch ein Licht. Irgendwann wurde diese Ritualistik verkehrt herum als Brauch adaptiert
Dieser Tag ist die dunkelste Jahresnacht und gleichzeitig der Höhepunkt des Winters.
Ab hier beginnt das Licht wieder zu wachsen. An diesem Tag sollten wir uns auch an unser inneres Licht erinnern und Innenschau halten. Das hilft, uns neu auszurichten, um unser Licht ebenfalls wieder hell erstrahlen zu lassen. Rituale oder Gebete können in dieser Zeit sehr hilfreich sein.
Dunkelretreats machen genau dies mit uns Menschen. Wir steigen hinab in unsere dunkelste Nacht und begegnen dort unserem eigenen Licht und danach kann uns keine Dunkelheit je wieder etwas anhaben, da wir die Angst vor dem Sterben und dem Dunkel entlarvt haben. Wir haben gesehen, dass die Dunkelheit der wahre Urgrund der Schöpfung ist, auf dem sich das Licht erst entfalten konnte. Wir haben diese Erfahrung bereits öfter gemacht und sind jedesmal leuchtender, heiler und als Ganzes wieder aus der Dunkelheit gegangen.

„Und Gottes Geist schwebte über in der vollkommenen Dunkelheit über den Wassern und er erschuf aus der Dunkelheit das Licht.“

Der Tag der Wintersonnenwende ist auch als Mutternacht bekannt. Es heißt, dass in dieser Nacht zur stillsten Stunde die Göttin tief in der Erde das Sonnenkind gebiert. Die Dunkelheit wird dadurch gebannt und das Licht, welches am Vergehen war, erwacht wieder zum Leben.
In diese Zeit fallen auch die so genannten Rauhnächte. Das sind die ersten zwölf Tage nach der Wintersonnenwende. Da wir uns zu dieser Zeit noch immer in der Jahresnacht befinden, wird der gesamte Tag als Rauhnacht bezeichnet.
In dieser magischen Zeit zeigt sich das Kommende des neuen Jahres in seiner noch unausgereiften, groben Form. Träume und besondere Begebenheiten oder Ereignisse in dieser Zeit sollen nach alten Überlieferungen Hinweise darauf geben, was im neuen Jahr, im neuen Jahreszyklus geschehen kann oder ans Licht will.

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Die Rauhnächte, eignen sich als Zeit der Stille, laden ein zu innerer Einkehr. In dieser Zeit achtsam mit sich selbst umzugehen, sich auf das Wesentliche zu besinnen, hilft, die Zeitqualität zu spüren, die besonderen Schwingungen dieser Zeit bewusster wahrzunehmen.
Dem Räuchern wird in den Rauhnächten besondere Aufmerksamkeit geschenkt:
• als Unterstützung beim Orakeln und Meditieren
• als Orakel selbst, um aus dem Rauch zu „lesen“
• um Ahnen und Geister milde zu stimmen
• zum Reinigen und Vertreiben von schlechten/negativen Energien

Am besten eignen sich dazu Heilkräuter und Hölzer, die man selbst bei Vollmond geerntet und dann getrocknet hat. Den Kräutern werden unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben:
• Myrrhe, Wacholder, Thymian, Salbei, Kampfer wirken reinigend
• Patchouli schenkt Klarheit und Entschlossenheit, öffnet die Tore zum Unterbewusstsein
• Weihrauch sorgt für Klarheit und vertreibt böse Geister Energien und verstärkt positive Energien
• Lavendel wirkt beruhigend und ausgleichend, führt zu wohltuender Entspannung
• Rosmarin hilft beim Loslassen und stärkt das Selbstbewusstsein
• Melisse verhilft zu Gelassenheit und innerer Ruhe
• Styrax verbannt die negativen Gedanken und öffnet für die Liebe

So wie alles im Außen gereinigt wird, sollte man jetzt auch Seelenhygiene betreiben, um kraftvoll in den neuen Jahreszyklus starten zu können. Rituale helfen beim Reinigen und Loslassen.
• Träume und Visionen aufzuschreiben, lässt Klarheit entstehen, wohin die Reise gehen soll
• Eine Rückschau hilft zu erkennen, was Bestand hat und ins neue Jahr mitgenommen werden soll
• Das Traum- oder Rauhnachttagebuch kann Aufschluss über neue Aufgaben geben oder zeigen, was noch der Heilung bedarf
• Meditation verbindet mit dem höheren Selbst, führt in die Stille und kann Antworten auf wichtige Fragen bringen

In der Nacht vom ersten zum zweiten Februar (Lichtmess, Imbolc) ist die Zeit der Dunkelheit vorbei. Die Lichtjungfrau Brigid löst die dunkle schwarze Göttin (Percht), die den Winter beherrschte ab. Die Energie des Frühlings kehrt zurück. Die Erde und die Menschen erwachen und machen sich für den neuen Kreislauf bereit.

 


Amara Yachour
ist Autorin von mehreren Büchern und Fernstudien, Medium, Rednerin und spirituelle und mediale Lehrerin mit jahrelanger Ausbildung im In- und Ausland. Sie verbindet altes Wissen mit neuesten Erkenntnissen der Gehirn- und Quantenforschung, damit Ihre Schüler in kürzester Zeit hervorragende Ergebnisse erzielen. Bibliografie: Grüße aus dem Jenseits • Stimmen des Himmels • Das Lenormand Märchenbuch • Medialität – Das Unsichtbare wird sichtbar

www.body-soul-centrum.dewww.mediumausbildung.de

Portrait: A. Yachour, Bilder: Pixabay