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Donald W. Pfaff
Das altruistische Hirn
Sind wir von Natur aus gut?
320 Seiten, Paperback, 26,95 €
ISBN 9783456855868
Hogrefe Verlag

Dass der Mensch von Natur aus egoistisch und selbstbezogen sei, ist grundfalsch, meint Autor Pfaff.
Wenn doch jemand dieser Überzeugung ist, so ist daran das Christentum schuld, das den Menschen in totaler Verderbheit sieht.
Dabei ist der Mensch von Geburt an darauf programmiert Gutes zu tun, so Pfaff. Er wechselt dann auch gleich in die Neurowissenchaften, um Belege für seine These vorzubringen. Es ist auch durchaus faszinierend was er vorbringt. Dennoch wird man von Anfang an das Gefühl nicht los, tief im inneren erschauert er vor der wahren Natur des Menschen und er versucht um jeden Preis, das Bild des sozialen, altruistischen, emphatischen und moralischen Menschen aufrechtzuerhalten. Durch den Trick, auf Hirnareale, Hormone und Botenstoffe auszuweichen, muss er sich nicht mit simplen Fakten, wie etwa der menschlichen Geschichte, auseinandersetzen: Der Mensch hat immer und zu allen Zeiten grausam Krieg geführt. Die Sumerer ebenso wie Assyrer, Baylonier, Judäer, Ägypter und Chinesen. Die Arier fielen in Indien ein, die Mongolen in das mohamedanische Weltreich. Die vorspanischen Bewohner Mexicos führten Kriege ausschließlich zu dem Zweck, Kriegsgefangene zu machen, die dann als Menschenopfer den Göttern dargebracht wurden. Die spanischen Eroberer wieder waren darüber so entsetzt, dass sie die Eingeborenen massakrierten. Die auswandernden Europäer metzelten die indianischen Ureinwohner Amerikas nieder. Und im 20. Jahrhundert wurden allein 100 Millionen Menschen abgeschlachtet – für eine „bessere“ Gesellschaft.
Es irritiert, dass sich Pfaff sich implizit immer auf das christliche „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ bezieht, das Christentum aber ablehnt und es unterläßt, „nichtchristliche“ Varianten prosozialen Verhaltens darzustellen, wie etwa das sozial erwünschte Töten von Ungläubigen oder die Wiederherstellung einer verletzten Ehre durch das Töten des Entehrers. Außerdem unterschlägt er die bekannten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur genetischen Disposition von gewättätigem und asozialem Verhalten.
Die neurowissenschaftlichen Fakten, die Pfaff berichtet, sind sehr interessant, aber seine Schlussfolgerungen werden der komplexen und widersprüchlichen menschlichen Natur nicht gerecht.