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Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

Warum Yoga ideal für alle Reiter (und Pferde) ist
Von Donata von Griesheim

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Das Wort Yoga bedeutet Vereinigung und Verbindung. Das ist genau das, was wir uns wünschen wenn Zwei- und Vierbeiner zusammenkommen: eine vertrauensvolle Verbindung zum Partner Pferd, eine feine und respektvolle Kommunikation und beim Reiten Leichtigkeit und Harmonie auf beiden Seiten.

Nicht immer ist das so. Oft sieht man Disharmonie, Schmerzen und Frustration und der Traum der Einheitserfahrung ist getrübt. Hier treffen zwei unterschiedliche Lebewesen zusammen, was das Reiten so anspruchsvoll macht.

Die meisten Reiterinnen und Reiter wissen sehr gut Bescheid über mögliche Durchlässigkeitsprobleme ihrer Pferde und wissen um die Notwendigkeit regelmäßiger Gymnastizierung. Verspannungen und Fehlhaltungen beim Menschen dagegen bleiben im Alltag häufig unbeachtet. Sie treten aber spätestens beim Reiten zu Tage und äußern sich in Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Pferd. Je nach Typ reagiert das Pferd auf die oft unbewussten Signale des Reiters mit Abstumpfung oder Aufregung. Die Probleme des Reiters übertragen sich so nach und nach auf das Pferd. Hier kann uns Yoga auf vielen Ebenen ein gutes Werkzeug sein.

Yoga trainiert Körper und Geist
Yoga verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Es geht darum Körper, Geist und Seele harmonisch zu verbinden.

Zunächst einmal fangen wir an, uns selber besser kennenzulernen und bewusster mit uns selber umzugehen. Je mehr Körperbewusstsein und Klarheit wir haben und uns selber spüren, desto besser versteht uns auch unser Pferd. Wir sind bewusster im Umgang mit anderen, lernen sensibler zu kommunizieren, werden klarer in der Hilfegebung, und können unseren Körper gezielter einsetzen.
Der Körper wird im Yoga gestärkt, Muskeln gedehnt und aufgebaut. Verspannungen werden gelöst, und der ganze Körper harmonisiert. Yoga kann helfen, körperliche Schmerzen zu lindern, und das ist überhaupt die Voraussetzung für entspannte Reiterfreuden!
Im Yoga achten wir darauf, dass beide Körperseiten gleich gestärkt, gedehnt und harmonisiert werden. Wenn man zum Beispiel die Schultern hochzieht und schief sitzt, wird das Pferd darauf reagieren. Es unterscheidet nicht zwischen Hilfen, die man ihm bewusst gibt und denen, die man aus Versehen gibt, weil man den Körper gerade nicht ganz unter Kontrolle hat.
Und unser Geist? Oft kommt man nach einem stressigen Arbeitstag mit einem unruhigen Geist in den Stall, und begegnet einem Tier, das einen genau reflektiert und vollkommen im hier und jetzt ist? Damit hat es uns einiges voraus. Es ist durchaus eine Herausforderung nur im hier und jetzt zu sein, und unseren unruhigen „monkey mind“ zur Ruhe zu bitten …

“Yogas citta vrtti nirodhah“ hat schon Patanjali in den alten Yogaschriften gesagt: Yoga ist, wenn die Bewegungen des Geistes zur Ruhe kommen.
(Yoga-Sutra 1.2)

Wenn man gut für sich selber sorgt und im Augenblick ist, dann geht man zum Pferd und ist in der Lage, wirklich präsent und ganz bei der Sache zu sein. Hier können Yoga und Meditation eine große Hilfe sein.
 
Beweglichkeit und Flexibilität
Wenn man ein lockeres, bewegliches Pferd wünscht, muss man selbstverständlich auch selber locker und beweglich sein. Je geschmeidiger und beweglicher man ist, desto besser kann man den Bewegungen des Pferdes folgen. So lässt sich auch ein unerwarteter Hopser gut sitzen – und wenn es doch gen Boden geht, kann ein beweglicher und flexibler Körper den Sturz besser abfangen.


Übungen:

1. Beindehnungen sind besonders wichtig, denn in den Beinen sind sehr lange Muskelketten, die sich alle unmittelbar auf den Rücken auswirken. Geschmeidige Beinmuskeln sind die Grundbedingung für einen losgelassenen, tiefen Sitz im Sattel.

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Mache eine weite Grätsche nach vorne. Atme ein und ausatmend dehnst du dich mit langer Wirbelsäule nach unten. Wenn du deine Schulter dehnen möchtest, nimm die Arme wie auf dem Bild nach oben. Halte am Anfang nur ein paar tiefe Atemzüge. Beide Seiten.


2. Die Beweglichkeit der Hüftgelenke ist ebenso wichtig, sodass sich das Becken an die Pferdebewegung anpassen kann. Für verbesserte Abduktion und Außenrotation in den Hüftgelenken gibt es etliche sehr gute Yogaübungen, die sowohl dynamisch, als auch statisch praktiziert werden können.

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Verschränke deine Hände über deinem Unterschenkel und lasse deinen Körper Richtung Boden sinken. Etwas einfacher wird die Dehnung, wenn die Hände hinter dem Oberschenkel verschränkt sind. Halte bis zu 3 Minuten, beide Seiten.

3. Drehungen: Sie sind für unsere Wirbelsäule von geradezu therapeutischer Wirkung und für das Reiten absolut notwendig, beispielsweise um das Pferd in eine Biegung zu lenken.

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Bleibe in den Schultern gerade, drehe dich nach hinten. Der Blick folgt der Hand. Halte ca. bis zu einer Minute oder praktiziere dynamisch zu beiden Seiten.

Balance
Was passiert, wenn jemand auf deinen Schultern sitzt und sein Gewicht verlagert? Automatisch folgst du dem Schwerpunkt, um wieder im Gleichgewicht zu sein. Das Pferd spürt jede kleine Veränderung deiner Balance, und versucht sie auszugleichen. Balancehaltungen verbessern das allgemeine Gleichgewicht. Übungen für den Schultergürtel führen zu einer feineren Hand-Zügel Verbindung. Viele Yogaübungen trainieren die Balance und schulen gleichzeitig deine Konzentration.

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Ziehe ein Bein nach oben zum Körper, ziehe die Zehen nach oben. Die Hände verschränkt über dem Schienbein. Dieses ist eine sehr gute Dehnung für das Aufsteigen.

Atmung
Ohne Atem kein Leben, das gilt auch beim Reiten. Wie gerne hält man in brenzligen Situationen den Atem an und wird dadurch noch fester? Kann der Atem kontrolliert werden, kann man dem Pferd über den Atem Ruhe und Vertrauen vermitteln. Die Atmung ist einer der wichtigsten Punkte in der Yogapraxis! Durchatmen und loslassen und sich nicht in Probleme verbeißen ist lernbar und ebenso die gesamte Atmung tiefer und bewusster werden zu lassen.
Neben den klassischen Atemübungen (Pranayama) wird auch bei jeder Haltung (Asana) und Bewegung ein konstanter Fokus auf die richtige Atmung gesetzt.
Tipp: Atme beim Anhalten des Pferdes tief aus, das unterstützt die sanfte Hilfegebung

Koordinationsfähigkeiten
Reiten hat, genau wie Yoga, sehr viel mit Koordination zu tun. Die Hände machen etwas anderes als die Beine, hier anspannen, dort entspannen, Gewichts-, Schenkelhilfen … und alles gleichzeitig! Das kannst du mit Yoga trainieren und es wird dir später auf dem Pferd leichter fallen. Du wirst immer sensibler einwirken können.

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Körperbewusstsein
Manchmal muss auch an der Kopfhaltung gearbeitet werden, wenn der Kopf zum Beispiel beim Aussitzen im Trab „schlackert“, müssen wir stabilisieren. Ist der Kopf zwischen den Schultern eingeklemmt, darf er rauswachsen, hängt er, kann man lernen, wie er sich in Haltung und Bewegung trägt. Die Prinzipien der Aufrichtung sind für Mensch und Pferd die gleichen: Kopf hoch mit langem Nacken, das Kreuzbein nach hinten unten!

Ausstrahlung, Klarheit, Achtsamkeit
Yoga hilft klarer zu sein, die Wahrnehmung zu schärfen und das Selbstvertrauen zu stärken. Wenn man Selbstvertrauen ausstrahlt, wird das auch das Pferd merken und mehr Vertrauen und Respekt haben, weil es sich sicher fühlt. Man entwickelt mehr Achtsamkeit mit sich selber und entsprechend im Umgang mit Pferden.

Stress
Yoga hilft mit Stress und negativen Gefühlen besser umzugehen. Bei der Arbeit mit dem Pferd ist man geduldiger und gelassener und kann besser auf das Pferd eingehen. Man lernt, nicht alles zu ernst zu nehmen und nachsichtiger auf eigene Fehler und die „Fehler“ (Verständnisprobleme) des Pferdes zu reagieren.

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Fazit
Yoga ist sicher kein Wundermittel, das einen in kürzester Zeit von allen reiterlichen Schwierigkeiten befreit. Aber es ist ein wunderbarer Weg, auf allen Ebenen bewusster zu werden und Körper und Geist zu stärken, Achtsamkeit und Toleranz zu üben und noch mehr Freude mit dem Partner Pferd zu haben!
Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, wird man ausgeglichener, geduldiger und hat mehr Energie und Lebensfreude!

Probiere doch einmal aus, Yogaübungen vor dem Reiten auszuführen! Du wirst den Unterschied bemerken. Ich bekomme sehr viel Feedback von Reitern, die schon nach kurzer Zeit über positive Veränderungen berichten.
Und wenn die Zeit dazu nicht reicht, mach wenigstens ein paar Aufwärmübungen, von denen es viele, auch speziell für Reiter, gibt. In fast jeder Sportart wird sich aufgewärmt. Beim Reiten machen das aber die wenigsten, obwohl es körperlich sehr vielfältige Ansprüche stellt!
Ich würde mir sehr wünschen, das Yoga viele Reiter dabei unterstützt, einen harmonischen und liebevollen Umgang mit dem Pferd zu leben. Mit viel Freude und Einheit und „Ahimsa“ die Gewaltlosigkeit mit uns selbst und dem Pferd zu leben.

Fotos: Donata von Griesheim

Donata von Griesheim
Reitlehrerin mit lebenslanger Erfahrung mit Pferden, Yogalehrerin in und um Lüneburg, gibt Kurse zum Thema Yoga für Reiter
www.anjaliyoga.deinfo@anjaliyoga.de