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Die 4 Seiten-Sicht der Dinge

Von Ruediger Dahlke

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Wir träumen gern vom Gegenteil und sind selten mit dem zufrieden, was wir haben. Spirituelle Traditionen und Religionen raten uns, das Vorgefundene anzunehmen oder das Schicksal im Sinne des „Dein Wille geschehe“ anzunehmen oder wie es Byron Katie formuliert „Lieben, was ist“.

Aber der moderne Mensch ist kaum noch einverstanden mit dem Vorgefundenen, sondern will verbessern, verändern und nach seinen Wünschen gestalten. Selbst Kindern gegenüber sind wir zunehmend weniger bereit, sie so anzunehmen, wie wir sie bekommen. Wir kontrollieren mit Fruchtwasser-Punktionen, ob wir mit dem Erbgut einverstanden sein und mit dem Angebot zufrieden sein können. Bei Zweifeln lassen wir lieber abtreiben, um beim nächsten Mal mehr Glück zu haben. Das ist ein Schicksalsbegriff, der davon ausgeht, nach Belieben alles verändern beziehungsweise sogar manipulieren zu können. Im Silicon Valley im südlichen Kalifornien soll der durchschnittliche IQ schon über 130 liegen, weil die Eheleute sich Hochleistungs-Samen leisten, statt dem natürlichen Angebot des Vaters zu vertrauen. Selbst im Reagenzglas mit Hochleistungssamen befruchte Hochleistungseier sollen schon verpflanzt werden, um nur ja kein Dummerchen, sondern eine kleine Intelligenzbestie zu bekommen.

Wer die Spielregeln des Lebens im Sinne der „Schicksalsgesetze“ verstanden hat, dem bleibt keine Hoffnung auf solche Tricksereien, weil er weiß, Schicksal lässt sich nicht ausspielen oder betrügen. Er kennt die Gesetze der Polarität, der Resonanz und des Anfangs und weiß wie sie unser Leben bestimmen, auch wenn wir das meist erst in der Rückschau richtig durchschauen.

Das Gesetz der Polarität ist uns insofern vertraut, als wir eben oft das Gegenteil erstreben. Ein Beispiel mag das im Sinne der „Die 4 Seiten der Medaille“ erläutern. Wer ein sehr lebhaftes und ungezogenes Kind hat, das ihn ständig heraus- und überfordert, der träumt gern und ausgiebig vom ruhigen und braven, folgsamen Pendant. Aber schauen wir uns das genauer an. Ein ganz ruhiges und immer braves Kind, das ausnahmslos macht, was ihm aufgetragen wird und nie aus der Reihe tanzt, verrücktspielt oder seinen eigenen Willen durchzuboxen sucht, könnte auch recht langweilig sein. Von ihm geht zwar kein Ärger, aber auch kein Impuls aus, keinerlei Anregung und nichts Inspirierendes. So ein „Napfkuchen“ könnte dann erst recht nerven und die Eltern auf seine Art unterfordern und frustrieren.

Dann wünschen sie sich wiederum den Gegenpol, ein kreatives, inspirierendes Kind, das sie zum Lachen und zum Weinen bringt, das Leben in die Bude (ihres Lebens) bringt und eine Freude für die Sinne ist. Wenn Sie nun dieses Kind mit dem der Ausgangssituation vergleichen, erkennen die meisten wohl spontan, dass es da enge Beziehungen gibt. Beide Kinder fordern heraus, nur gegensätzlich, das eine destruktiv und unerlöst, das andere konstruktiv und erlöst. Tatsächlich würde es eigentlich auch reichen, gleich zu Beginn das dem anstößigen Verhalten zugrunde liegende Muster, den entsprechenden Archetyp zu erkennen, um die an sich wertfreie Energie zu erkennen und sie in konstruktivere Bahnen zu lenken.
Allerdings ist Archetypen-Verständnis noch immer so wenig verbreitet, so dass die Methode der „Die 4 Seiten der Medaille“ die patenteren Lösungen rascher anbietet.
Dazu malt man am besten ein Kreuz auf ein Blatt Papier und nimmt den Querbalken als Grenze zwischen (bewusstem) Himmel und (unbewusster) Hölle. Nun trägt man das beanstandete Verhalten, hier die Unerzogenheit und Aufsässigkeit des Kindes links unten ein. Den idealisierten Gegenpol findet man dann diagonal gegenüber, also rechts oben, das brave folgsame Kind. Allerdings fiel uns da gleich der Schatten auf, dass nämlich ein immer nur braves Kind erst recht auf die Nerven geht und so kommt dieser pflegeleichte, aber energielose dauerbrave „Napfkuchen“ rechts unten in den Schattenbereich.

Nun träumte man wieder vom kreativen inspirierenden und von Energie nur so sprühenden Gegenpol, der links oben seinen Platz im Tetragramm findet. Damit ist das Quartett vollständig und jetzt stehen die beiden energiereichen nur gegenpoligen Zustände links übereinander: unten der unerlöste, oben der erlöste Aspekt.

Natürlich könnte jemand mit Kenntnis der Ur- oder Lebensprinzipien hieraus sogleich den Archetyp erschließen und direkt destruktive Energien in konstruktive Kanäle wandeln. Ein freches, lebhaftes Kind kann eben auch frech denken und Lebendigkeit versprühen.

Für die allermeisten ist es aber zur Erweiterung Ihrer Problemsicht viel einfacher sich auf den Spuren des Unendlichkeitszeichens von der unerlösten Schattenecke links unten in den idealisierten Gegenpol nach rechts oben zu bewegen, um dann mit der Erkenntnis von dessen Schatten nach rechts unten abzusteigen. Jetzt ergibt sich die Lösung wieder diagonal gegenüber links oben. So beißt sich die Bewusstseinsschlange in den Schwanz. Die erlösten Varianten finden sich immer oben, über ihren Schattenseiten.

In der Praxis wird es für das überdrehte schwer erziehbare Kind links unten, die rechten Lösungs-Varianten kaum geben, sie sind Phantasie-Gebilde, die das Leben nicht zur Verfügung stellt. Es kann seine Energie ja nicht vernichten. Dem stehen schon die Energie-Erhaltungssätze der Naturwissenschaft entgegen. Aber es ist immer möglich, Energien ineinander umzuwandeln.

Eltern, die dieses Spiel der „Die 4 Seiten der Medaille“ in dieser Situation spielen, werden auch froh sein, wenn sie aus den rechten Feldern wieder herausfinden, denn die passen in der Regel überhaupt nicht zu ihrem Kind und folglich auch nicht zu ihnen.

Nach diesem Muster lassen sich praktisch alle Themen, mit denen man in Widerstand geraten ist, auflösen. „Das Buch der Widerstände“ bietet die ganze Fülle der Probleme urprinzipiell geordnet an, wobei den meisten wohl auch spontan genug dazu einfällt.

Nehmen wir die Eifersucht des Partners, die die Beziehung bedroht, und geben sie links unten in das Fensterkreuz ein. Dann träumen Betroffene natürlich vom Gegenpol, einem immer lieben, liberalen Partner, der völlig frei und offen, weder Eifersucht kennt noch Kontrollen erwägt. Er lässt einem nicht nur alle, sondern nimmt völlig selbstverständlich auch alle Freiheiten für sich in Anspruch und gehört in unserem Muster in die rechte obere Ecke.

In dieser Grenzenlosigkeit kann sich viel Stress, aber auch viel Nähe einfach auflösen. Der Schatten des liberalen offenen Partners könnte sein, dass er sich gar nicht kümmert, weil ihm sowieso alles recht und er für alles offen ist. Auch das kann sehr unbefriedigend sein und wir sind wieder auf der rechten Schiene abgestürzt und finden uns rechts unten in einer so offenen Beziehung, die kaum noch an eine solche erinnert, weil alles möglich und erlaubt ist. Da mag dann auch alle Sicherheit und Verlässlichkeit auf der Strecke bleiben.
Dann könnte sich der ursprünglich von der Eifersucht und allen dadurch bewirkten Einschränkungen so entnervte Partner anfangen, nach mehr Struktur und Verlässlichkeit, mehr Ordnung und Sicherheit in der Beziehung zu sehnen. Das wäre links oben und ist genau, was der eifersüchtige Teil, wenn auch in übertriebener Weise will. Einen völlig sicheren, 100 % verlässlichen Partner, der jederzeit berechenbar, auffindbar und kontrollierbar ist. So ließe sich herausfinden, dass man so weit gar nicht auseinander ist und es nur um das Ausmaß der Verlässlichkeit und Sicherheit geht.

Oder der Partner nervt mit seiner Pingeligkeit, nimmt an jeder Kleinigkeiten Anstoß, ist in einer einzigen Putzorgie engagiert, ständig mit dem Besen hinter einem her und macht das Leben zu einer Hygiene-Hölle. Das ist ein typischer Fall für links unten. Und der Traum wäre dann rechts oben im Kreuz ein gelassener, sich nicht so einmischender, großzügiger Partner, der auch mal fünfe gerade sein lässt und tolerant und entspannt mit der Welt umgeht. Aber der Schatten dieser großen Toleranz ist dann wieder jemand, der gar nicht putzt, weil er alles toleriert, dem Ordnung und Schmutz völlig gleichgültig sind und der sich nirgendwo mehr einmischt und gar nicht wischt, weil ihn nichts stört. Diese Wurschtigkeit kann dann erst recht extrem nerven.

Also träumt man davon, er möge eine gewisse Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gegenüber der Entstehung von Unordnung und Chaos entwickeln und mit sich und seiner Umwelt sorgsamer umgehen, um nicht in eigenem und fremdem Dreck zu ersticken. Dieses Ideal rangiert nun links oben, direkt über der Hygiene-Orgie, die so genervt hat. Da merkt jeder, dass es hier um dasselbe Lebensprinzip geht, nur ist es in der links unten beschriebenen Variante ins unerträgliche Extrem übertrieben und links oben ist das rechte Maß gewahrt.
Auf diese Weise lässt sich jede Problematik „aufs Kreuz legen“ und in ihre Komponenten entsprechend der Spur der liegenden Achterschleife durchs Tetragramm verfolgen. Das wird die Problematik entschärfen und die Augen fürs Wesentliche öffnen. Und eh man sich versieht, verschwinden die Wertungen aus den vier konträren Polen und man landet in der Mitte. Wem es aber in Bezug auf seine größten Probleme gelingt, die Mitte zu finden, der ist auf einem guten Weg der Selbstverwirklichung.

Das ist das Ziel der „4 Seiten der Medaille“.

Foto: © GLV Press

Infos: www.dahlke.atwww.taman-ga.at

Literatur von Ruediger Dahlke zum Thema:
• Die 4 Seiten der Medaille
• Die Schicksalsgesetze
• Das Schattenprinzip“ (alle Goldmann-Arkana)
• CDs Polaritätsgesetz, Resonanzgesetz und Bewusstseins-Felder (alle www.heilkundeinstitut.at)

Buchtipp:
Ruediger Dahlke
Die 4 Seiten der Medaille
Eine einfache Methode, um unsere wahre Mitte zu finden
ISBN: 978-3-442-34189-4
€ 19,99
Arkana

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