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Lebenspartner Erde

Von Deert Jacobs

portrait jacobs
Die Geomantie (griech. geos – die Erde / mantein – schauen, interpretieren, deuten) ist eine aus alter europäischer Tradition hervorgegangene Erfahrungswissenschaft (ähnlich der chinesischen Lehre vom Wind und Wasser: feng – shui), die es versteht, Orte und Räume der heilenden Kraft zu schaffen.

Dies unterscheidet die Geomantie im wesentlichen von den geopathologisch-radiaesthetischen Methoden, die davon ausgehen, dass Orte und Räume so stark gestört sein können, dass sie Menschen belasten oder gar krankmachen. Es wird dann von „Haus-Entstörung“ gesprochen, die mal mit technischen Apparaten, mal mit Bettverschiebungen und mal mit Abschirmfolie Entlastung und Heilung verspricht. Die Geomantie benutzt den Begriff „Entstörung“ nicht, da der assoziiert, dass die Erde krank und für uns Menschen schädlich ist. Das Krankmachende ist jedoch nicht die Erde, sondern die gestörte Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Umfeld. Wird die Erde nur als passives, totes Stück Materie betrachtet und wirtschaftlich ausgebeutet, dann wird sie zum energieschluckenden schwarzen Loch. Betrachtet man die Erde jedoch als lebendiges und beseeltes Wesen und würdigt sie als Lebens-Partner, so stellt sie ihre Kräfte und ihr Potential dem Menschen zur Verfügung. Die Selbstheilungskräfte des Ortes werden gestärkt seine störenden Einflüsse lösen sich ganz von selbst auf. Insofern ist Geomantie in erster Linie eine Wahrnehmungs- und Bewusstseinschulung.
Auch treffen Menschen und Orte nicht zufällig zusammen. Vielmehr besteht zwischen beiden eine Resonanz, eine Band vielschichtiger seelisch-energetischer Wechselwirkungen, dass dafür sorgt, dass sich beide Partner finden, voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen und fördern. Diese Übertragungen und Beeinflussungen zwischen dem energetischen Potential eines Ortes und den vor Ort lebenden und arbeitenden Menschen werden als Resonanz bezeichnet. Da aber jeder Mensch eine energetisch individuelle Disposition hat, wirken sich auch die Orts-Kräfte verschieden aus. Daher muss man, wenn „Störzonen“ im Wohn- und Arbeitsumfeld untersucht werden, zusätzlich auch den Menschen bzw. das Unternehmen untersuchen und überprüfen, ob und wieweit er und es auf die „Störzone“ reagiert. Nur dadurch ist eine maßgeschneiderte Therapie möglich.
Ich möchte im Folgenden die energetische, seelische und geistige Anatomie von Orten und Räumen anhand von Beispielen vorstellen und damit aufzeigen, inwieweit geomantische Methoden bei Untersuchungs,  Planungs- und Gestaltungs- und Heilungsprojekten inzwischen Anwendung finden.

Was ist ein Kraft-Ort?
Jede Landschaftseinheit (Raum, Haus, Grundstück, Stadtteil, Region, Land, Kontinet) hat ein spezifisch-energetisches Niveau, eine eigene Seele und eine eigene Individualität. So ist etwa der Charakter Bremens grundverschieden gegenüber dem von Nürnberg, Schleswig-Holstein ist nicht Bayern. Diese Verschiedenartigkeit jeder Landschaftseinheit hat ihre materiell-energetische Ursache zunächst in den sinnlich wahrnehmbaren Gegebenheiten, wie beispielsweise im Aufbau und in der Zusammensetzung des Unterbodens. Dieser Körper der Landschaft, mal moorig, mal sandig und eben, ein anders Mal aus Kalk, Granit oder Basalt aufgebaut und bergig, bestimmt grundlegend das energetisch- seelische Niveau eines Lebensraums. Während der Moorboden lebt, also nicht mineralisch tot und kaum standfest ist, und sich je nach Witterung hebt oder senkt (Worpswede), ist der Sandboden trocken, hell und fördert die Lebendigkeit, das Denken und die sprachliche Beweglichkeit (Berlin). Der Kalk ist als ehemaliger Meeresboden ein ruhiges Sedimentgestein, der aus den Schalen (Wohnungen) von Schnecken und Muscheln hervorgegangen ist. Er schirmt ab, bildet einen Innenraum und wirkt ausgleichend. Der Basalt hingegen ist ein Primär- oder Feuergestein, das Impulskraft, Dynamik und Härte verkörpert. Entsprechend den energetischen Wirkungen der Gesteine ist auch die Auswahl von Baumaterialen für den Hausbau relevant. So schirmt etwa rechtsdrehender Kalkschotter die Wirkungen von Wasseradern und Verwerfungen ab, während Lehmwände antibakteriell und damit allergikerfreundlich sind und Elektrosmog mindern.
Aber auch die Topographie, die Vegetation und die Tierwelt sind Bestandteil des Landschaftskörpers und haben als solche einen Einfluss. So wurden bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Baugrundstücke eingehend geomantisch untersucht. Man schaute nach „Zeigerpflanzen“, die Auskunft über das energetische Niveau des Grundstücks geben konnten und betrachtete deren Wuchsform. Bäume mit Krebsknoten wurde nicht gefällt, um anstatt ihrer ein Haus zu bauen. Den Bewohnern wäre es nach kurzer Zeit ähnlich ergangen. Auch ließ man Kühe oder Schafe auf dem Baugelände weiden um dort, wo die Tiere lagerten, einen für Menschen geeigneten Platz zu finden.

Als Radiaesthesie (Strahlenfühligkeit) wird das Wünschelrutengehen bezeichnet. Die moderne Radiaesthesie baut auf die Erkenntnisse der Antennenphysik auf, dass jedem Material, jeder Form und auch jeder seelisch-geistigen Information letztlich Schwingungsmuster zugrund liegen, die sich als Wellenlänge definieren lassen. Diese können dann mit einer „Abstimmrute“ gemessen werden und haben eine biologische Wirksamkeit und damit auch einen Einfluss auf den Menschen. Eine Wasserader schwingt auf einer Wellenlänge von 33 cm, wird entsprechend ihrer Intensität, ihrer Polarisation und ihrer inneren Schwingungscharakteristik bestimmt und kann entweder als Heilwasser einen Kraft-Ort (Altarräume von Kirchen, Kultplätze) bezeichnen, oder als belastetes Wasser, etwa durch die Aufmodulation von Elektrosmog, degenerativ wirken.
Durch Steinsetzungen oder durch den Einsatz homöopathischer Mittel lässt sich die Schwingungscharakteristik von Wasseradern nachhaltig beeinflussen. Bei einer geomantischen Untersuchung kann auch die Lage von Gitternetzen bestimmen um ihr Potential zu nutzen. So gibt es ein Gitternetz, dass für geistige Klarheit, Ideenreichtum und Wachheit sorgt und daher Beredsamkeitslinie genannt wird. Auf Kreuzungspunkten dieses Gitters stehen Kirchenkanzeln (Sprachrohr Gottes) und Blitz-Bäume (kosmische Kraft). In Arbeitsräumen sind das die besten Plätze für geistige Konzentration und in Unternehmen stehen hier die Chefsessel.

lithopunktur
Ein anders Gitternetz hat die Qualität Wachstum, Gesundheit und Vitalität. Hier sind Plätze zum Aufladen, die sich als Standorte für Kassen, als Behandlungsliege oder für einen Brunnen oder Kraftstein eignen, der dann in den ganzen Raum ausstrahlt. Computer oder elektrische Geräte sollten hier nicht stehen. In der Landschaft findet man an den Kreuzungspunkten dieses Wachstums-Gitters uralte, vitale Bäume, wie etwa Tanzlinden, und die zentralen Wahrzeichen auf Marktplätzen.

kosmogramm

Kosmogramm

Beispiel I:
Ein Therapeut richtet in seinem Haus einen Raum ein, den er zu Heilungszwecken nutzen will. Der dafür notwendige Schutzraum soll entstehen und die während der Behandlung frei werdenden Emotionen sollen nicht auf die Privaträume ausstrahlen. Ich schlug eine Ecksteinlegung vor, bei der ein kompakter Naturstein in vier Teile gespalten und auf die Gitternetzkreuzungen in den Ecken des Zimmers gelegt wird. Die Steinteile wurden so gelegt, dass die Bruchkanten zueinander zeigten und sich damit, wie Magneten, energetisch anziehen und einen Schutzraum bilden gleich einem faradayscher Käfig.
Die weiter feinstofflichere Ebene, die einen Ort energetisch prägt, wird als Chi-Fluss oder als Ätherstrukturen bezeichnet. Es handelt sich hierbei ist das energetische Potential, das den Schwingungen der vier Elemente zugrunde liegt. Nach einer alten (chinesischen) Tradition werden die energetischen Ströme als Erd-, Wasser-, Feuer- und Flug-Drachen bezeichnet. Dort wo ein Drache sein Nest / seine Höhle hat, ist eine Energie-Quelle. Die energetische Ausstrahlung des Bodens kann auch durch die Äther-Messung bestimmt werden. Bauen sich die Äther zu dreidimensionalen Körpern auf, zeigen sie damit Kraft-Orte an.
Der Äther ist vom Menschen beeinflussbar und interagiert mit ihm. Denn nicht nur Orte und Räume, sondern auch Menschen verfügen über dieses Energiefeld. Zwischen beiden kommt es zu einer Überlagerung, die im allgemeinen als diffuse Atmosphäre, als Stimmung oder als eine Art Duft wahrgenommen wird. Jeder kennt das Gefühl, in einen Raum zu kommen und sich spontan wohl oder unwohl zu fühlen, entspannt oder unsicher zu sein.

Beispiel II:
Eine Kundin mit einer Halbseiten-Lähmung lebt mit ihrem Mann im Schwarzwald und  bat um eine geomantische Hausuntersuchung zur Abklärung ihrer schweren Krankheit. Das Haus und der große Garten liegen in einer steilen Hanglage. Das Gebäude ist zur Straße ebenerdig betretbar, der Garten liegt hinter dem Haus und fällt gut 50 Meter ab.
Beim Blick auf eine geologische Karte wurde klar, wie durch das Grundstück eine geologische Verwerfung und ein Gesteinswechsel von Granit zu Kalkstein verläuft. Bein Betreten des Hauses, besonders dem Schlafraum der Kundin, hatte ich das Gefühl ins Bodenlose und im Morast zu stürzen. Als ich dies ansprach, berichtete der Hausherr, das Gebäude sei an dieses Stelle tatsächlich vor Jahren abgesackt und gar das Fundament gebrochen.
Als es saniert wurde, habe er mit einer vier Meter langen Holzlatte unter der Sohlplatte gestochert und keinen festen Boden gefunden. Wie sich dann herausstellte, sei das Haus auf die Stadtgrenze und den alten sumpfigen Abwassergraben gebaut worden.
Auf dieser Linie hat die Kundin ihren Raum und speziell ihr Bett gestellt. Erstaunlicherweise wollte die Frau sich überhaupt nicht vorstellen, einen anderen Raum zu beziehen, obwohl das Haus wahrlich genügend freie und schöne Zimmer hatte. Manchmal ist die Verquickung zwischen Ort und Mensch so stark, dass sie trotz Leidensdruck nicht gelöst werden kann.
Die Seele der Landschaft, die auch als anima loci bezeichnet wird, ist von Elementarwesen (Zwerge, Elfen, Kobolde, Nixen und dergleichen) bewohnt. Diese sind, modern ausgedrückt, mehr oder weniger individualisierte Kraftbrennpunkte, die die Aufgabe haben, der Erde und ihren Lebewesen eine Empfindungsfähigkeit zu verleihen. Ein Problem unserer heutigen Zivilisation ist, dass wir uns selten der Wirkungen unserer Taten, Gefühle und Gedanken auf Orte bewusst sind. Die Elementarwesen, deren „Körper“ das Gefühl ist, reagieren äußerst sensibel auf Emotionen. Sie gleichen darin Kindern, die nicht anders können, als das nachzuleben, was ihnen emotional vorgelebt wird. Auf dieser Ebene, auf der auch die Erinnerung (Biographie) und die Geschichte des Ortes gespeichert ist, liegen häufig die subtilen, emotionalen Störungen.

Beispiel III:
In einem kleinen Dorf habe ich über 16 Jahre lang eine Diskothek geomantisch beraten. Sie ist vor über 30 Jahren in ein altes, reetgedecktes Bauernhaus eingezogen, in dem die jahrhundertlange Geschichte wesenhaft eingeschrieben war. Der Eigentümer klagte damals über Besucherrückgang, eine Vielzahl von technischen und sozialen Unwegsamkeiten und über Vandalismus. Meine Aufgabe war den Ort auf die neue Nutzung und den Eigentümer abzustimmen. Bei meiner Untersuchung begegnete ich dem Hüter des Ortes, der sich über den Lärm und die mangelnde Aufmerksamkeit beschwerte. Während der Jahre des Diskobetriebs wurde der Ort ausgebeutet und verwahrloste. Er war damals seelisch ausgebrannt, leer und ernährte den Eigentümer nicht mehr. Die Seele des Ortes musste gepflegt werden.
Wir entschieden uns im Außengelände einen Biergarten so zu gestalten, in dem die Naturwesen einen Ort bekamen, in dem sie geachtet werden und an dem Geschehen teilnehmen können. Ich arbeitete hierbei mit der Kunst der Lithopunktur, der Akupunktur der Landschaft mit Steinen. Die bislang unergründlichen Mängel (Leck im Heißungssystem, verstopfte Kanalisation, Finanzlöcher, soziale Streitigkeiten) wurden schließlich geklärt. Die Disko lief daraufhin erfolgreich und es braucht Jahre keinen Türsteher mehr, da der Hüter des Ortes die ungebetenen Gäste abweist. Der Ort schützt nun sich selbst und das Unternehmen.
Die geistige oder Bewusstseinsebene der Landschaft wird genius loci genannt. Nicht nur an alten, sakral genutzten Orten, wie Kirchen oder Tempeln, sondern auch an profanen Orten können sich kosmische Kräfte (Chakren, Planeten, Tierkreis) fokussieren und in die Landschaft einstrahlen. Hier kann die Präsenz von Engeln wahrgenommen werden. Bis ins 16. Jahrhundert wählten die Bauhüttenmeister diese Plätze als Baugrund für Kirchen. Ein System dieser hochschwingenden Energien wird als Landschaftstempel bezeichnet. Diese geistige Dimension von Orten und Räumen hat ihre Entsprechung im Mentalfeld der Menschen und fördert die Kontemplation, die Meditation und damit die geistige Entwicklung. Rituale und Gebete schaffen und erhalten diese hochschwingenden Kraftfelder.

grundstein marmor

Grundstein aus Marmor

Beispiel IV:
Vor 20 Jahren habe ich in Wiesbaden das Erfahrungsfeld der Sinne mit aufgebaut und die geomantische Sanierung des Schlossparks übernommen. Der 23 ha große Park war ein Anfang des 20. Jahrhunderts von Gartenbaumeistern als Kraftort angelegt worden und von der Eigentümerin, einer französischen Prinzessin, nach einer großen Enttäuschung, verflucht worden: „Hier soll niemand mehr glücklich werden!“
Schloss und Park verwahrlosten nach schneller Besitzerfolge zur Müllkippe, wurden Drogenumschlagplatz und zu Party- und Wohnzone von sozialen Randgruppen. Alle oben beschrieben geomantischen Systeme waren größtenteils zusammengebrochen und wirkten zerstörerisch. Im Laufe der geomantischen Arbeit wurden durch Rituale die Lebens- und Selbstheilungskräfte des Parks gestärkt und die destruktive Atmosphäre aufgelöst. Kinder zogen ein und bauten Höhlen. Ich begann daraufhin, an der Wurzel des Übels, an der Erlösung des Fluchs zu arbeiten, der sich an einem Baum im Park manifestiert hatte. Zwar löste sich der Fluch von seiner Verhaftung mit dem Ort, tauchte jedoch im nächsten Moment im sozialen Gefüge des Unternehmens auf. Dort verursachte er eine Atmosphäre der Enttäuschung und des Misstrauens, in der niemand mehr dem andern zuhörte und ihn verstand.
In dieser Zeit spukte es im Schloss. Die Menschen hatten nun die Aufgabe, den Fluch in ihre Mitte zu nehmen und sich mit der Vergangenheit des Ortes und damit auch den eigenen persönlichen Schattenseiten zu stellen. Meistern Menschen diese Aufgabe, dann heilen sie sich selbst und ihren Ort.

Fotos, Grafiken: Deert Jacobs

Deert Jacobs
betreibt seit 18 Jahren das „Atelier für Geomantie & Kunst – Genius Loci“ und die „Schule der Wandlung“ in Bremen; nach Medizin- und Schauspielstudium zweijährige Ausbildung bei Marko Pogacnik, seitdem zahllose Bau- und Gestaltungsprojekte im Bundesgebiet und europaweit.
www.geniusloci.info, info@geniusloci.info
Tel.: 0421 - 4989 314