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Zeitgemäße
schamanische Ausbildungen

Von Angelika Schacht

portrait schacht
Die Aufgaben eines Schamanen der indigenen Völker war vielfältig. Schamanen waren Berater, Priester, Heiler, Lehrer und für das Finden von Jagdwild verantwortlich. Von ihnen hing das Wohl der ganzen Sippe ab. Deshalb war es wichtig, dass sie die Zeichen der Natur richtig deuten konnten, als deren Teil sich die Menschen einst verstanden.

Der gesamte Prozess der Schamanenwerdung verlief in mehreren Stufen, die sich über einen langen Zeitraum hinzogen. Die Ausbildung zum Schamanen war extrem individuell, mit isolierenden, oft leidensbetonten Formen und teilweise lebensgefährlichen Elementen.
Je nach Tradition, wurden traditionelle Schamanen-Anwärter tätowiert oder skarifiziert, wurden ihnen Wunden zugefügt oder Beschneidungen vorgenommen. Sie wurden mit Drogen „vollgestopft“, so dass sie vollkommen verwirrt waren und sich im psychedelischen Dämmerzustand befanden. In diesen Momenten erschienen ihnen die Götter, Geister und Dämonen leibhaftig.
Es gibt kaum Hinweise, wie in Europa Schamanismus praktiziert wurde. Schamanische Techniken sind durch kirchliche Inquisitionen fast vollständig ausgelöscht worden. Hauptziel der Inquisition war, nach kirchlichem Verständnis, die Reinhaltung des Glaubens. So fielen viele Heilkundige, Kräuterfrauen, Hebammen und Andersdenkende und Andersgläubige der Verfolgung der Kirche zum Opfer. Vermächtnisse sind nicht mehr offensichtlich. Sie sind verborgen in Märchen, Metaphern, Liedern und Gleichnissen. In samischen Kulturen und nordischen, heidnischem Glauben finden sich klare schamanische Züge. Bei den Samen wird in der Regel Schamanismus von Männern ausgeführt. In ostsibirischen Völkern von Männern und Frauen gleichermaßen, wobei bei vielen Stämmen der „Zauber“ von Frauen als mächtiger angesehen wird, als der von Männern.

Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere musste alle Arbeit tun und das Aschenputtel im Hause sein. Das arme Mädchen musste sich täglich auf die große Straße bei einem Brunnen setzen und so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den Fingern sprang. Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz blutig war, da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie abwaschen, sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab.
Es weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig, dass sie sprach: „Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol‘ sie auch wieder herauf.“ Da ging das Mädchen zu dem Brunnen zurück und wusste nicht, was es anfangen sollte und in seiner Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es verlor die Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selbst kam, war es auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und vieltausend Blumen standen. Auf dieser Wiese ging es fort und kam zu einem Backofen, der war voller Brot, das Brot aber rief: ,,Ach, zieh‘ mich raus, zieh‘ mich raus, sonst verbrenn‘ ich, ich bin schon längst ausgebacken!“ …

Das sind Worte aus dem Märchen Frau Holle. Es könnte genauso gut der „Bericht eines Schamanen“ von einer schamanischen Reise sein. Worte können eine Verbindung zwischen bewusstem und dem unbewussten herstellen. Die Heilkraft von Mantren und Worten wird seit Jahrtausenden genutzt. Heilworte erhalten Schamanen aus der geistigen Welt von ihren spirituellen Verbündeten. Menschen sind verschieden und brauchen individuelle Worte für individuelle Themen.
Worte stärken den Willen, das Wissen und das Handeln. Sie führen direkt von der Psyche zur Seele und fördern Begeisterung, Mut und Entschlossenheit.
Das Besprechen von Gürtelrosen und Warzen, das bittende Gebet zum großen Geist der Schöpfung um Heilung, das beschwichtigende Singen einer Mutter an der Wiege ihres Neugeborenen heilt, stärkt und nährt. Worte können Wunder vollbringen und heilsam sein.
Wir Europäer haben fast alle unsere heiligen Rituale und Worte verloren. Einst wurden Götter, Geister und Ahnen befragt, die eine Antwort auf ein bestimmtes Ritual gaben. Sie gaben dem Menschen diese Rituale, damit sie im Einklang mit der Natur und der Welt der Geister und Götter leben konnten.
Wir leben im Land der Zwerge. Wir haben Flüsse, Bäume, Berge, Wiesen und Felder. Wir haben Vögel, Fische und viele andere Tiere. Wir können mit ihnen „reden“, sie können uns Antworten auf unsere Fragen und unsere Rituale geben.
In unserem Kulturkreis gibt es sinnvolle Herangehensweisen für eine schamanische Entwicklung. Wir haben eigene Formen und Möglichkeiten um mit Göttern, Geister und Dämonen in Kontakt zu treten. Dennoch, die Initiation zum Schamanen beinhaltet auch heute noch, dass (innere) Grenzen überwunden werden. Die eigene Geschichte muss ausreichend verstanden, gewürdigt und verarbeitet sein. Eine schamanische Ausbildung in unserem Kulturkreis hat keine lebensbedrohlichen Elemente. Es ist nicht überlebenswichtig nach Nahrung für den Körper zu jagen. Schamanen verstehen sich heutzutage als Vermittler zwischen dem Menschen und den Mächten hinter dem Schleier der Natur. Durch die Fähigkeit, in andere parallele Wirklichkeiten zu gehen, können sie Lösungen für alltägliche Probleme finden.
Die Aufgabe des Schamanen ist es, dem modernen Menschen die Verbindung zur Natur und zum Geist der Schöpfung nahezubringen. Auch der Mensch ist Natur, alles Lebende ist Gemeinschaft, in Konstruktiven wie im Destruktiven. Der Weg zur Heilung besteht darin, dem Einzelnen zu ermöglichen, sich der Vernetzung mit dem Ganzen wieder bewusst zu werden. Heutzutage bemühen sich Schamanen vorrangig um die Nahrung der Seele und des Geistes.
Schamanismus ist keine Technik, für die es Anweisungen oder Patentlösungen gibt, die man im Bedarfsfall anwendet. Der schamanische Weg ist ein lebenslanger Weg, es gibt keine Abkürzungen. Die Verbündeten der parallelen Wirklichkeiten bestimmen das Tempo, in dem es vorangeht.


Schamanische Unterstützung basiert auf Mitgefühl. Mit Aufmerksamkeit, Beobachtungsgabe, Objektivität und Vertrauen kann der schamanische Weg in die Heilarbeit beschritten werden. Vertrauen entsteht durch positives Erleben. Schamanische Rituale und Techniken werden während der Ausbildung durch gegenseitiges Üben vermittelt, die Schulung der Sinne während der Ausbildung gestärkt. Das Erfahren einer positiven Wirkung durch praktische Übungen sind wichtige Erfahrungen und die beste Grundlage für eine zeitgemäße, schamanische Praxis. Schamanen sind bodenständig im Alltag und erfahren in Lebensbereichen, wie Beruf und Partnerschaft. Sie setzen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen bei Konflikten und Krankheiten ihrer Klienten ein. Für Schamanen existiert das Dunkel neben vorhandenen Lichtgestalten. Sie sind sich bewusst, dass sie der „hohle Knochen“ sind, durch den göttliches Wirken geschehen kann.
Kern-Schamanismus wurde von dem Anthropologen Michael Harner erforscht und entwickelt. Kern-Schamanismus definiert sich weder über einseitige Anschauungen noch über bestimmte ethnische Gruppierungen. Kern-Schamanismus besteht aus weltumfassenden Grundsätzen und Techniken des Schamanismus. Der Fokus des Kern-Schamanismus bezieht sich auf den Kontakt mit den Wesenheiten der alltäglichen und parallelen Wirklichkeiten.
Er konzentriert sich nicht auf Zeremonien der indigenen Völker, die sowohl schamanisch als auch zeremoniell tätig sein können.
Das Ziel einer Ausbildung ist das Erlernen schamanischer Techniken, um den eigenen schamanischen Arbeitsschwerpunkt zu entdecken. Der schamanische Weg ist eine persönliche Entwicklung, ein innerer Reife- und lebenslanger Entwicklungs­zeitraum. Die Zeit des Begreifens und Lernens geht nach der Ausbildung weiter. Der beste Ratgeber ist die Natur selbst, mit ihrem Rhythmus von Entstehen und Vergehen.

Angelika Schacht
CSC (Certified Shamanic Counselor Harner Method),
Ayurveda Praktiker
Tel.: 04563 - 473 18 45
Mobile: 0163 - 163 3011
post@schacht.co
www.schacht.co
Fotos: A. Schacht

 


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