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Grüne Erde
Die Kraft der alten Pfade nutzen

Über Schamanen und Medizinmänner
Von Erika Lange-Kretschmann

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Schamanen und Medizinmänner haben Hochkonjunktur. In unserer hoch zivilisierten Welt haben wir die tiefe Verbindung zur Natur und das Wissen darum, ein Teil des großen Ganzen zu sein, verloren. Einsamkeit und eine mehr und mehr zerstörte Umwelt sind die Folgen. Viele Menschen fühlen eine unbestimmte Sehnsucht und suchen nach einem Weg, der sie zurück zu einem natürlichen Leben führt.

Auch ich gehörte zu diesen Suchenden.
Meine Suche führte mich, nach einer siebenjährigen Ausbildung durch eine australische Schamanin, auf eine weite Reise zu den Schamanen Sibiriens. Dort war ich tief berührt von der Lebendigkeit der Natur. Jeder Stein, jedes Moos, die gesamte belebte und unbelebte Natur, „erzählte“ unentwegt ihre Geschichte. Nicht nur die unendliche Weite faszinierte mich, ich spürte in Allem eine Lebendigkeit, die mich in ihren Bann zog.

Kontaktaufnahme mit den Geistern der Natur
Viele sehr unterschiedliche Schamanen begegneten mir auf meiner Reise, ich wurde eingeladen in einer Schamanenklinik mitzuarbeiten und durfte an vielen Ritualen teilnehmen. Und ich verstand die besondere Lebendigkeit der Natur. Die Menschen in den Weiten Sibiriens nehmen sich noch als Teil der Schöpfung wahr. Sie sind mit den Geistern allen Seins verbunden, sie ehren und achten sie und danken mit Ritualen und Opfergaben für alles, was die Natur ihnen schenkt. Und die Natur antwortet.

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In der Tundra Tuvas hatte es sehr lange nicht geregnet. Das Land litt und es gab bereits viele Brände. Ich nahm an einem Regenritual auf einem heiligen Berg, tief in der Tundra, teil.
Schon bei der Ankunft am heiligen Berg ereignete sich Seltsames. Es war nicht möglich den Berg zu fotografieren. Die Kameras aller Anwesenden hatten plötzlich ein Eigenleben. Sie stellten sich selbstständig aus. Auch mehrmalige Versuche sie wieder in Betrieb zu nehmen blieben ohne Erfolg. Am Fuß des Berges angekommen, wurden wir gebeten, darauf zu achten nicht ins Stolpern zu geraten. Denn wer auf dem Weg zu den Geistern stolpert, ist nicht würdig, ihnen zu begegnen.
Der Aufstieg zum heiligen Ritualplatz war ein besonderes Erlebnis. Wenige Zentimeter über dem steinigen Boden schwebten unzählige Wildbienen, sie bildeten einen lebendigen Schutzteppich. Es kostete schon ein wenig Überwindung wieder und wieder mit dem Fuß in diesen Teppich aus Bienen einzutauchen, aber niemand stolperte und niemand wurde gestochen. Auf dem Ritualplatz angekommen, legte die Schamanin einen Schutzkreis aus Mehl und entzündete ein Feuer. Sie sang und trommelte, opferte Tabak und Milch und bat die Geister, dem Land Regen zu schenken. Es war, als würde sich die Luft verdichten, wir waren nicht allein dort oben. Die Anwesenheit der Geister war deutlich zu spüren.
Drei Tage nach dem Ritual regnete es zum ersten Mal wieder nach vielen Monaten.

Nach meiner Heimkehr blieb ich in Verbindung mit der Schamanenklinik in Kysyl / Tuva. Ich lud eine Schamanin ein, mich in Deutschland zu besuchen. Einige Monate später konnte ich sie am Flughafen empfangen. Ihr dreiwöchiger Besuch bei mir veränderte viel in meiner Wahrnehmung. Noch nie hatte ich ein solches Naturkind in unserer durchgestylten Welt erlebt. Sie war sehr verwirrt und unglücklich, denn sie fand die Geister schlafend. Wenn wir unterwegs waren, wollte sie an jeder Ecke ein Feuer entzünden, um die Geister wieder zum Leben zu erwecken. Es war schwer, ihr zu erklären, dass wir hier nicht einfach ein Feuer auf dem Marktplatz entfachen können und dass ihre Geschenke an die Geister, die sie dort verteilte, den Ordnungssinn der Passanten störten. Mir aber wurde klar, wie wenig Verbindung wir noch mit der Natur haben.

Begegnungen mit dem großen Geist im Grand Canyon
Einige Jahre später suchte ich in den Weiten Nordamerikas nach den Natives, wie sich die Indianer nennen. Es war nicht leicht Kontakt zu ihnen zu bekommen. Zuviel Leid haben die Indianer durch den weißen Mann erfahren. Ihr Denken und Handeln unterscheidet sich grundsätzlich von unserem. Während wir uns als „Herren der Schöpfung“ sehen und die Natur missachten und ausbeuten, sehen sich die Indianer, wie die Schamanen Sibiriens, als Teil von Mutter Erde.

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Für sie lebt die ganze Schöpfung, sei es nun Erde, Wasser, Stein, Pflanze, Tier oder Mensch. Deshalb ist ihr Verhalten von einem tiefen Respekt gegenüber allem Sein geprägt.  Meine Reise führte mich quer durch den Kontinent von Chicago nach Los Angeles, entlang der Route 66. Der Grand Canyon war eines der Ziele meines Suchens. Hier leben noch heute einige Hopi und Havasupai in der Erhabenheit und Stille der Landschaft. Die Kraft und Lebendigkeit der Natur warf mich regelrecht aus meinen alten Bahnen. Dort am Grand Canyon offenbarte sich das Zusammenspiel der Natur, offenbarte sich der große Geist. Die meisten Indianer leben heute allerdings in Reservaten. Es ist schwer, Kontakt zu ihnen zu bekommen. Während der Schamanismus in Sibirien nach dem Zerfall der Sowjetunion wieder ein fester Bestandteil der Gesellschaft ist, sind die Indianer ausgegrenzt und in Reservaten in unfruchtbare Gegenden verbannt worden.
Hier wird die Spaltung zwischen den alten Pfaden und der materialistischen Weltsicht der modernen Welt mehr als deutlich sichtbar. Hier erlebte ich hautnah den Schmerz der Erde, deren Land ausgebeutet und deren Kinder, die Indianer, verfolgt und abgeschoben wurden. Die Reservate, in denen sie leben, spiegeln ausdrucksvoll das ganze Dilemma. Hoffnungslosigkeit, Krankheiten und Alkoholismus machen sich breit und drohen das alte Wissen zu ersticken.

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Grüne Erde
Wenn niemand mehr die alten Pfade geht, dann werden wir uns mit unserer Gier nach immer mehr selbst auslöschen. So wurde die Idee der grünen Erde geboren. Vernetzung der alten Pfade mit den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft können uns zeigen: Alles ist miteinander verbunden.  Wird ein Teil des Ganzen geschädigt, dann leidet das Ganze. Quantenphysik, neue Biologie, Psychoneuroimmunologie – sie alle machen sichtbar: Alles ist eins!
In dieser Zeit geht es um Vernetzung. Die weltweite Datenvernetzung weist darauf hin. Aber haben wir uns auch untereinander vernetzt? Sicher nicht. Noch immer sind wir ein großes Heer von Einzelkämpfern. Um in eine lichtvolle Zukunft gehen zu können, müssen wir uns verbinden und uns an die alten Pfade erinnern. Wir können von Medizinmännern und Schamanen lernen uns wieder als Teil der Schöpfung wahrzunehmen und die Verbindung zu Erde, Wasser, Stein, Tier oder Mensch wieder lebendig werden zu lassen.

Fotos: Erika-Lange-Kretschmann

Erika Lange-Kretschmann
Heilpraktikerin, arbeitet seit 1996 in eigener Praxis, hält Seminare und Workshops im In- und Ausland, gründete 2012 das Therapie- und Seminarzentrum „Grüne Erde“
www.zentrum-grüne-erde.dewww.naturheilpraxis.sh