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Trauma-Releasing-Exercices
(nach David Berceli)

Autonomes Zittern und Vibrieren des Körpers aktivieren! – Zitter dich frei!
Von Irmgard Eckermann

portrait eckermann
David Berceli, amerikanischer Bioenergetiker, entwickelte die Trauma-Releasing-Exercises (TRE) zur unterstützenden Traumabehandlung und Stressbewältigung. Seit vielen Jahren ist er weltweit in Krisen- und Kriegsgebieten unterwegs und erforscht die Entstehung, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten von Traumata. Mittlerweile spricht er von einer globalen Traumatisierung der Menschen.

David Berceli betrachtet den menschlichen Körper als einen wichtigen Partner im Heilungsprozess bei Stress und Trauma- Erfahrung. Mit TRE erhalten betroffene Menschen eine Selbsthilfemöglichkeit, die natürlichen biologischen Lösungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers zu nutzen. So können Betroffene den eigenen Heilungsprozess unterstützen und ihrem Körper dazu verhelfen, in einen natürlichen Ruhe- und Entspannungszustand zurückzukehren.

Stress an sich ist zunächst einmal nichts Schlechtes, wenn dem Körper anschließend genügend Zeit zur Entspannung gegeben wird. Der Stressforscher Selye nannte Stress die „Würze des Lebens!“ Erlebter Stress führt grundsätzlich zu einer Alarmreaktion des Körpers, die umfangreiche Bewältigungsmechanismen in Gang setzt. Vom Prozess der Evolution her betrachtet, reagiert der Körper mit einem sehr alten, automatisierten „Kampf-Flucht-Reflex“. Das sympathische Nervensystem wird aktiviert und schüttet vermehrt Stresshormone, wie etwa Adrenalin und Cortisol, in den Körper aus. In Windeseile wird so in den Muskeln ausreichend Energie für Kampf oder Flucht bereitgestellt. Der Serotoninspiegel sinkt, die Aggressivität steigt, um kämpfen, bzw. fliehen zu können. Puls und Blutdruck steigen an, die Bronchien erweitern sich, die Verdauung wird reduziert. Denkprozesse beschleunigen sich.
Bei anhaltendem Stress wird zusätzlich Cortisol ausgeschüttet. Der Körper adaptiert zunächst an das erhöhte Stressniveau.

In der heutigen Zeit kann diese bereitgestellte Energie jedoch nicht mehr ausreichend entladen werden, da wir in den seltensten Fällen die Gelegenheit haben zu kämpfen, beziehungsweise zu fliehen. Außerdem fehlt es vielen Menschen an der entsprechenden Zeit, ihren Körper wieder vollständig zu entspannen. Ruhephasen am Wochenende reichen häufig nicht mehr aus, um den Körper wieder auf ein gesundes Entspannungsniveau abzusenken und die Stresshormone im Körper abzubauen.
Bei Dauerstress schaltet sich das parasympathische Nervensystem ein, und es beginnt eine Widerstandsphase. Der Cortisolspiegel sinkt und damit steigt die Entzündungsneigung. Die Folge ist, ein häufig zu beobachtendes Phänomen, wenn Menschen in den ersten Tagen ihres Urlaubs endlich entspannen und dann an Infekten erkranken. Bei noch länger anhaltendem Stress kommt es zum Erschöpfungssyndrom mit Herz-Kreislaufproblemen, Muskelverspannungen, Schmerzen, psychische Probleme, Depressionen, Ängste, allgemeine Schwächung des Immunsystems bis hin zum Burnout, zur völligen Erschöpfung.

Trauma: Der menschliche Organismus befindet sich in einer Traumasituation in höchstmöglicher Erregung bei minimaler bis gar keiner Handlungsfähigkeit. Die üblichen Bewältigungsmechanismen werden quasi „überwältigt“. Flucht oder Kampf ist nicht mehr möglich. Es kommt zur Immobilität – Erstarren des menschlichen Körpers – und Einfrieren der bereitgestellten Energie für Flucht oder Kampf, dissoziativen Reaktionen, Schockerleben, Denkprozesse verlangsamen sich etc., Opioide werden vermehrt ausgeschüttet, der Körper „betäubt“ sich selbst, die Schmerzgrenze wird herabgesetzt.
Wohl jeder hat schon einmal davon gehört oder es sogar am eigenen Körper erlebt, dass nach Abklingen eines Schocks oder Unfalls der Körper mit unwillkürlichem Zittern und Vibrieren reagiert. Lange Zeit wurde dieses autonome Zittern – neurogenes Zittern – eher unterbunden, als Schwäche oder Krankheitssymptom betrachtet. Die Betroffenen wurden aufgefordert sich zu beruhigen. Ein natürlicher, heilsamer Entladungsprozess des Körpers wurde somit unterbunden.

Neurogenes Zittern ist Teil des autonomen, prozeduralen Gedächtnisses, welches zum Stammhirn, dem sogenannten Reptiliengehirn gehört.
Das Stammhirn ist der älteste Teil unseres Gehirns. Von dort aus wird unter anderem auch das Einfrieren traumatischer Energie gesteuert, wenn eine natürliche Entladung nicht möglich ist. Die Tierwelt spiegelt uns bis heute das neurogene Zittern und Vibrieren. Nach überstandener Gefahr und Auflösung des Todstellreflexes entlädt sich das Tier spontan durch unwillkürliches Zittern und Vibrieren von seiner überschüssigen Energie. Dieser Prozess dauert ein paar Minuten und dann geht das Tier wieder ruhig seiner gewohnten Wege. Tiere, denen dieser Prozess des Zitterns untersagt wurde, zeigten anschließend eine reduzierte Widerstandfähigkeit gegenüber lebensbedrohlichen Erfahrungen.

Psoasmuskel: Eine spezielle Muskelgruppe, die Psoasmuskeln (eine muskuläre Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper) wird bei Stress oder Traumata besonders aktiviert. Im angespannten Zustand verleihen die Psoas dem menschlichen Körper eine kugelförmige Gestalt, damit die inneren Weichteile und Organe im Bauch und Beckenbereich in Gefahrensituationen geschützt werden. Andere Muskelgruppen versuchen diese Haltung bei Dauerstress und -anspannung durch eine entgegengesetzte Spannung auszugleichen. Damit steigt der Druck auf die Lendenwirbelsäule und führt zu Beeinträchtigungen im LWS-Bereich.

Trauma-Releasing-Exercises spricht nun gezielt die Psoasmuskeln an, so dass diese über das neurogene Zittern in einen entspannten Muskeltonus zurückkehren können. Entspannt sich die Psoas, erhält das Gehirn automatisch die Botschaft: „Gefahr vorbei“.

Erhält das Gehirn diese Botschaft nicht, verharrt der menschliche Körper in einem dauerhaften Erregungszustand. Es entsteht eine folgenschwere neurobiologische Rückkopplungsschleife, das heißt die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, die bei Stress oder Traumata aktiviert wird und für die Ausschüttung der Stresshormone verantwortlich ist, bleibt dauerhaft aktiv. So lässt sich unter anderem auch die Aufrechterhaltung wiederkehrender posttraumatischer Belastungs- und Stresssymptome erklären.

Berceli konnte beobachten, dass sich posttraumatische Belastungssymptome durch regelmäßige Anwendung von TRE zurückbildeten. Er führt es darauf zurück, dass die Rückkopplungsschleife durch die Entspannung der Psoasmuskeln unterbunden, das heißt die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) deaktivert wurde und das Gehirn endlich die „erlösende Botschaft“ erhielt: „Gefahr vorbei!“


Ein Flüchtlingskind beschrieb es mit folgenden Worten:
„Es fühlt sich an, als ginge der Krieg aus meinem Körper.“
(Zitat aus Artikel:
Neurogenes Zittern, Eine körperorientierte Behandlungsmöglichkeit für Traumata in großen Bevölkerungsgruppen, D. Berceli, aus Trauma & Gewalt, 4. Jahrgang Heft 2/2010)

Neurogenes Zittern vervollständigt also einen unterbrochenen biologisch angelegten Prozess des menschlichen Organismus. Es kommt zu einer natürlichen Entladung gespeicherter überschüssiger Energie, die der Körper für Kampf oder Flucht bereitgestellt oder nach einer traumatischen Erfahrung eingefroren hat. Das autonome Nervensystem kehrt durch das neuronale Zittern in den Zustand des ventralen Vagus des parasympathischen Nervensystems zurück. Dieser Teil des Nevernsystems steht unter anderem für Ruhe und Entspannung. Der Mensch kehrt in einen Zustand der inneren Homöostase zurück.

Selbsthilfe: Die Reaktivierung des unwillkürlichen Zitterns und Vibrierens hat darüber hinaus einen präventiven Charakter. Die Übungen können als Selbsthilfestrategie leicht erlernt und genutzt werden, um sich vom Alltagsstress zu befreien und die eigenen Widerstandskräfte zu stärken.

Bei starker seelischer Traumatisierung ist das neurogene Zittern und Vibrieren eine sinnvolle Unterstützung in einer Trauma-Heilbehandlung. Neurogenes Zittern ersetzt keine Trauma-Therapie.

Foto: Irmgard Eckermann

Irmgard Eckermann
Dipl.-Psychologin, Systemische Einzel,- Familien- u. Paartherapie (HPG), Familien- u. Systemaufstellungen
Lehrerin für Qigong DQGG e.V.
In laufender Ausbildung zum TRE-Provider
Tel.: 040 - 866 255 68
info@irmgard-eckermann.de
www.irmgard-eckermann.de