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Qigong
Pflege des Lebens

Von Irmgard Eckermann

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In unserer heutigen Zeit ist es fast selbstverständlich geworden, Eigenverantwortung für das eigene Wohlergehen zu übernehmen. Das Angebot zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, aber auch zur Unterstützung von Heilungsprozessen bei Erkrankung ist sehr vielfältig. Viele Menschen betreiben bewusst regelmäßig Sport, achten auf eine gesunde Ernährung, meditieren oder praktizieren eine der fernöstlichen Methoden zur Pflege des Lebens, wie z.B. Qigong.

Die Wurzeln des Qigongs liegen im alten China. Die Pflege und Kultivierung des Lebens hat in China eine lange Tradition. Bereits vor Tausenden von Jahren entwickelten sich in China kontinuierlich Übungen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit. Alle drei philosophischen Strömungen Chinas - Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus - haben die Entwicklung von Qigong beeinflusst. Zu Zeiten Maos war die Verbreitung des alten, traditionellen Wissens verboten. Mit dem Ende der Kulturrevolution konnte Qigong wieder öffentlich praktiziert und unterrichtet werden.

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Qigong ist fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Im Gegensatz zur westlichen Medizin, die sich vor allem auf die Beseitigung von Krankheitssymptomen versteht, verfolgt die TCM einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Prophylaxe, als auch die ganzheitliche Gesundung von Körper, Geist und Seele des Menschen im Blick hat. Seit nunmehr über 30 Jahren hat sich Qigong auch in der westlichen Welt zunehmend mehr verbreitet und etabliert. Für viele Interessierte ist es heutzutage kein Problem mehr, einen Qigong-Kurs wohnortnah zu besuchen. Von den gesetzlichen Krankenkassen ist Qigong als Präventionsmethode anerkannt. In vielen Kliniken und Reha-Einrichtungen gehört Qigong mittlerweile zum Therapieprogramm. Immer mehr Menschen entdecken wie wohltuend es ist, Qigong zu praktizieren und ihr „Leben zu pflegen“.

Qigong umfasst einfach zu erlernende, gesundheitsfördernde Körperhaltungen und -bewegungen, Selbstmassage, Atem- und Meditationsübungen, die den ungehinderten Fluss unserer Lebensenergie / Qi unterstützen und regulieren. Das Qi – die Lebensenergie – ist der Treibstoff für alle Lebens- und Entwicklungsprozesse. Ohne Qi ist ein Leben nicht möglich. Die Übersetzung für Qi lautet z.B. Lebensenergie, Atem, Dampf. In der Vorstellung der TCM wird unser Körper von Energiebahnen – Meridianen - durchzogen, die wie ein komplexes Netzwerk miteinander verknüpft sind. Der Mensch ist gesund, wenn seine Lebensenergie ungehindert durch die Energiebahnen fließen kann. Ist der Qi-Fluss behindert, eingeschränkt, entstehen Störungen bis hin zu Erkrankungen des Menschen. Ein regelmäßiges Praktizieren von Qigong-Übungen unterstützt einen harmonischen Energiefluss in den Meridianen und beugt Erkrankungen vor.

Yin und Yang in Harmonie bringen: Aber nicht nur im menschlichen Körper ist Qi vorhanden - alle Lebewesen, die Natur, das gesamte Universum sind von Qi durchdrungen. Das wohl bekannteste Energiekonzept - Yin und Yang – beschreibt unterschiedliche Energiequalitäten. Sie sind Gegensätze, die sich gegenseitig bedingen, beeinflussen und ergänzen. Sie spiegeln und bestimmen das Wechselspiel des gesamten Lebens. Tag ist Yang, Yin ist Nacht, Sommer ist Yang, Winter ist Yin. Mann und Frau, Geben und Nehmen, hell und dunkel, heiß und kalt, aktiv und passiv sind weitere Beispiele für Yang und Yin. Das Leben an sich ist einem ständigen Wandel unterworfen. Unser ganzes Leben hindurch findet über unsere Atmung ein fortwährender Energieaustausch statt.
In jeder Qigong-Übung kann man das Wechselspiel von Yin und Yang erkennen. Es gibt steigende und sinkende Bewegungen, öffnende und schließende, sich ausdehnende und wieder zusammenziehende. Für die Qigong-Übungen ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen Yin und Yang wichtig, um in ein harmonisches Gleichgewicht zurückzukehren.
 
In einem ruhigen Körper wohnt ein ruhiger Geist: Schon Buddha lehrte, dass Körper, Geist und Atmung unauflöslich miteinander verbunden seien. Egal, ob der Qigong-Übende sein Augenmerk auf die Atmung, den Körper (Bewegung, Haltung) oder den Geist (Aufmerksamkeit, Präsenz) legt, die Übung wird immer Einfluss nehmen auf das gesamte Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Qigong kann im Stehen, Gehen, Sitzen, aber auch im Liegen praktiziert werden.
Qigong-Übungen können ihren Schwerpunkt auf eine sanft fließende und äußerlich sichtbare Körperbewegung haben. Sie können sich auf den Atem konzentrieren oder aber schwerpunktmäßig über die Vorstellungskraft das Qi an bestimmte Stellen im Körper lenken. Sind die Körperbewegungen äußerlich sichtbar, spricht man vom Bewegten Qigong. Ist äußerlich kaum noch oder gar keine Bewegung mehr zu sehen, findet die Qigong-Übung im Körperinneren statt. Dies wird als Stilles Qigong bezeichnet. Beim Stillen Qigong nutzt der Praktizierende seine Vorstellungskraft, um z.B. seine „Tausend Affen (Gedanken), die ihm ständig durch den Kopf toben“ zu einem Gedanken zusammenzuführen und in Vorstellungskraft umzuwandeln. So wird der ständig umherschweifende menschliche Geist über die Übung an den Körper gebunden und kommt zur Ruhe. Das Qi wird mit Hilfe der Vorstellungskraft zu bestimmten Körperstellen gelenkt, die Stärkung/Heilung benötigen. Durch all diese Übungen wird der Energieaustausch bewusst unterstützt und gefördert. Verbrauchtes Qi wird über die Ausatmung abgegeben und frisches, stärkendes Qi mit die Einatmung in den Körper aufgenommen. Die „Drei Säulen des Qigongs“ – Körper, Geist und Atmung – kehren in ihre Harmonie zurück.

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Unten fest verwurzelt und oben frei und beweglich wie ein Baum im Wind: Qigong-Lehrende legen stets wert auf eine entspannte, aufrechte Körperhaltung, sowohl im Gehen, Stehen als auch im Sitzen. Viele Qigong-Übungen wurden geheim in Klöstern entwickelt und nur von alten Meistern an auserwählte Schüler weitergegeben. Durch jahrelange Übung und Beobachtung des inneren Qi-Flusses wussten sie um die Notwendigkeit einer entspannten und aufrechten Körperhaltung, um einen ungehinderten Energiefluss im menschlichen Körper zu fördern. Leidet ein Mensch unter zu großer körperlicher, geistiger und seelischer Anspannung leidet der gesamte Organismus Mensch. In seiner Muskulatur, seinen Organen, und seinen Blutgefäßen werden sowohl der Qi- als auch der Blutfluss negativ beeinträchtigt.

Die eigene Mitte finden – Rückkehr zu innerer Ruhe: Alle Qigong Übungen haben letztendlich das Ziel, den Menschen zur inneren Ruhe und Harmonie zurückzuführen. Fast jeder leidet heute unter Stressbelastungen und einem ständig „umherschweifenden Geist“, der nur schwer zur Ruhe zu bringen ist. Unter Geist/Shen versteht die TCM nicht nur das menschliche Bewusstsein, sondern auch das kognitive Wissen, die Emotionen, wechselnde Stimmungen und die menschliche Seele. Unterschieden wird zwischen einem vorgeburtlichen und einem nachgeburtlichen Geist.
Der vorgeburtliche Geist regelt alle lebenswichtigen Funktionen im Körper – wie z.B. Verdauung, Atmung, Organfunktionen, das Fließen des Blutes etc. Zum nachgeburtlichen Geist gehört das gesamte Lernen, unterschiedliche Denkvorgänge wie planen, analysieren, vorausdenken, logisches Denken etc.. Das harmonische Zusammenspiel der beiden wird durch den alltäglichen Stress häufig beeinträchtigt. Qigong-Übungen helfen nun, wie bereits oben erwähnt, den umherschweifenden Geist an den Körper oder die Atmung zu binden. Dies geschieht, indem der Praktizierende seine Aufmerksamkeit in der Bewegung hält – er verweilt mit seiner gesammelten Aufmerksamkeit ganz wach und präsent in der Übung. Sobald er bemerkt, dass er wieder abschweift, kehrt er achtsam, ohne Selbstkritik, mit seiner Aufmerksamkeit in die Körperbewegung zurück. Der Geist erhält die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen.

Allgemein kann man sagen: Qigong kennt kein Leistungsdenken. Jeder Praktizierende übt stets auf seinem individuellen Niveau. Qigong kennt keine Altersbegrenzung – ob jung, ob alt, gesund oder krank, jeder kann Qigong erlernen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Qigong stärkt das Immunsystem, aktiviert die Selbstheilungskräfte, beugt Erkrankungen vor und unterstützt den allgemeinen Heilungsprozess bei körperlichen/seelischen Erkrankungen. Es macht gute Laune, erhöht die Lebensfreue, fördert Entspannung und einen erholsamen Schlaft. Die körperliche und geistige Bewegungsfreiheit wird erweitert. Die alltägliche Stressreaktion wird reduziert. Qigong ersetzt jedoch nicht den Besuch beim Arzt.

Fotos: Portrait – I. Eckermann
Sand - Kwiatkowski Verlag

Irmgard Eckermann
Dipl.-Psychologin, Systemische Einzel,- Familien- u. Paartherapie (HPG), Familien- u. Systemaufstellungen
Lehrerin für Qigong DQGG e.V.
Tel.: 040 - 866 255 68
info@irmgard-eckermann.de
www.irmgard-eckermann.de