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Lärm contra Stille

Macht der Lärm uns alle krank?
Von Hadeswintha Schröer

portrait schroeer
Als ich aus den Ferien auf einer Insel Europas zurückgekehrt war, drängte sich mir dieses Thema auf: Wo ist überhaupt noch Stille zu finden?
Wo kann der heutige Mensch sich in Ruhe zurückziehen und wieder zu sich selber finden? Und – will er das überhaupt??

Wenn ich Urlaub mache, möchte ich mich zwar entspannen und Spaß haben, aber im fremden Land auch eine andere Kultur, die Menschen und ihre Musik kennenlernen. Ich will die Natur erleben, dem Gesang der Vögel lauschen oder dem Rauschen des Windes in den Bäumen, den inneren Rhythmus im Klang der Wellen erspüren, das Knirschen des Sandes unter meinen nackten Füßen hören, das Gesumm der Bienen auf wildwachsenden Blumen… All das ist nur erfahrbar, wenn ringsum Ruhe herrscht. Und ich selber auch keine überflüssigen Geräusche verursache, etwa durch Reden.
Bei früheren Reisen in europäischen Ländern war es normal, dass man abseits der großen Städte diesen äußeren Frieden vorfand. Inzwischen hat sich jedoch so vieles so grundlegend geändert, dass es selbst in kleineren Orten nicht mehr ohne Beschallung geht. Eigentlich ist es schon gleichgültig, wo man Urlaub macht. Überall, wo es Hotels oder Restaurants gibt, wird man tagein tagaus bedröhnt. Am besten von jedem Hotel anders, und im Hotel selber noch weiter…
Die schlimmste Lärmbelästigung habe ich in einem eigentlich sehr angenehmen Hotel erlebt. Da wurden nicht nur (im wunderschön angelegten) Poolbereich von morgens bis abends 14 Tage lang immer dieselben CDs laut abgenudelt, sondern abends kam dann noch ein Klavierspieler, der das Instrument bis nach 22 Uhr mit ebenfalls immer gleichen Stücken bearbeitete und bis Mitternacht wieder CDs … Und nicht etwa einheimische Musik, was ja noch ganz nett hätte sein können – nein, uralte Dinger wie  etwa Frank Sinatra.
Wollte man der Beschallung entgehen, indem man sich an eine voraussichtlich stille Meeresbucht flüchtete, kam unter Garantie von irgendwoher aus dem Gebüsch bzw. aus irgendeinem kleinen Eßlokal die nächste Berieselung. Und abends in den Orten, wo man dann sein Bierchen unter freiem Himmel genießen wollte, wurde es noch schlimmer, weil nämlich jedes zweite Lokal zusätzlich mit Stolz seinen Riesenbildschirm draußen aufgefahren hatte. Damit ja alle Gäste, auch die vorübergehenden, das achso wichtige Fußballspiel in voller Lautstärke und in Englisch mit verfolgen konnten. Zu der akustischen Bedröhnung kam die optische Belästigung noch hinzu …
Wollte man den Abend friedlich auf dem Balkon sitzend genießen, klangen von der Bar des Hotels die Stimme der Sängerin herüber (da alle Türen bis Mitternacht offen standen), von der Poolbar kamen die hämmernden Discoklänge herübergeweht und vom Nachbarhotel das Stampfen und Hämmern der Bässe, vermischt mit dem Gejohle und Gekreische der zunehmend alkoholisierten Hochzeitsgäste (auf manchen Inseln scheint man jeden Tag in Hotels zu heiraten).
Hinzu kam noch der Lärm von der lauten Straße. Eigentlich war sie nicht so sehr befahren wie eine Autobahn, aber dort jagten einige Autofahrer abends ihre teuren Schlitten  laut dröhnend durch die 50 km/h-Zone. Besser war man dann nicht mehr unterwegs.

Zunehmend werden auch Skipisten mit Lärm verseucht. Früher war es selbstverständlich, dass man in den Bergen seine Ruhe hatte und die Schönheit der Natur in vollen Zügen in sich aufnehmen konnte. Das war ein Teil des Erholungseffektes. Mittlerweile gibt es – je nach Ort – an den Skiliften und bei den Jausenstationen unterwegs ebenfalls lautes Gedudel, so dass es durch die ganze Gegend hallt.
Schon immer wusste ich, dass Stille ein kostbares Gut ist. Aber dass es einmal so rar werden würde, hätte ich mir nicht vorstellen können. Was tun wir uns da bloß selber und freiwillig an? Wir werden doch im Alltag schon ständig beschallt und optisch bombardiert. Warum dann auch noch im Urlaub? Können viele Menschen heute ohne diese zusätzliche Nervenbelastung vielleicht gar nicht mehr auskommen? Macht Lärm süchtig? Offenbar gewöhnt man sich an diese permanente Adrenalinausschüttung im Blut.
Nach drei Wochen Urlaub dieser Art war ich richtig hörgeschädigt und musste von dem Lautstärkepegel erst einmal wieder runterkommen. Wie wundervoll ruhig ist es doch noch in Schleswig-Holstein!

So frage ich mich: Können oder wollen viele Menschen, vor allem junge, sich nicht mit sich selber auseinandersetzen? Kann man sich heutzutage nur noch in der ständigen Betäubung ertragen, in der Flucht vor sich selber? Wohin soll das alles führen?
Ich halte das für eine krankhafte Entwicklung. Fraglich läuft es darauf hinaus, dass wir in Zukunft die Welt um uns herum nur noch mit Ohrenstöpseln aushalten können. Aber vielleicht werden wir ja vorher rechtzeitig alle taub. Viele Jugendliche haben ja schon damit angefangen. So traurig und alarmierend das ist – es ist Fakt.
Also: tun wir etwas dagegen. Machen wir den Mund auf, wenn es irgendwo zu laut ist. Schalten wir das Radio zuhause oder im Auto mal ab, lassen den Fernseher mit seinen Horrormeldungen mal aus. Und gehen wir wirklich öfter mal wieder in die echte Stille, in den Wald, ans Meer, einfach in die Natur. Auch und vor allem im Urlaub. Es muss ja nicht gerade ein Ökohaus sein, wo es keinen Strom, aber Kerzen und Petroleumlampen gibt, man das Wasser aus dem Brunnen schöpft.
Stattdessen sollten wir lieber wieder mal selber singen. Das tut nämlich der Seele gut!
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ruhige Abende.

Hadeswintha Schröer
arbeitet seit 1972 spirituell. Seit 1994 Channel für aufgestiegene Meister, Medium für Engel der Ratsuchenden, die im „Engelgespräch“ Antworten auf Lebensfragen erhalten. 1997 Gründung des „Zentrums für neues Bewusst-Sein: Krystall-Pyramide“. Seit 1995 Erdheilung mit Gruppe, Vorträge. Ab 1998 Seminare, Bücher, Reisen nach Ägypten u. Malta. www.erdheilung.eu                  Foto: H. Schröer