Spirituelle Bücher oder Filme?

Finden Sie hier:

DruckenE-Mail

Die Schattenreise ins Licht

Wie wir Depressionen überwinden
Von Ruediger Dahlke

portrait dahlke-glv-press
Der Herbst zieht herauf und mit ihm die dunkle Zeit des Jahres, die uns mit dem Schattenreich und der Winterdepression und ihrer Bedeutung konfrontiert. Alle spüren es, nur wollen moderne Menschen davon meist nichts mehr wissen. Aber es hilft nichts, wir alle sind dem ewigen Rhythmus unterworfen und dem Schicksalsgesetz der Polarität. Nach diesem wichtigsten Gesetze folgen auf Frühling und Sommer unweigerlich Herbst und Winter, wie die Nacht auf den Tag, und damit die Auseinandersetzung mit der dunklen Seite unserer Existenz nach dem Schattenprinzip.

Auch wenn wir uns heute weitgehend unabhängig von den Rhythmen der äußeren Umwelt wähnen, spüren wir an diesen Schattenseiten noch immer deutlich unseren Bezug zum ewigen Rhythmus. Die Aussicht angesichts des unübersehbar heraufdämmernden Herbstes wieder für Monate in nebeligem Grau zu versinken, macht vielen Angst und fast allen schwerer ums Herz.
wolkenhimmelImmer mehr von uns versinken aber auch in Düsternis. Herbst hat – ob wir wollen oder nicht – mit Abschied und Loslassen zu tun, die Literatur ist voll von entsprechenden Geschichten und Mutter Natur, wie weit wir uns auch über sie erhoben wähnen, macht schon durch den Verlust der Farbe nach einem letzten kurzen herbstlichen Farbenrausch zum Abschied alles klar. Unsere Vorfahren ließen die Götter in Nivelland, dem Nebelland, leben und die Nibelungen oder Nebenwesen zeugen in Bayreuth bis heute davon. Unsere Vorfahren war die Notwendigkeit der Schattenreise ins Licht noch bewusst, denn sie erkannten sie als Voraussetzung für die Erlangung des Lichtes der Erlösung.
Im Herbst liegt der Tod in der Luft, auch wenn wir Modernen ihn so sehr verdrängt haben. Umso mehr er uns zuwider ist, desto mehr wird er zum Problem und zwingt uns, ihn wahr und wichtig zu nehmen – zum Beispiel in der Depression, wenn wir keinen anderen, bewussteren Weg finden.
Wohl schon immer hat man versucht, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen – literarische Werke wie Hugo von Hofmannsthals Jedermann, der Brandner Kaspar im Himmel oder der Hollywoodfilm Rendezvous mit Joe Black zeugen davon.
Die gesellschaftliche Abkehr vom Tod und seine Verdrängung, ja Bekämpfung werden immer grotesker. Mediziner liefern Gevatter Tod immer heißere Gefechte. Sterbenden werden Organe entnommen, womit diese schon einmal dem Tod entrissen sind, um sie anderen Sterbenden einzupflanzen, die damit ihrerseits im letzten Moment noch einmal dem Totengräber von der Schaufel springen.
Aber der Tod ist viel größer und mächtiger und diese kleinen Siege aufgeregter Mediziner dürften ihn kaum berühren. Er hat die Schicksalsgesetze und insbesondere das der Polarität und mit ihm das Schattenprinzip auf seiner Seite. Denn dieselben Mediziner, die ihn Organ für Organ zu besiegen versuchen, sind geradezu auf ihn angewiesen, brauchen sie doch immer mehr Tote um den Nachschub an Organen zu sichern. Am Tod kommt letztendlich niemand vorbei und wir wissen oder ahnen das zumindest alle. Bewussten Menschen ist klar, dass der Tod letztlich immer am längeren Hebel sitzt. Er wird sich zu guter Letzt natürlich auch all jene holen, die nicht freiwillig kommen wollen und ihn bis zum Schluss verdrängen.
Ungleich besser sind aber all jene dran, die ihm ins Auge sehen und sich auf ihn einstellen. Der wundervolle Film Das Beste kommt zum Schluss zeigt, dass wir damit lieber nicht warten sollten, bis eine Krebsdiagnose ins Leben platzt und die Chemotherapie scheitert wie es Jack Nicholson und Morgan Freeman im Film widerfährt.
Wir könnten besser gleich anfangen unsere Liste vor der Kiste zu erstellen und beginnen unsere noch offenen Träume zu leben. Wer mit vierzig stirbt und sich erst mit 80 eingraben lässt, versäumt mehr als die Hälfte seines Lebens. Da wäre es besser aufzuwachen mit der Grabsteininschrift als Ziel: Er lebte noch als er starb. Das gerade erschienene Buch: Die Liste vor der Kiste bietet Anleitungen zu einem vollen, ja erfüllten Leben vor dem Tod.
Verdrängungsstrategien gehen heute schon so weit, dass viele gar nicht mehr an den eigenen Tod glauben. Eine Umfrage in Deutschland enthüllte diesbezüglich Peinliches. Die Frage, ob sie lieber zu Hause oder in der Klinik sterben wollten, beantworteten über 90 Prozent sinngemäß mit: „Wenn schon, dann Zuhause“. Das „Wenn schon“ enthüllt, wie wenig sie es offenbar für möglich halten. Das ist aber weniger Volksverblödung als kollektive Verdrängung. Wir wollen insgesamt mit dem Tod nichts mehr zu tun haben und es bleibt uns doch nichts anderes übrig.
sonnenuntergang

So stößt schon der Herbst mit seiner melancholischen Stimmung auf wenig Gegenliebe. Auch wenn das Laub sich noch kurz bunt färbt, ist es doch nur ein letztes Aufbäumen, bevor das Grau(en) endgültig Überhand nimmt und schließlich die weiße Kälte des Winters alles in dessen Leichentuch hüllt. Die Analogie zwischen Herbst und Alter und Winter und Tod wird auch weniger romantischen Gemütern sinnlich deutlich und immer mehr reagieren darauf mit der sogenannte Herbst-Winter-Depression. Sie ist eine Art Prototyp der Depression, bei der es sich immer um eine erzwungene Auseinandersetzung mit Abschied und Tod(esgedanken) handelt.
Schulmediziner versuchen dem allopathisch mit chemischer Stimmungsaufhellung und Antriebssteigerung beizukommen. Hinzu kommt heute Lichttherapie mit dem Licht künstlicher Sonnen. Findige flüchten noch rechtzeitig in südlich sonnige Gefilde, wo sie die Macht des Todes wenigstens nicht so direkt vor Augen geführt bekommen. Rentner verlassen scharenweise die heimischen grauen Gefilde. Statt sich mit dem Abschied anzufreunden, bevölkern sie die Strände Mallorcas und anderer Sonneninseln.
Die Verlassenheit solch sommerlicher Ferienparadiese und das Fehlen wirklichen Lebens bringt allerdings auch hier die Thematik der Reduzierung auf das Wesentliche, um die es in dieser (Lebens-) und Jahresphase eigentlich ginge, ins Spiel des sich dem Tod zuneigenden Lebens. So holt sie der Tod immer noch in symbolischer Form ein. Ihm physisch zu entkommen, ist nicht schwer, sondern unmöglich, nur die Seele kann Unsterblichkeit erlangen. Aber diese Erkenntnis schieben immer mehr Moderne möglichst weit von sich, wobei sie eigentlich enorm befreiend und entlastend ist.
Dabei würde eine bewusste Auseinandersetzung mit Abschied und letztlich dem Tod unendlich gut tun. Religionen empfehlen sie ausnahmslos, und auch christliche Mystiker raten, mit dem Tod rechtzeitig auf vertrauten Fuß zu gelangen.
„Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, auf ewiglich verdirbt“, lässt Angelus Silesius wissen.
Die Idee ist, sich mit der eigenen Sterblichkeit auszusöhnen, um danach mehr Zugang zur Unsterblichkeit der Seele zu erlangen. Und die beste Vorbereitung auf den Tod, ist ein erfülltes Leben, wie es auch Christus sagt. Die Liste vor der Kiste kann dazu in spannender Weise verführen.
Was so verdrängt wird, wie heute der Tod, drängt nach dem Schattenprinzip in anderer unerlöster Weise an die Oberfläche. Die Medizin von Krankheit als Symbol widmet sich solchen Schattenmanifestationen. Der Tod, dem wir bewusst keinen Platz mehr in unserem Leben einräumen, schleicht sich nun auf anderen Wegen dann und besonders gefährlich, weil heimlich und lange unerkannt in unsere Welt, jeden Abend etwa in grotesk übertriebenen Bildern zur besten Zeit ins Fernsehen. Er tanzt auf den Bildschirmen aller Programme in die Wohnzimmer. Unzählige allabendliche Fernsehtode vermitteln den sich bequem in ihren Fernsehsesseln räkelnden Bürgern, dass ihnen das alles nicht passieren könne. in einem prallen Fernsehleben von ca. siebzig Jahren und ca. 70 000 Morden und anderen spektakulären Toden mag sich diese Überzeugung eigener physischer Unsterblichkeit so verfestigen, dass der wirkliche Tod dann tatsächlich unerwartet und wie aus heiterem Himmel kommt.
Die Unsterblichkeit der Seele zu erstreben, würde uns befreien und erheben, die Unsterblichkeit des Körpers zu erwarten, ist ein Zeichen von Unbewusstheit und Verdrängung. Wichtiger und wirksamer als die banale Beschäftigung mit dem Tod im Fernsehen ist jene bedrückende Ebene der Depression, die die eigentliche Schattenmanifestation dieses Themas darstellt.
Depressive beschäftigen sich fast ständig und oft wie besessen mit dem Tod. Sie versinken in Selbstmordgedanken. Diese quälende Art der Auseinandersetzung mit Tod und eigener Sterblichkeit ist inzwischen die gängigste Art, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die meist hinzukommende Schlafstörung lässt Betroffenen noch mehr Zeit, sich mit ihrem Thema zu beschäftigen, wenn auch auf der denkbar primitiven Ebene von Strick oder Kugel, Gift oder Gas.
In der tiefen Depression verhindert die praktisch immer hinzukommende Antriebsstörung den Selbstmord. Diese Gefahr droht erst wieder, wenn die Depression sich löst. Wir haben also gar nicht die Wahl, ob wir uns mit dem Tod beschäftigen, sondern lediglich auf welcher Ebene. Wenn, wie in unserer Zeit, der Tod für immer weniger Menschen (Er-)Lösung und für immer mehr Horror ist, wird die Zeit des späten Herbstes und dunklen Winters leicht zum Auslöser von Depressionen, denn jetzt atmet alles Loslassen und Sterben und erinnert an unser letztes und damit wichtigstes Thema.
Die Liste vor der Kiste ist eine Einladung, sich angesichts der Unausweichlichkeit des Themas ein erfülltes Leben zu (ge)nehm(ig)en, die Schattenreise zum Licht mit der beiliegenden CD ist eine Begleitung dabei, sich dem Thema der Endlichkeit und dem Schatten bewusst zu stellen.
Mit Krankheit als Sprache der Seele wird es möglich, die in den Körper gesunkenen Themen zurück ins Bewusstsein zu heben und sich ihnen auf erlösteren Ebenen zu stellen. Für die Depression heißt das, anstatt sich über Selbstmordgedanken mit dem Sterben zu beschäftigen, sich dem Tod auf den Ebenen von Religion und Philosophie zu stellen. Statt Mordgedanken und damit gestaute Aggressionen gegen sich selbst zu richten, stünde an, sich mutig und offensiv dem Thema Tod zu stellen.

Fotos: Portrait: GLV Press; Dunkle Wolken + Sonnenuntergang: Kwiatkowski Verlag

cover dahlke-schattenreiseLiteratur von Ruediger Dahlke zum Thema:
Die Schattenreise ins Licht (Buch und CD) (Goldmann Taschenbuch) ISBN: 978-3-442-22074-8, € 12,99
Die Liste vor der Kiste (Terzium)
Die Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben, Das Schattenprinzip (beide Goldmann-Arkana)
Die Schicksalsgesetze – der Film www.heilkundeinstitut.at
• Peace-Food – vegano-italiano (GU)
Infos zu Ruediger Dahlke: www.dahlke.atwww.taman-ga.atwww.mymedworld.cc