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Schamanismus und Pflanzenheilkunde

Von Svenja Zuther

zuther holunder

Schamanismus ist die älteste gemeinsame Wurzel der Menschheit und damit auch der Urgrund aller ganzheitlicher Denk-, Handlungs- und Heilweisen. Der Schamanismus beruht auf einem ganzheitlichen Weltbild, das auch Kontakt, Austausch und Zusammenarbeit mit der geistigen und beseelten Natur beinhaltet.
In meinen Augen ist Schamanismus die vermutlich älteste Naturwissenschaft, denn Schamanismus beruht auf der exakten Beobachtung der Natur. Andersweltliche, unsichtbare Ebenen der Existenz werden dabei nicht ausgeklammert, sondern als Teil des Ganzen verstanden.

Das  ist es, was heute die große Faszination des Schamanismus ausmacht, was ihn für uns moderne Menschen in seiner wahren Bedeutung aber auch so schwer begreifbar macht. Jeder hat schon einmal Erfahrungen mit „unerklärlichen“ Dingen gemacht.
Aber unser Weltbild ist so radikal verändert worden, dass wir verlernt haben, unseren eigenen Wahrnehmungen zu trauen. Schamanische Traditionen sind bei uns bekämpft und nahezu ausgelöscht worden.
Heute werden Hexen und Schamanen zum Glück nicht mehr verfolgt, die Verehrung der Natur und der Kontakt mit andersweltlichen Ebenen sind nicht mehr verboten. Die Scheiterhaufen brennen nicht mehr.
Doch das Wissen ist verschüttet und unsere Fähigkeiten, die geistig-seelische Natur wahrzunehmen sind „eingerostet“, weil sie so lange nicht genutzt wurden. Zumeist fällt es uns schwer, mit unserer Sehnsucht nach Geborgenheit im Netz der Natur wohltuende Anbindung zu finden.

zuther holunder2

Heimat für die Seele
Pflanzen und Menschen waren immer zutiefst miteinander verbunden, es konnte und kann gar nicht anders sein. Pflanzen produzieren den Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen und die verschiedensten Materialien, die uns helfen, dass wir wohnen, essen, heilen können, ein Dach über dem Kopf haben und einen warmen Ofen …
Viele Menschen pflegen innige Beziehungen zu Pflanzen, lieben und bewundern sie und erfreuen sich an ihrer Gegenwart und ihren Gaben.
Eigentlich sind wir es heute gewohnt, alles sachlich und praktisch zu betrachten, alles mit strengen Kosten-Nutzen-Analysen zu bewerten, doch gerade bei Pflanzen zeigt sich die ungebrochene Fähigkeit des Menschen, sich von ihnen einfach so begeistern
zu lassen!

Sinnliche Pflanzenheilkunde
Unsere Ahnen hatten ein tiefes Wissen über den heilsamen Umgang mit Pflanzen. Von Generation zu Generation wurde das Erfahrungswissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der heilsamen Pflanzen weitergegeben und ebenso die schamanischen Techniken der Kommunikation mit den Pflanzenwesen und Naturgeistern.
Denn die Pflanzenheilkunde war weit mehr als die rational überlegte Verabreichung bestimmter abgewogener Pflanzenteile, es war eine Zusammenarbeit mit den Pflanzenwesen, mit den geistigen Kräften der Natur. Diese Tradition ist in unserer Kultur zerstört worden.
Heute gibt es eine verwirrende Vielzahl verschiedenster Heilmethoden mit Pflanzen und verschiedenste Ideen dazu, was die Heilkraft der Pflanze ausmacht und wofür sie gut sei: von der an den pharmakologischen Wirkungen der Inhaltsstoffe orientierten „Rationalen Phytotherapie“ bis hin zur Bach-Blüten-Therapie, die mit „Schwingungsmustern der Blüten“ die Seele anspricht, desweiteren Aromatherapie, Homöopathie, Paracelsusmedizin …
Was ist richtig, wer hat recht? Die Pflanzendevas haben mir beigebracht, diese Frage ganz anders zu beantworten:

Aus meinem Pflanzentagebuch

Interview mit Haselnuss – Corylus avellana L. und Holunder – Sambucus nigra L. in der Lüneburger Heide

zuther haselnuss

Liebe Haselnuss, es gibt etwas, das ich mich immer wieder frage: Es gibt so viele Heilpflanzen, die für so vieles angewendet werden können. Wie kann ich einen guten Weg finden, die richtige Pflanze für einen Menschen auszuwählen, die ihm helfen kann?
Vertrauen. Vertrau dir, vertrau mir. Sei grün und sei leicht. Die Pflanze ist tatsächlich nicht so entscheidend. Die Wahl kann/muss nicht hundertprozentig sein.

Aber wie funktioniert es dann?
Es ist deine Verbindung zu uns und eben dein Vertrauen. Durch das Vertrauen schaffst du die nötige Bindung.

Und wo sind nun Unterschiede oder Gemeinsamkeiten in eurer Wirkung?
Wir wissen viel, aber nicht alles. Wir haben viele Kräfte, aber nicht alle. So kann deine Wahl schon besser oder schlechter sein. Aber dein Vertrauen ist am wichtigsten. Und auch du hast Kraft – ohne uns. Auch sie wirkt. Nimm stets Pflanzen, die du gut kennst, denen du vertraust.

Das tut sehr gut, was du sagst, es vermittelt mir Leichtigkeit!
Und so soll es sein! Die großen Kräfte sind nicht das Wissen und das Differenzieren. Die großen Kräfte sind Liebe und Vertrauen. Alles ist sehr einfach, wenn man diese Stärken besitzt.

Es ist ein großes Rätsel gewesen, das du heute für mich gelöst hast!
Du hast es selbst gelöst. Oft sind wir nur Mittler zu deinem Selbst. Ihr Menschen wart schon früher mit uns verbündet. Ihr müsst euch erinnern. Wir Pflanzen können die gestörten Leitungen in euch wiederherstellen. Das Erfassen in der Ganzheit ist schwierig. Der Blick ist euch verlorengegangen. Aber die Liebe kann alles vereinen. Alles, was ihr zuvor getrennt habt. Verstand und Herz können zusammenarbeiten. So wird sich euer Blick wieder weiten. Jetzt geh zum Holunder, er wird dir auch noch etwas mitteilen.

Einige Meter entfernt steht der Holunder, er sagt: Erinnere die Menschen an die uralte Verbundenheit! Ich hüte ihre Seelen ja noch immer. Alle haben die Erinnerung daran in sich. Sie haben nur keine Möglichkeit dafür. Euer Bewusstsein für die Dinge hat sich verändert. Alle kehren in meinen Schoß zurück und sind aus mir geboren. Erinnere sie daran!
(Zuther 2010:41)

Pflanzendevas
Kontakt und Kommunikation mit Pflanzen
Der Begriff Deva kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Leuchtende, Strahlende, Himmlische. Der Begriff Pflanzendevas beschreibt daher, dass es etwas Göttliches gibt, was man in der Nähe der Pflanzen wahrnehmen kann. Von Pflanzen können wir uns auf der Herzensebene sehr berührt fühlen, von ihrer Schönheit, ihrer Kraft, ihrer Hingabe, ihren Geschenken, etwa wenn sie auf unsere liebevolle Pflege auf der Fensterbank oder im Garten mit besonders schönem Wachstum und Blüten antworten.
Das lateinische contingere ist der Ursprung unseres Wortes Kontakt und bedeutet Berührung.
Das lateinische communicare, der Ursprung unseres Wortes Kommunikation, bedeutet teilen, mitteilen, etwas miteinander teilen.
Und durch diesen Austausch kann etwas entstehen wie etwa neue Ideen für die Lösung von Problemen, auf die man alleine nicht gekommen wäre. Eine solche Form der Kommunikation ist auch mit Pflanzen möglich. Denn die äußere Erscheinung, die ich mit allen meinen Sinnen wahrnehmen kann, inspiriert mich ebenso wie die Gegenwart der Pflanze mit all ihren Kräften, zu neuen Gedanken.

zuther johanniskraut

Aus meinem Pflanzentagebuch
Interview mit dem Johanniskraut – Hypericum perforatum L., in der Lüneburger Heide

Goldgelbe Blitze auf der Wiese. Strahlig, sehr feinstrahlig nach oben gerichtet – die Staubblätter sind wie kleine Fühler – sie erscheinen mir wie feine Antennen für das Universum. Die Blüten nehmen Licht und sehr feine Schwingungen auf. Auch die Blätter sind zum Empfang nach oben gebogen und wirken sehr feinfühlig. Getragen werden sie von einem festen, etwas holzigen Stengel. Sie leiten das Sonnenlicht und die anderen Informationen in den Erdboden. Wie Nachrichtenempfänger. Satellitenschüsseln für die Zwerge, die unter der Erde leben, fürs Gestein, für das Innere von Mutter Erde. Es sind ihre Augen, ihre Fühler.

„Was soll ich dir erzählen?“, fragt sie mich. „Du, du hast doch auch feine Antennen, kannst gut meine Nachrichten empfangen. Du weißt viele Dinge, weil du in dir lesen kannst. Ihr Menschen, ihr bekommt alle Informationen, die ihr braucht! Ich kann euch helfen, wenn ihr den Empfang verloren und das Verstehen verlernt habt. Ich bin Informationsempfänger und -vermittler, so wie du jetzt. Dass ich gegen Depressionen helfe, ist sehr plump ausgedrückt und nur ein Aspekt. Was ich dir hier sage, beschreibt mein Wesen wirklich. Trag es hinaus an die Welt. Es ist wichtig. Sei ein Informationsvermittler, so wie ich!“
(Zuther 2010:40)

Die Beobachtung der Natur zeigt uns immer eine Form von Lebensäußerung: „Schau her! – So kann es auch funktionieren, so kann Leben auch sein!“ Wenn wir unsere Wahrnehmung entsprechend schulen und in respektvoller achtsamer Haltung die Natur und ihre Erscheinungen studieren, können wir immer etwas dazu lernen: über die Natur an sich, über die Vielfalt ihrer Erscheinungen, über ihre Kräfte und Beziehungsgeflechte, über Gesetzmäßigkeiten und Anpassungsmöglichkeiten – und gleichzeitig lernen wir immer etwas über uns selbst.
Sich selbst als Teil der Natur zu erleben und zu staunen über dieses Wunderwerk wird zur Selbstverständlichkeit. Die Auseinandersetzung mit (Heil-)Pflanzen kann so zum Weg der Erkenntnis werden. Dies ist das Geheimnis der Signaturen-Lehre, die von der Kunst handelt, die Zeichen der Natur deuten zu können.
Es ist die uralte Symbolsprache, die sich auch in Märchen und Mythen widerspiegelt, die allem und uns Bedeutung gibt und die wir auch nutzen können, um unser Leben kreativ im Einklang mit der Natur zu gestalten.  
Wenn wir die schamanische Tradition der Pflanzenheilkunde wieder beleben, eröffnen sich völlig neue Dimensionen des Heilens mit Pflanzen und auch der wirklich kooperativen Zusammenarbeit mit der Natur,  auch im Garten, in der Raumplanung, in der Landwirtschaft …
Wenn wir Geist und Seele in der Natur draußen wieder achten, schenken wir auch unseren eigenen geistigen und seelischen Bedürfnissen wieder mehr Beachtung. Wenn wir uns um ein harmonisches Miteinander mit den anderen Wesen der Natur bemühen, bringen wir auch mehr Harmonie in unser Leben. Wie oben so unten, wie innen so außen.
Es steckt viel Potential darin, wenn wir das schamanische Wissen unserer Ahnen wieder achten, ehren und nutzen.

Bericht einer Klientin, die ich auf ihrem „Weg der Pflanzen“ begleitet habe:
„Eine kleine Zwischenmeldung … Es geht mir nach wie vor gut! Ich bin weich im Fluss … und lerne und lerne … Die Birke tut mir gut … die polaren Kräfte anerkennen und sich aber immer und immer wieder dem Leben zuwenden und mit dem Licht verbinden … Mit den Kräften die wirken lebendig „tanzen“ lernen …
Mir ist mittlerweile klar, dass es das Gesamte ist, was da alles ins Strömen gebracht hat. Es ist wirklich Leben was da fließt und fließen will und sich ausweiten will und ich spüre, dass sich mein Leben dadurch sehr verändern wird … Ganz von alleine. Ich glaube wenn die Entscheidung für das Lebendige einmal gefallen ist, die dicksten Kontraktionen einmal hinter einem liegen, dann geht es nur noch darum im Fluss zu bleiben … dankbar, demütig und aber mit beiden Armen weit offen für alles was die Fülle des Lebens mit sich bringt … für alle Facetten … die durchaus auch Schmerz beinhalten … Es ist gut! Die vielen Stufen das letzte Jahr haben mich mehr und mehr in eine tiefere Verbindung mit mir selbst und der Welt geführt … immer wieder tiefer und tiefer – Ich muss aber auch noch was hinterher senden … denn es ist so wunderschön: ich glaube, es ist nicht mehr so sehr viel dran jetzt! Die Pflanze arbeitet, ich arbeite … mein ganzer Körper, mein Alles arbeitet … es sind zarte bis gewaltige Heilungsströme unterwegs, die zu beschreiben mir die Worte fehlen …“

Fotos: Zuther

portrait zutherSvenja Zuther
ist Diplom-Biologin, Heilpraktikerin, Autorin und Fachreferentin für Ganzheitliche Pflanzenheilkunde. In Bohndorf bei Lüneburg betreibt sie die Naturheilpraxis und Seminarorganisation KUDRA NaturBewusstSein mit den Themenschwerpunkten: „Heilen mit Pflanzen – von Arznei bis Zauberei“, Achtsamkeitstraining und Wahrnehmungsschulung in der Natur, Pflanzen-Coaching, Schamanismus und spirituelle Naturerfahrung.
Veröffentlichung: Die Sprache der Pflanzenwelt, Begegnung mit der Pflanzenseele, Signaturenlehre, Ganzheitliche Pflanzenheilkunde. Svenja Zuther, (2010): AT-Verlag
www.kudra.netpost@kudra.net • Tel.: 05807-989680