Spirituelle Bücher oder Filme?

Finden Sie hier:

DruckenE-Mail

Einer Katze das Bellen beibringen
oder mit der Kraft des Augenblicks glücklich leben

Von Beatrix Stoermer

stoermer baumherz
»Ach, hätte ich doch nur … wäre ich doch nicht …« wer kennt diesen inneren Dialog nicht? Viele Menschen verbringen ihre Zeit mit Gedanken über unangenehme Erlebnisse aus der Vergangenheit. Sie denken darüber nach, was sie »falsch« gemacht hatten und wollen das Geschehene ändern. Doch anstatt es wirklich zu verändern, verbringen sie Runde um Runde im Hamsterrad ihrer Gedankenschleifen.

Und wenn sie gerade nicht gedanklich mit der Vergangenheit beschäftigt sind machen sie sich sorgenvolle Gedanken um eine mögliche Zukunft. (Möglich, weil niemand mit Sicherheit weiß, was in der Zukunft wirklich geschehen wird.)
Das fängt schon bei den kleinen Kindern an. Sie hören von ihren Müttern, dass etwas Fürchterliches passieren wird: »Gleich tust du dir weh«, heißt es da. Und wenn das Kind der Mutter dann den Gefallen tut, ihre Erwartungen erfüllt und sich weh tut, meint sie: »Siehst du, das habe ich dir doch gesagt!«

Sehr weit verbreitet ist auch die Angewohnheit, die Wirklichkeit anders haben zu wollen als sie ist. Wir denken dann: »Es sollte so nicht sein«. Es regnet und gleich folgt der Gedanke: »Es sollte nicht regnen, die Sonne sollte scheinen«. Oder jemand ist unfreundlich und der Gedanke kommt: »Er oder sie sollte freundlich sein!« – ist es aber nicht.
Dieses Denken erzeugt einen Konflikt: denn es ist, wie es ist! »Wenn du möchtest, dass die Wirklichkeit anders ist, als sie ist, kannst du genauso gut versuchen, einer Katze das Bellen beizubringen.«, sagt Byron Katie in ihrem großartigem Buch: Lieben was ist.
Wie oft wollen wir woanders sein, als wir gerade sind und fühlen uns gestresst. »Ich sollte schon dort sein«, bin es aber nicht. »Die Arbeit sollte schon längst fertig sein«, sie ist es aber nicht. So geraten wir unter Druck und erleben uns gespalten. »Eine solche Spaltung zu schaffen und mit ihr zu leben ist verrückt. Die Tatsache, dass es jeder tut, lässt es nicht weniger verrückt sein.« (E. Tolle)
In der Huna-Philosphie gibt es ein Prinzip, das besagt: »Jetzt ist der Moment der Kraft« (now is the moment of power). Hier wird deutlich: Es gibt nur eine einzige Wirklichkeit und die ist jetzt! Und nur jetzt haben wir einen Einfluss auf das, was passiert. Was in der hawaiianischen Geheimlehre schon seit langer Zeit bekannt war, beschreibt Eckhart Tolle sehr ausführlich in seinem Buch Jetzt – the power of now.
Während wir also gewohnheitsmäßig unsere Wirklichkeit meist anders haben wollen oder negativen Gedanken nachhängen, verpassen wir das Wunder des Augenblicks. Jeden Moment wie ein neues, einzigartiges Erlebnis zu empfinden, fällt im Alltag mit seinen wiederkehrenden Abläufen besonders schwer. Schon beim Aufwachen ist der Tag gelaufen. Wir kennen ja schon alles: die Wohnung oder das Haus, die Stadt mit ihren Straßen und Plätzen, die Menschen, denen wir begegnen. Wir »wissen« was kommt. Wir treffen jemand und denken: »Die schon wieder«. Und damit hat das unschuldige, direkte Erleben keinen Raum mehr. Mit dieser Haltung gibt es kaum Raum für Veränderungen oder Unerwartetes. Selbst wenn sich andere Menschen mal anders als erwartet verhalten, bemerken wir es kaum.
Manchmal ereignen sich Momente, die uns noch berühren: Grenzerfahrungen wie Geburt oder Tod, Extremsituationen wie Unfälle. Plötzlich öffnet sich etwas in uns und wir erfahren den Augenblick unmittelbar und nicht durch die Gedanken gefiltert. In diesen Momenten scheint die Zeit still zu stehen und die Sinne sind geschärft.
Das Wunder eines Sonnenuntergangs erleben wir staunend und schweigend. Sobald wir wieder denken »Oh, wie schön!« sind wir von der Erfahrung getrennt. Sobald die Gedanken wieder einsetzen, finden wir uns in unseren gewohnten Mustern und Grenzen. Die Gedanken sind immer Vergangenheit, der Moment ist vorbei. Der Duft einer Blume ist nur jetzt in diesem Augenblick, während ich ihn rieche; spreche ich darüber, ist er schon vorbei.
Die Sinne sind unser Zugang zur Erfahrung der Welt. So ist der Folgesatz dieses Huna-Prinzips: »Kraft nimmt zu mit sensorischer Aufmerksamkeit«. Begeben wir uns ganz in das sinnliche Erleben, schmecken, riechen, fühlen, hören und sehen wir, was gerade da ist, steigern wir dadurch unsere Präsenz. Eine schöne Übung ist das Mittagessen mit geschlossenen Augen zu genießen, natürlich ohne Berieselung durch Fernsehen oder Radio. Plötzlich schmecken wir wieder, fühlen das Essen im Mund, machen neue Erfahrungen in altbekannten Situationen.
Wenn wir irgendwo sind, können wir einen Moment nutzen und wahrnehmen ohne zu beurteilen oder bewerten, was gerade da ist: Zwitschern, Rauschen, Wärme, Helligkeit, Grüntöne, gerade und runde Formen, süßlicher Geruch … Dann können wir uns selbst spüren, in der momentanen Körperhaltung oder Bewegung, die Kleidung auf der Haut, die Atmung. Und nun den Raum zwischen uns und den Dingen, die uns umgeben.
Je stärker wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Sinne lenken, umso präsenter sind wir. Plötzlich wird der Augenblick weit, dehnt sich aus, die Zeit steht still. Hier und jetzt erleben wir die Wirklichkeit, haben wir einen Einfluss, auf das was ist. Nur jetzt können wir handeln, etwas ändern oder erschaffen. Wie sagt ein Sprichwort so treffend: »Du kannst vom Regen, der gestern fiel, nicht nass werden und von der Sonne, die Morgen scheint, keinen Sonnenbrand bekommen. «
Kommen wir aus dem Reich der (gedanklichen) Möglichkeiten, der »hätte« und »wäre«, im gegenwärtigen Augenblick an, dann können wir unser Leben aktiv gestalten. »Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von neuem beginnen. « meinte schon Buddha.
Wenn wir den jetzigen Augenblick mit voller Präsenz erleben, dann haben wir die Kraft diesen Moment zu meistern, egal wie unangenehm er sich gerade anfühlt. Wir können so zu tun, als ob wir nicht da wären und meinen, dass uns dann nichts Schlimmes passieren kann. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Wir fühlen uns schlecht, kraftlos oder ohnmächtig eben weil wir nicht ganz da sind! Wenn wir uns dem Leben ganz zuwenden, dann fließt uns Kraft zu. Plötzlich stört der Regen nicht mehr, er ist auf einmal ein Segen und wirkt belebend. Wir spüren das Wasser und fühlen uns lebendig!
Nur jetzt und hier haben wir die Chance auf ein schönes und glückliches Leben.
Und deshalb sind wir doch hier, oder?

Fotos: Beatrix Stoermer

portrait stoermerBeatrix Stoermer
Seminarleiterin, Dipl. Designerin, Mutter, Entspannungstrainerin, Coach
Ausgebildet in körperorientierter Energiearbeit (CBP), alternativen, ganzheitlichen und schamanischen Heilweisen u.a. bei Serge Kahili King. Hilft in eigener Praxis Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bei körperlichen, seelischen und spirituellen Krisen. Unterrichtet seit 20 Jahren Menschen in alternativen Heilmethoden und Huna.
www.somamana.de