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Stresspunktmassage
nach Jack Meagher

Von Tanja Kwiatkowski

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Jedes Pferd, egal ob es im Sport oder im Freizeitbereich eingesetzt wird, beansprucht seine Muskulatur mal mehr mal weniger physiologisch. Gerade die unphysiologische Belastung führt oftmals zu unerwünschten Verspannungen, Verhärtungen und Verkürzungen der Muskeln. Aber auch übermäßiges Training oder eine Überlastung der Muskulatur durch unregelmäßige Bewegung können Schäden verursachen. Psychische Belastungen wie Stress, Schock und Ängste wirken sich oftmals negativ auf die Muskulatur aus.

Hier kann die Stresspunktmassage einen wesentlichen Teil beitragen, dass sich die Muskulatur wieder entspannt und sich keine Folgeschäden bilden.
Der große Vorteil der Stresspunktmassage ist, dass in vielen Fällen direkt nach der Behandlung eine deutliche Verbesserung des Bewegungspotentials sichtbar wird. Daher ist es eine hervorragende Begleittherapie für Sportpferde aber natürlich auch für alle anderen, wie auch immer gerittenen oder gefahrenen Pferde.
Das behandelte Pferd sollte direkt nach der Behandlung moderat bewegt werden.
Die Stresspunktmassage ist sowohl eine Behandlungsmethode als auch ein Diagnosemöglichkeit. Sie ist eine tiefe Massagentechnik, die zum Ziel hat, verspannte Muskeln zu lösen und die eventuell daraus resultierenden Gelenkblockaden bzw. Lahmheiten zu beheben oder ihnen möglichst schon vorzubeugen.

Die Theorie der Stresspunktmassage nach Jack Meagher: Jede Bewegung führt an definierten Stellen zu höchsten Belastungen.
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Bei Überbeanspruchung kann es an diesen Stellen, die sich meistens im Bereich des Muskelursprungs bzw. -ansatzes befinden, zu gesundheitlichen Problemen kommen.
Oftmals ist der Muskelbauch verkrampft, was zu einem verkürzten Muskel führt. Der daraus entstehende erhöhte Zug auf die Sehnen, die nur eine Dehnfähigkeit von circa 10 Prozent haben, im Ursprungs- und Ansatzbereich, begünstigt eine Mehr- und Fehlbelastung der Gelenke.
Wobei der Ort des Entstehens nicht automatisch der Ort des sichtbaren Problems sein muss. Durch die Verkettung der einzelnen Muskeln und Muskelgruppen kann beispielsweise eine verkürzte Schultermuskulatur zu einem Problem im Fesselbereich führen.
Auch psychische Belastungen können zu einer permanent erhöhten Muskelspannung führen, was wiederum weitreichende Probleme nach sich zieht, besonders wenn dem Pferd dann auch noch eine vermehrte körperliche Leistung abgefordert wird.

Anzeichen für eine verspannte Muskulatur können sein:
• Schmerzreaktionen im Rücken beispielsweise beim Putzen, Satteln oder Aufsteigen
• allgemeine Berührungsempfindlichkeit
• Biegungen, einseitig/beidseitig fallen schwer
• mangelhafte Durchlässigkeit
• Taktfehler ohne pathologischen Befund
• Probleme beim Hufeauskratzen / Anheben der Beine
• vermehrtes Stolpern
• Jede Art von Widersetzlichkeit, die ohne offensichtlichen Grund auftritt

Die Stresspunktmassage beginnt immer mit der Diagnostik. Nach der Betrachtung des Pferdes im Stand und in der Bewegung werden alle 25 Punkte auf beiden Körperseiten abgedrückt um zu sehen, wo sich schmerzhafte Punkte zeigen, die dann behandelt werden sollten. Die dann folgende Behandlung besteht aus vier aufeinander aufbauenden Teilen.

1. Direkter Druck auf das definierte, schmerzhafte Areal
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Behandelt wird mit den Fingerbeeren oder dem Daumen, in manchen Fällen auch mit der Faust, mit direktem Druck auf den schmerzhaften Punkt. Wobei Punkt eigentlich nicht die richtige Bezeichnung ist, weil es auch ein großfächigeres Areal sein kann.
Der auszuführende Druck richtet sich ganz nach der Reaktion des Pferdes. Bei starker Abwehr wird der Druck verringert und dann langsam wieder gesteigert, bis das Pferd ihn zulässt. Es wird nicht zu einer Entspannung des Muskels kommen, wenn ein starker Druck auf den schmerzhaften Punkt gebracht wird, das Pferd sich aber dabei komplett verspannt.
Hier ist, wie bei der ganzen Stresspunktmassage, das Einfühlungsvermögen des Behandlers gefragt.

2. Querfriktion des gesamten Muskels
Hierbei wird mit den vier Fingerbeeren oder auch dem Daumen quer zum Muskelfaserverlauf mit Druck gegen den Knochen gearbeitet. Finger und Muskel sollten eine Einheit bilden, damit sich verklebte und verkrampfte Fasern lösen können. Ein bloßes verschieben der Haut auf dem Muskel führt nicht zu dem gewünschten Ziel.

3. Sanfte Druckmassage auf den Muskelbauch
Um die Wirkung noch zu steigern, folgt mit der geschlossenen Faust oder dem Handballen eine Druckmassage des Muskelbauchs in die Tiefe. Diese ist jedoch nur bei fleischigen Muskeln anzuwenden, wie beispielsweise der Kruppen- oder unteren Halsmuskulatur.

4. Dehnen des Muskels
Da der Muskel nach den vorher durchgeführten Massagen gut durchblutet und warm ist, kann jetzt eine Dehnung folgen. Sie verbessert die Beweglichkeit der Muskulatur. Der Bewegungsradius, etwa der Vorderbeine, kann sich deutlich vergrößern.

Ziel der Stresspunktmassage:
• Förderung der Durchblutung, um das Gewebe zu lösen und den Schlackestoffabtransport zu fördern
• Lösen von Muskelverkrampfungen, um die optimale Bewegungsfreiheit wieder herzustellen
• Erhalten und Förderung der Bewegungsfreiheit durch gezieltes Bewegungstraining

Oftmals genügt eine Behandlung um die Verkrampfungen zu lösen und dadurch eine freie Bewegung zu ermöglichen. Die Schmerzsymptomatik nimmt deutlich ab.

Wichtig! Sollte nach der Stresspunktmassage keine kurzfristige Besserung der Symptomatik eintreten, ist unbedingt abzuklären, was für eine andere Ursache vorliegen könnte.
Was ebenfalls passieren kann, ist, dass sich ein Muskel verkrampf hat, um ein Gelenk, welches vielleicht Schmerzen hervorruft, zu schützen. Löst sich diese Verkrampfung, kann sich das eigentliche Problem, beispielsweise als Lahmheit, wieder zeigen. Dieses sollte dann auch unbedingt osteopathisch bzw. tierärztlich abgeklärt werden.
Die Stresspunktmassage sollte nur von ausgebildeten Therapeuten ausgeführt werden, da weitreichende anatomische Kenntnisse, besonders der Muskulatur und des Skeletts, unabdingbar sind.
Die Stresspunktmassage gehört zu den alternativen Behandlungsmethoden Sie ersetzt nicht den Tierarzt.


Quellennachweis:
Stresspunktmassage nach Jack Meagher von Claus Teslau, Verlag Müller Rüschlikon, 2. Auflage 2009
Muskelprobleme bei Pferden von Jack Meagher, Verlag Müller Rüschlikon, 2. Auflage 1991
ABC of the horse von Pauli Gronberg, Verlag Pg Team Oy 2011

Fotos: Tanja und Frank Kwiatkowski

Jack Meagher – Entwickler der Stresspunktmassage

Der 2005 im einundachtzigsten Lebensjahr verstorbene Amerikaner Jack Meagher (gesprochen Mar) hatte seine therapeutischen Wurzeln im Humanbereich, wo er unter Anderem als Masseur Spieler der amerikanischen Football-Liga betreute. Dort konnte er auch die ersten Erfahrungen und Erfolge mit der von ihm entwickelten Stresspunktmassage machen.
Parallel dazu gehörten auch viele Sportpferde zu seinem Patientenkreis. So betreute Jack Meagher u. a. 1976 die amerikanische Reiter-Equipe bei den Olympischen Spielen in Montreal.

Sein Grundsatz:
Ein Muskel ist ein Muskel - egal ob beim menschlichen Sportler oder beim Sportpferd. Die Aufgaben der Muskulatur sind bei beiden dieselbe.
(aus: Stresspunktmassage nach Jack Meagher von Claus Teslau, Verlag Müller Rüschlikon)
Heute wird Jack M. Meagher auch als der Vater der Pferdesportmassage bezeichnet, was sicherlich auch mit ein Verdienst seiner langjährigen Mitarbeiterin Jo Ann Wilson ist. Sie ist die Leiterin einer Schule in Concord (Massachusetts), in der unter anderem die „Wilson Meagher Method™“ gelehrt wird.
Jo Ann Wilson veranlasste 2001 eine Studie zum Nachweis der Wirksamkeit der Stresspunktmassage nach Jack Meagher. So konnte wissenschaftlich belegt werden, dass seine Methode mit den Kriterien: direkter Druck, Querfriktion der Muskelfaser und rhythmischer Druck über den gesamten Muskel, das Ziel der Beweglichkeitsverbesserung erfüllt.
Das Ergebnis wurde im Journal der American Massage Therapie Association veröffentlicht.

In Deutschland ist der Tierheilpraktiker, Pferdephysiotherapeut und Trainer (FN) Fahren, Claus Teslau wohl der bekannteste Anwender der Stresspunktmassage. Er hat die von Jack Meagher 25 definierten Stresspunkte im Laufe der Jahre noch um einige weitere ergänzt. Auch Claus Teslau betreut viele Sportpferde, besonders im Fahr-Turnier-Sport in dem er selber zu Hause ist.

 

Tanja Kwiatkowski
Seit 1997 Heilpraktikerin, arbeitet als Pferdeosteopathin mit eigener Fahrpraxis. Zusatzfortbildungen unter anderem bei Claus Teslau – Stresspunktmassage nach Jack Meagher und bei Dr. Jochen Becker – Lasertherapie, sowie im Bereich Zähne, Hufe und Sattelanpassung. Betreibt seit 2000 einen eigenen Pensionsstall, der mehrfach von der Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft ausgezeichnet worden ist.
www.pferdeosteopathie-nord.com