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Bindung & Trauma

Ein Aufstellungskonzept
Von Kim Saskia Heckens

portrait heckens
„Bindung ist das gefühlsgetragene Band, das eine Person zu einer anderen spezifischen Person anknüpft und dass sie über Raum und Zeit miteinander verbindet.“
John Bowlby

Der Wunsch nach Bindung sichert unser Überleben schon sehr früh. Es prägt uns für ein ganzes Leben. Was aber, wenn dieses existenzielle Bedürfnis nach Bindung verletzt oder nicht gelungen ist? Die „Systemische Aufstellungsarbeit auf Basis der Bindungs- und Traumatheorie“ kann Verletzungen und Traumata sichtbar machen.

John Bowlby, der Begründer der Bindungstheorie, fand schon in den 1920er Jahren heraus, dass uns ein Bedürfnis angeboren ist, enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehungen beziehungsweise Bindungen in früher Kindheit aufzubauen. Wie wir diese Bindungen zu den nächsten Personen erleben (in den meisten Fällen der Mutter, dem Vater, Großeltern, Ersatzeltern), wirkt sich auf unser gesamtes späteres Leben aus. Und darauf wie wir weitere (Bindungs-) Beziehungen aufbauen, etwa in Kindergarten, Schule, zu Freunden, Partnern, Chef oder zu den Kollegen.

Was passiert nun, wenn diese ganz frühen existenziellen Bedürfnisse nach Bindung, Geborgenheit, Liebe und Kontakt verletzt werden, wie beispielsweise durch Überlastungen der Eltern, Geburtskomplikationen, Frühgeburt, Trennung zwischen Mutter (Vater) und Kind, Verlust oder Tod der Eltern, starke belastende Ereignisse in der Familie, körperliche oder psychische Erkrankungen. All dies führt zu einer Irritation im Bindungsverhalten und kann verletzte Bindungsmuster hinterlassen. Das verletzte Kind kann hierauf mit Rückzug, Ängsten Klammern, Aggression, körperlichen Symptomen, Schlafstörungen, Verhaltensauffälligkeiten reagieren.
Für Kinder sind diese frühen Verletzungen und Aktivierungen von Bindungsmustern meist traumatisch besetzt.

Was aber genau bewirkt ein Trauma wiederum?
Bei massiven seelischen Erschütterungen kommt es zu einem Trauma-Notfall-Mechanismus, der mit Erstarren, Einfrieren, Dissoziieren und Aufspalten der eigenen Persönlichkeit einher geht. Ist die Gefahr vorüber, geraten diese selbst aufgespaltenen Persönlichkeitsanteile und aktivierten Überlebensmechanismen oft in Vergessenheit und lösen sich oftmals nicht von alleine auf.
Stattdessen treten sie in den Hintergrund oder werden bewusst verdrängt. Dies passiert aus einem Schutzmechanismus heraus, der uns zunächst, in der Belastungssituation, davor schützt, die überwältigenden Gefühle spüren zu müssen. Die Seele spaltet sich auf.
Langfristig können hieraus verschiedenste Symptome, sowohl körperlich, wie auch psychisch, entstehen.
Traumagefühle sind vielgesichtig und können sich auf unterschiedlichste Art und Weise äußern: Häufiges Gefühl von Überforderung, Wutausbrüche, gelähmtes Gefühl, Desorientiertheit in Raum und Zeit, kreisende Gedanken, der Kopf kommt nicht zur Ruhe, Angstzustände, Panikattacken, Erschöpfung und Schlafstörungen, Schmerz und Taubheit im Körper ohne medizinischen Befund, Gefühle von Ohnmacht, gesellschaftliche Isolation, Suchtverhalten, sich wiederholende Beziehungsprobleme und viele mehr.
Traumatische Erfahrungen geschehen aber nicht nur in der Kindheit, sondern können uns auch im späteren Leben begegnen. Etwa in Form von seelischer oder körperlicher Gewalterfahrung, sexueller Missbrauch, Unfälle, Nahtoderfahrungen, Überforderung, medizinische Diagnosen, wie Tumorerkrankungen, Täter-Opfer-Konflikte. Auch diese können Spaltungen in Körper und Seele hinterlassen.

Ursprünglich aus der klassisch-systemischen Therapie kommend wurde die Aufstellungsarbeit für mich seit 2009 stark geprägt durch die Arbeit von Prof. Franz Ruppert aus München. Er hat eine Methode entwickelt, wie Verletzungen bzw. Traumatisierungen durch Aufstellungsarbeit sichtbar gemacht werden können. Hierbei hat er den Begriff des „Symbiosetraumas“ entwickelt, der die frühkindlichen Bindungsverletzungen bezeichnet.
Bei dieser Form der Aufstellungsarbeit formuliert der Klient sein „Anliegen“, in dem im Wesentlichen die Informationen enthalten sind, wohin der Klient sich mit seiner Aufstellung entwickeln möchte. Dann wählt der Klient einen Stellvertreter für sein Anliegen und stellt sich selbst in Beziehung dazu. Schon oftmals ergibt sich daraus ein beeindruckendes Bild über die entsprechende Thematik oder die Verstrickung dahinter und es können sich hieraus weitere Schritte entwickeln, etwa indem weitere Familienmitglieder, abgespaltene Anteile, etwa „innere Kinder“ oder Gefühle mit aufgestellt werden.
Das Aufstellen des Anliegens dient aber vor allem auch dazu, den Klienten vor einer Überforderung durch die Aufstellung zu schützen. In der Trauma-Arbeit besteht die Gefahr, dass das Erlebte und zum Schutz gut abgespaltene Gefühl durch Konfrontation mit den verletzten Anteilen zu Retraumatisierungen führen kann.
Beim Trauma kommt es zu einer emotionalen Überforderung, als ob ein LKW mit diesen Emotionen und Gefühlen über uns hinweg rollen würde. Durch die Formulierung des Anliegens ist eine schrittweise Annäherung an das erlebte Schlimme möglich. Traumatisierte beziehungsweise abgespaltene Anteile können wieder integriert werden. Aus der Not heraus entstandene Überlebensmechanismen können erkannt werden, um sich daraus zu lösen. So kann sich jeder im eigenen Tempo und in selbstbestimmten Prozessen entwickeln. Und aus dem „Überleben“ kann wieder ein „Leben“ werden.

Traumatische Erfahrungen und die damit einhergehenden Symptome müssen nicht unbedingt selbst erlebt sein. Traumata im Familiensystem wirken über drei bis vier Generationen weit. Sie werden über Großeltern und Eltern an die Kinder und Enkel weiter gegeben. Dazu ist es nicht wichtig, ob wir über die auslösenden Ereignisse in unserer Familie informiert sind, oder nicht. Gerade die Ereignisse oder Personen, die verdrängt und vergessen wurden spielen meist eine große Rolle.

Die Aufstellungsarbeit mit Bindungs- und Traumathemen hilft dabei in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Eigene Grenzen und die der Anderen können klarer wahr genommen und gewahrt werden. Verstrickungen und Abhängigkeit sichtbar werden, so dass wir ihnen begegnen und sie verändern können.

portrait heckensKim Saskia Heckens
verheiratet, 2 Kinder. Heilpraktikerin und Systemtherapeutin, Ausbildung in Kinesiologie, Cranio-Sacral-Therapie, Osteopathie, Physiognomik und diversen naturheilkundlichen Verfahren.
Aus- & Weiterbildung in klassisch-systemischer Therapie seit 1995, Aus- und Weiterbildung in Mehrgenerationaler Psychotraumatologie nach Prof. Franz Ruppert seit 2009.
Eigene Praxis seit 2001.
Tel:  04825 / 90 16 100
info@naturheilpraxis-heckens.de
www.naturheilpraxis-heckens.de

 

 

Foto & Text: Kim Saskia Heckens