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TianTao Yoga

Das Ende der Anstrengung
Von Julia Kant

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TianTao Yoga ist eine Perle der Selbstheilung und Langlebigkeit aus den Klöstern Chinas, die besonders effektiv bei Problemen im Bewegungsapparat wie Rücken- und Nackenschmerzen, verspannten Schultern und insgesamt eingeschränkter Mobilität wirkt.

Darüber hinaus setzen die sanften Übungen einen regenerierenden und verjüngenden Prozess im Praktizierenden in Gang, der seine heilende Wirkung bis tief in die Organe hinein entfaltet.
Das verblüffendste an TianTao Yoga ist aber der Umstand, dass man die besten Resultate erzielt, wenn man sich nicht anstrengt; aus diesem Grunde wurde es auch schon einmal augenzwinkernd als „Yoga für Faule“ bezeichnet. Im Kern geht es darum, die Bewegungen spontan aus einem entspannten Zustand ohne Leistungsdruck entstehen zu lassen und das damit einhergehende Gefühl zu genießen anstatt hart daran zu arbeiten alles richtig zu machen.

Meine Erfahrungen  
Meine eigenen Erfahrungen mit dieser über viele Jahrhunderte lang geheim gehaltenen Form des chinesischen Yogas sind sowohl umfangreich als auch tiefgreifend und resultieren aus über einem Jahrzehnt persönlicher Übungspraxis und dem Unterrichten hunderter von Schülern und Schülerinnen.
Bereits als ich das erste Mal TianTao praktizierte, trat eine starke Wärmeentwicklung entlang des unteren Rückens ein. Ich spürte, dass die Übung  sofort zielgerichtet an Blockaden in diesem sich oft strapaziert anfühlenden Bereich zu arbeiten begann.
Obwohl  ich sehr viel Erfahrung im Bereich Körperarbeit und mit diversen energetischen Techniken hatte, konnte ich beim Ausführen der Technik zur Verjüngung der Wirbelsäule deutlich wahrnehmen, wie blockiert einige Wirbelregionen immer noch waren. Mit jeder Wiederholung der  sowohl  kreis- als auch wellenartigen Bewegung schienen Wirbel, Muskeln und umgebende Körpergewebe einen Impuls zur Neuausrichtung zu bekommen. Meistens ging dieser Prozess ganz unauffällig von statten, einfach in dem die Körperstrukturen einen Weg fanden von innen heraus loszulassen;  manchmal hörte ich aber auch ein Geräusch, ähnlich wie bei einer chiropraktischen Anwendung,  jedoch mit dem bedeutenden Unterschied, dass diese Justierung  ganz von allein ohne äußere Krafteinwirkung geschah.
Gleichzeitig setzte die Auflösung des alten, Probleme verursachenden Musters automatisch und ganz natürlich das Erlernen gesünderer Bewegungsmuster in Gang. Schon nach einigen Tagen verbesserte sich meine Haltung, ohne dass ich absichtlich versuchte gerader zu sitzen oder zu stehen, auch das Laufgefühl gewann eine ungeahnte Leichtigkeit.
Ich war begeistert und wußte, dass ich die für mich richtige Technik gefunden hatte;  in den folgenden Jahren fuhr ich damit fort, die beobachteten Effekte weiter zu analysieren um ein noch tieferes Verständnis über die Wirkprinzipien dieser anmutigen und früher nur erfahrenen Mönchen zugänglichen Übungen zu erlangen.

Aus dem Verspannungskreislauf aussteigen
Im Prinzip handelt es sich bei der Korrektur von Haltung und Bewegungsmustern um einen neurologischen Prozess, an dem das Gehirn intensiv beteiligt ist. Da die Bewegung nie stoppt, werden Gehirn und Muskeln ständig auf sanfte Weise angeregt, den harmonischsten und einfachsten Weg zu suchen oder besser gesagt sich wieder an ihn zu erinnern, denn grundsätzlich ist das Wissen um einen ausgeglichenen und heilsamen Bewegungsfluss instinktiv in uns angelegt. Im Laufe der Zeit schleichen sich durch Stress, unverarbeitete Emotionen, Schonhaltungen nach Verletzungen und allgemeinen Bewegungsmangel Blockaden ein, die immer mehr einschränken und schließlich einen Kreislauf aus Schmerz und immer noch mehr Verspannung hervorrufen, bis man sich am liebsten gar nicht mehr bewegen möchte.
In Folge dessen stagniert auch die innere Bewegung, genauer gesagt der Transport von Energie, Blut und Körperflüssigkeiten wie der Lymphe – ein degenerativer Zyklus, der ebenso  die Funktion der Organe erheblich schwächt.
All dem kann mit TianTao Yoga entgegengewirkt werden:  Die Übungen mobilisieren und „schmieren“ die Gelenke, darüber hinaus  stärken sie die feinen inneren Muskelgruppen, die den Körper aufrecht halten. Die Organe werden massiert, die Durchblutung wird effektiv angeregt und die Lymphe in Fluss gebracht.
Bei regelmäßigem Üben beginnt der Körper wieder mehr essentielle Flüssigkeiten zu bilden, auf diese Weise kann die Haut praller und feuchter erscheinen. Eine der wichtigsten Wirkungen ist sicherlich der Ausgleich und die Belebung der Gehirnfunktion, was das Eintauchen in meditative Zustände und das Erleben von Glücksgefühlen und Zufriedenheit unabhängig von äußeren Faktoren ermöglicht.

Stressmuster im Gehirn auflösen
Die Herausforderungen, denen wir im täglichen Leben gegenüberstehen, sind heutzutage sehr viel komplexer als noch vor fünfzig Jahren. Oft befindet sich das Gehirn durch den Ansturm von unzähligen schnell hintereinander folgenden oder gleichzeitig einstürmenden Informationsimpulsen überlastet. Es verfängt sich in einem Kreislauf von Stressreaktionen, die die primitiven Gehirnzentren und die damit verbundenen Angriffs- oder Fluchtmechanismen aktivieren. In diesem Zustand ist es nicht möglich, effektiv zu denken oder zu lernen, kreativ zu sein oder sich zu erholen.
Die im Sitzen ausgeführten Übungen des TianTao Yoga führen den Geist innerhalb kürzester Zeit in eine beschauliche Stille, die Stresszentren beruhigen sich und die höheren auf Kohärenz und Ganzheitlichkeit ausgerichteten Gehirnregionen und Drüsen werden genährt. Dadurch verbessern sich u.a. auch die Fähigkeit der inneren Wahrnehmung, die Intuition und die Konzentrationsfähigkeit.

Das Plus an Lebensenergie
Als großer Bonus kommt hinzu, dass dem Körper, anders als bei herkömmlichen Sportarten oder Gymnastik, Energie hinzugefügt wird. Wenn man sich beim Sport anstrengt und verausgabt, trainiert das zwar einerseits den Körper, gleichzeitig werden aber Energiereserven verbraucht, die ihm dann nicht mehr für innere Heilprozesse zur Verfügung stehen. Den TianTao-Übungen liegt dagegen ein ausgefeiltes Energiemanagement zu Grunde, das einerseits vorhandene aktive Lebensenergie unablässig im Körper regeneriert und andererseits den Zustrom von externer, sogenannter vorgeburtlicher Uren-ergie anregt. Die ist gerade in der heutigen Zeit, in der viele Menschen an chronischer Müdigkeit und Erschöpfungszuständen leiden, besonders wichtig.

Natürliche Zyklen
Manche Wirkungen treten schnell ein, manche entfalten sich im Laufe der Zeit. Die Übungen scheinen ihre eigene Intelligenz zu haben und bei jedem Menschen individuelle Prozesse in Gang zu setzen. Auf jeden Fall stellen die positiven Entwicklungen eine natürliche Konsequenz regelmäßigen Übens dar. Selbst zehn Minuten täglicher Übungspraxis bringen bereits Resultate. Ratsam ist, sich nicht unter Druck zu setzen, sondern die vielen kleinen Dinge zu beobachten, die sich auf allen Ebenen in Bewegung zu setzen beginnen und Freude am Praktizieren zu finden. Anfänglich strengt man sich bei dem Versuch sich nicht anzustrengen vielleicht besonders an, was völlig normal ist und mit Humor genommen werden sollte. Manchmal kommt es nach einer Phase deutlicher Verbesserung von Symptomen zu einem Stillstand oder einer kurzfristigen Verschlechterung – auch das ist ganz normal, denn auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Harmonie muss das System „Altlasten“ verarbeiten, die physischer, emotionaler und mentaler Natur sein können. Nach dieser Phase stabilisieren sich die Fortschritte und es geht fühlbar weiter aufwärts – den Möglichkeiten sind dank des ganzheitlichen Ansatzes keine Grenzen gesetzt. Da TianTao Yoga ohne Vorbereitung und zu jeder Tageszeit, ohne spezielle Kleidung oder Ausrüstung praktiziert werden kann, stellt es eine ideale Lösung für den stressigen und komplexen Lebensstil unserer Zeit dar.

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Übung: Energie vom Himmel aufnehmen
Diese einfache Atemtechnik baut den Energiespeicher im Innersten des Körpers auf, und versorgt Körper und Verstand in verstärktem Maße mit Geisteskraft. Die Besonderheit der Technik liegt darin, dass die Atmung fast von selbst geschieht und nicht aktiv erzeugt werden muss. Sie generiert Wärme im Unterbauch und massiert die inneren Organe und wird im Sitzen, entweder auf einem Kissen bzw. Hocker am Boden oder auf einem Stuhl ausgeführt.

  • Drücken Sie den Bauch sanft nach vorn und haben Sie das Gefühl, als wenn sich der Oberkörper dabei leicht öffnet, so als wolle er dem Bauch etwas Raum geben.
  • Diese Bewegung führt automatisch dazu, dass Luft über die Nase in den Körper hinein strömt, ähnlich wie bei einem Blasebalg. Achten Sie darauf, nicht mit dem Atem zu helfen um den Bauch nach vorn zu drücken, lassen Sie ihn einfach passiv hinein strömen. Halten Sie einen Moment lang nach dem Einatmen inne. Währenddessen bleibt der Bauch herausgedrückt und der Atem wartet.
  • Lassen Sie den Bauch los, bevor es anstrengend wird. Durch das Loslassen sinkt der Bauch nach innen, auch der Oberkörper lässt etwas los, wodurch der Atem ganz von allein und völlig geräuschlos durch die Nase hinaus strömt.
  • Finden Sie beim Ausatmen Wege die Schultern, den Nacken und die Schädelbasis loszulassen. Machen Sie es sich leicht.
  • Wenn Sie dieses Prinzip des Passiv-Atmens verinnerlicht haben, können Sie damit beginnen den Körper mit Energie vom Himmel zu füllen. Haben Sie beim nächsten Einatmen das Gefühl, dass Sie sich durch die Mitte der Stirn, dem sogenannten vierten Auge, öffnen? (Das 4. Auge liegt ca. 2 cm über dem dritten Auge.) Lassen Sie Energie vom Himmel über das vierte Auge einfließen und entlang der Zentrallinie an der Vorderseite des Körpers hinab in den Bauchraum strömen.
  • Beim Ausatmen richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Bauch, welcher durch den Zufluss an Energie gefüllt, gewärmt und genährt wird.
  • Fahren Sie mit der Atmung für ein bis zwei Minuten oder auch länger fort. Beobachten und fühlen Sie was geschieht, ohne sich anzustrengen. Danach ruhen Sie sich für einen Moment aus und lassen den Atem kommen und gehen, wir er möchte.

Vielleicht verspüren Sie jetzt ein angenehmes Wärmegefühl im Körper oder können ein Kribbeln wahrnehmen. Auch wenn Sie keine besonderen körperlichen Empfindungen haben und sich einfach nur beruhigt fühlen, wird die Übung Ihre Wirkung im Inneren entfalten.

 

portrait kantJulia Kant
arbeitet als TianTao Yoga Lehrerin, Redakteurin und spiritueller Coach in Berlin. 2008 wurde sie als ­erste Europäerin autorisiert, zen-buddhistisches Yoga der Langlebigkeit unter dem Namen Hsin Tao, einer amerikanisierten Variante der Ursprungstechniken zu unterrichten. Nachdem sie 2012 durch eine glückliche Fügung in direkten Kontakt mit dem chinesischen Großmeister und seiner Meisterschülerin kam, glich sie die Übungen an die Lehren der authentischen Schule des Großmeisters an und vervollständigte sie. Seither lehrt Julia Kant die Methode unter dem Namen TianTao Yoga, einem eigenständigen Format, das die einstmals geheimen Techniken aus den Tempeln Chinas in Klarheit und ohne künstliche Mystifzierung vermittelt.
Tel.: 030 - 84 31 97 57
www.juliakant.dewww.tiantao-yoga.de

 

 

Fotos & Text: Julia Kant