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Lebendiges Feiern im Einklang mit der Natur
Die acht Jahreskreisfeste

Von Ayla Barbara Loy

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Alles Leben vollzieht sich in wiederkehrenden Rhythmen. Die wechselnden Rhythmen von Tag und Nacht, Sommer und Winter, Neumond und Vollmond, Wachsein und Schlafen prägen unser Leben, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Es ist der Rhythmus alles Lebendigen, der Austausch von Geben und Nehmen, der Atem des Lebens.

Wenn wir um diese Rhythmen wissen und sie bewusst im Alltag erleben, mit ihren Übergängen dazwischen, verbinden wir uns wieder mit unserer eigenen Natur und der Natur um uns herum. Wir kommen innerlich an. Wir fühlen uns getragen von der Kraft der natürlichen Rhythmen anstatt im Alltag gegen sie anzukämpfen und dadurch Energie zu verlieren, und wie neben uns zu stehen. Wir fühlen uns eingebunden und wie eingebettet in den großen kosmischen Kreislauf, aus dem Sicherheit und Kraft für unser Alltagsleben erwachsen.
Seit uralten Zeiten feierten die Menschen in dem Bewusstsein von Kreisläufen (sich wiederholenden Zyklen) in acht Festen die besonderen Tage im Jahr, wie eine Rast zwischen den Zeiten. Lange vor dem Christentum wussten die Menschen von den Bewegungen und den Begegnungen der für uns so wichtigen Himmelskörper: Erde, Mond und Sonne. Sie wussten um die Auswirkungen auf uns Menschen und alles Leben auf der Erde, wenn die Sonne wendet (z.B. an der Wintersonnenwende) oder zu den Tag-und-Nachtgleichen. Genauso wussten sie, wie die unterschiedlichen Mondphasen das Wachsen, Werden und Vergehen auf der Erde beeinflussen. Und wie wichtig es ist, das Kräftespiel der vier Elemente im Jahreskreis zu kennen.
Über viele Jahrhunderte hinweg feierten die Menschen aufgrund dieses Wissens die vier Sonnenfeste und die vier Mondfeste im Abstand von jeweils sechs bis acht Wochen. Auch die langen, gewaltsamen und tief verletzenden Bemühungen der Institution Kirche konnten dieses uralte Wissen nicht ausradieren. Heute will es mehr denn je wieder gelebt werden, denn wir sind so entfernt von den natürlichen Vorgängen, dass wir und alles um uns herum krankt.
loy medizinradWer weiß heute um die wirkliche Bedeutung unserer Bräuche zu Ostern, Weihnachten und anderen Festen? Wir kennen sie aus den Geschäften und auch noch von der Kirche, es sind Konsumbräuche geworden und Familienfeste ohne tieferen Hintergrund.
Ist uns als Mensch der Zyklus, der Rhythmus des Lebens im inneren und äußeren Sein bewusst, können wir die Energien im Kreis der Jahreszeiten nutzen und im Fluss des Lebens bleiben.
Das Feiern der acht Jahreskreisfeste kann uns so wieder verbinden und gesunden lassen und heilsam auf unsere Umgebung wirken lassen. Wenn wir um die Bedeutung der alten Feste wissen, und bewusst die jeweilige Qualität an diesen acht kosmischen Höhepunkten im Jahr erfahren und feiern, hilft uns das, geistig und seelisch zu wachsen, und uns zu entwickeln aus unseren unbewussten Verstrickungen, als Einzelner und im Kreise der Feiernden in der Gemeinschaft.
Mit den acht Jahreskreisfesten durchlaufen wir einen vollständigen Lebenszyklus (eines Jahres in der Natur, eines Menschenlebens).

Die acht Jahreskreisfeste sind:
(hier mit den keltischen Bezeichnungen)

1. Samhain – Wurzelzeit:
Ahnenfest, Dunkelheitsfest
So wie unser Leben auf der Erde im Dunkeln, im Bauch der Mutter beginnt, so begann auch für unsere keltischen Vorfahren der Tag mit der Abenddämmerung, und das neue Jahr mit dem Beginn der dunkelsten Zeit Ende Oktober. In der Natur um uns herum vergeht alles Sichtbare. Was vergeht oder stirbt in uns? Nach der sehr arbeitsreichen Erntezeit lädt dieses Fest dazu ein, bis zur Wintersonnenwende zur Ruhe zu kommen, die Verbindung zu den Ahnen und unsichtbaren Wesen der anderen Welten zu pflegen und sich um die liegengebliebenen Dinge zu kümmern, auch um die aktuellen Schattenthemen, die in der hellen Jahreszeit gerne in den Hintergrund treten. Aufräumen im Außen und Innen, so wie wir vor der Geburt eines Kindes alles vorbereiten würden. In unserer christlichen Tradition kennen wir die Gedenkfeiern für die Verstorbenen (Allerseelen, Volkstrauertag)

2. Jul – Wintersonnenwende:
Wiedergeburt des Lichtes (Weihnachten)
Am dunkelsten Punkt des Jahres ist auch unsere Energie an ihrem Tiefpunkt angelangt. Es scheint, als ob es nie wieder Sommer werden würde. Genau an diesem Punkt wendet die Sonne, sie wird wiedergeboren. Es ist die große Umkehr, eine Zeit des Übergangs und der Unsicherheit. Das Alte ist vergangen, und das Neue ist noch nicht in Sicht. Mit der Wintersonnenwende beginnen die heiligen Nächte (Weihenächte), die große Atempause im Jahr.
In dieser Zeit kommen wir mit den Menschen zusammen, die uns im vergangenen Jahr begleitet haben und feiern die Wiedergeburt des Lichtes (in christl. Tradition: von Jesus), aber auch in uns selbst. Und es geht darum, wirklich Pause zu machen, auszuruhen, das Alte gut zu beenden, Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen, sowie zu träumen … Für die Zeit zwischen den Jahren, die heiligen Nächte, gilt „fröhliches Nichtstun und nächtliches Zauberwirken“

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3. Imbolc – Lichtfest: Vorbereitung auf das Neue (Lichtmess), Brigid
Das Licht hat deutlich zugenommen, auch wenn es noch kalt ist. Die Freude und Dankbarkeit über das zunehmende Licht wird gefeiert, wir schöpfen wieder Hoffnung. Nach alter Tradition ist es eine Zeit der Reinigung von dunklen Kräften, von Aufladungen mit belastenden Energien. Die keltische Göttin Brigid schenkt uns Heilung, Feuerkraft und Inspiration, um unsere Herzenswünsche aufsteigen zu lassen für das neue Jahr. Was wollen wir wirklich?

4. Ostara – Frühlingstag-und-Nachtgleiche
(Ostern)
Tag und Nacht sind in Balance, der Frühling beginnt und wir spüren große Lust, rauszugehen und voller Freude die ersten Blüten und Pflanzen zu begrüßen. Die Sonne steht im Zeichen Widder: Aufbruchsstimmung, Neues beginnen. Wir fegen die letzten Reste des dunklen Winters hinaus, um Platz für das Neue zu schaffen (Frühjahrsputz). Ostara ist die Göttin der strahlenden Morgenröte, eine Fruchtbarkeitsgöttin, die gefeiert wurde, damit sie Einzug halten möge und alles wieder gedeihen möge. Sie hat unserem Osterfest den Namen gegeben.

5. Beltane – Beginn der hohen Zeit
(Walpurgisnacht)
Das Grün in der Natur überwältigt uns, es ist die Zeit der Entfaltung und des Aufblühens. Die Lebensfreude und die Lebenslust erwachen und wollen sich ausleben. Maien heißt lieben. Die Liebe der Schöpfung wird überall sichtbar und spürbar und lädt uns ein, selbst zu lieben: uns, das Leben, alles. Es ist eine Zeit der Selbstfindung, und der Verbindung mit der Natur und mit einem geliebten Menschen (Lieblingsmonat für Hochzeiten). Kreativität lockt uns, und Schönheit umgibt uns in der Natur. Feiere Dich und das Leben!

6. Litha – Sommersonnenwende:
(Johannisfest)
Der längste Tag des Jahres, die Sonne wendet wieder. Wir wollen nicht glauben, dass die Tage schon wieder kürzer werden wollen. Leichte Wehmut kriecht herauf. Wieder eine Schwelle zu etwas Neuem. Wir befinden uns auf dem Höhepunkt der Entfaltung. Wir feiern die Wärme und Kraft der Sonne, ohne die kein Leben auf der Erde möglich wäre. Sie schenkt jetzt den Früchten ihre Süße und ihre Reife und uns Freude. Litha ist die alte keltische Göttin, die Werden, Sein und Vergehen in den Händen hält. Sie steht für Überfluss und Fruchtbarkeit, Macht und Ordnung. Sie ist die Alleinige.
7. Lugnasad – Lammas:
Kräuter- und Schnitterfest (Kräuterweihe):
Fest des ersten Schnittes. Nach der Phase des Wachstums und der Entfaltung kommt die Phase des Sterbens. Die Pflanzen schenken sich uns zur Nahrung und Heilung. Die Heilkräuter haben jetzt ihre größte Kraft. Es gilt, sie zu schneiden und zu verarbeiten. Die Natur bietet den Menschen ihre Schätze und Geheimnisse dar. Zeit für Heilung. Auch das Korn wird geschnitten. Was nicht geschnitten wird, wenn es reif ist, verfault. Was in mir ist reif, geschnitten zu werden, es zu verabschieden?  Lug ist der keltische Lichtgott, der jetzt schon schwächer wird, seine Kraft freiwillig hergibt. Lammas (angelsächsisch) ist das Fest des Brotes aus dem ersten geschnittenen Korn.

8. Mabon – Herbsttag- und Nachtgleiche:
(Erntedankfest)
Tag und Nacht sind wieder gleich lang. Kurzer Moment der Balance im Jahreskreis. Abschied nehmen vom Sommer, von Wärme, Helligkeit und Fülle. In der Natur beginnt es zu welken. Die Schatten werden länger. Das Leben nimmt ab und bereitet sich auf den Winterschlaf vor. Die Ernte: Wir danken für die reiche Ernte und feiern gemeinsam ausgelassen die Fülle.
Zum Zeitpunkt der Balance werden wir eingeladen, in uns Balance zu finden, indem wir beides annehmen: das Helle und das Dunkle, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Diese Balance ist die Grundlage für inneren Frieden und ein glückliches Leben. Mond- und Sonnenfest wechseln sich ab. Mit diesem Wechsel erleben wir das Gleichgewicht in der Natur zwischen solaren und lunaren Kräften. Die Jahreskreisfeste als Ausdruck des Liebestanzes von Mutter Erde und Vater Himmel schenken uns die Möglichkeit, das Gleichgewicht in uns selbst wieder zu finden.
Das Feiern der Jahreskreisfeste im ursprünglichen Sinne lädt uns ein, einen näheren Kontakt zu der Erde und den Elementen sowie den Kräften und Wesen in der Natur herzustellen, um schließlich den Kontakt zu uns selbst wieder inniger erleben zu können. Damit wir uns wieder trauen, unseren ureigenen Weg der Wahrheit zu gehen.

portrait loyAyla Barbara Loy
Lehrerin, Ritual- und Seminarleiterin seit 14 Jahren nach dem Wissen der weisen Frauen (Heilung des Weiblichen, Rituale im Jahreskreis und bei Lebensübergängen), spirituelle Sängerin und Singkreisleiterin, Mitglied im Netzwerk „Singende Krankenhäuser“, Begleiterin von Frauen (spirituelle Psychotherapie, verbindend mit Ritualen in der Natur und Stimme).
Leiterin der spirituellen Musikgruppe „MaTerrJa“ und des Abschieds-Chores „Die SeelenFähre“.
Mir liegt es am Herzen, die Verbindung zum Wesen unserer Mutter Erde wieder in uns schwingen zu spüren durch Heilarbeit in und mit der Natur sowie mit der Stimme.
Tel.: 04521 - 764 89 21, mail: aylaloy@gmx.de                       

 

 

 

Fotos: Barbara Loy