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Frühlingserwachen oder Frühjahrsmüdigkeit?

Die Lebenskraft aus homöopathischer Sicht
Von Dr. Kathrin Wollmann

lebenskraft
Wie wir auf den Frühling reagieren, hängt von vielerlei Faktoren ab. Nicht immer stimulieren uns Sonnenlicht, Blütenduft und Vogelgezwitscher, manchmal bremst uns ein Ungleichgewicht von Melatonin und Serotonin und die Freude über den Frühling lässt auf sich warten. Doch können wir unsere Frühjahrsmüdigkeit einfach auf die Hormone schieben? Liegt die Ursache nicht auf einer anderen Ebene?

Eine Antwort schenkt uns das Verständnis der Lebenskraft. Die Lebenskraft, vom Entdecker der Homöopathie, Samuel Hahnemann, Dynamis genannt und von anderen Kulturen als Vitalprinzip, Ätherkraft, Chi, Qi, Prana oder Odem, der Lebenshauch Gottes benannt. sie ist eine Kraft, die alles Lebendige durchzieht. Sie ist die Quelle allen Lebens, die universelle Kraft, die alles Lebendige in Schwingung und Bewegung hält. Sie hält alle Teile – Zellen, Gewebe und Organe, Stoffwechselprozesse, Gedanken und Gefühle – in bewunderungswürdig harmonischem Lebensgange, alle Teile sind durch sie untrennbar miteinander verbunden. Ohne ihr Wirken unterliegt der Körper nur noch den Gesetzen der Physik und Chemie, ist keiner Empfindung, keiner Tätigkeit und keiner Selbsterhaltung fähig, ist ohne Leben und somit den physikalischen Prozessen unterworfen und löst sich in seine chemischen Bestandteile auf.

Es ist also die Lebenskraft, die den Organismus belebt und sie ist es, die ihm Empfindungen, Gefühle und Gedanken verleiht und zwar im gesunden wie im kranken Organismus. Sie zeigt die Ordnung bzw. die Unordnung, Blockaden, Verstimmung an. Wenn wir uns nicht wohl fühlen ist es also die Lebenskraft, die verstimmt ist. Und wenn es gelingt, die Selbstheilungskraft anzuregen, bedeutet dies, dass die Lebenskraft wieder geordnet und somit verstärkt wirken kann, dann sind wir wieder im Fluss des Lebens und wieder immun gegen Viren und Bakterien, aber auch gegen Stress.

In unserem Fall der Frühjahrsmüdigkeit, die wir wahrnehmen als Schwere mit den entsprechend tristen Gedanken und Gefühlen und die wir aus dem naturwissenschaftlichen Blickwinkel gesehen als Fehlregulation der Hormone Serotonin und Melatonin bezeichnen, ist nun die Frage, wie wir wieder munter werden. Klar, wir könnten an der Hormonschraube drehen, und Serotonin einnehmen, doch wäre das keine wirklich heilsame Lösung, denn die Ursache, dass wir noch ein wenig im Winterschlaf sind, liegt nicht in den Hormonen, sie sind nur der messbare Spiegel für unseren Zustand. Ein Nachhelfen mit Hormonen kann den Körper und auch die Stimmung in einer ersten Wirkung stimulieren, doch irgendwann braucht der Körper vielleicht mehr davon für die gleiche Wirkung und das Problem wird einfach verschoben und die Tristesse kehrt zurück, sobald wir die künstliche Einnahme beenden.

Der Sitz einer Krankheit ist nach diesem Verständnis weder der Körper noch das Gemüt, sondern allein die verstimmte Lebenskraft. Und das erkannte Samuel Hahnemann vor zweihundert Jahren und reihte mit dieser Vorstellung eines gestörten geistigen Prinzips als Ursache von Krankheit die Homöopathie in die Jahrtausende alten Heilweisen der chinesischen Medizin, des Ayurveda und den schamanischen Heilweisen ein.

Erst wenn wir unsere Lebenskraft wieder aus ihrer Blockade oder Verstimmung befreien, sind wir wirklich in der Balance auf allen Ebenen und aus eigener Kraft. Hier kann uns die Homöopathie helfen, denn sie tritt direkt in Resonanz mit der Lebenskraft. Und wie dies geschieht, kann uns zum Staunen über die harmonische Ordnung des Universums bringen.

Wenn unsere Lebenskraft verstimmt ist, schwingt sie in einem anderen Muster als zuvor und mit dem passenden homöopathischen Mittel, das heißt, ein Mittel das ein ähnliches Schwingungsmuster erzeugt, überwindet die Lebenskraft das alte Muster und schwingt wieder in ihrer ureigenen Art, die bei jedem von uns individuell ist. Der indische Homöopath Sankaran vergleicht es mit einem fremden Lied, das in uns klingt. Es geht darum, wieder unser eigenes Lied erklingen zu lassen. Und alles, aber auch wirklich alles, was es in unserem Universum gibt, hat eine Dynamis und schwingt, jedes Mineral, jeder Stein, jede Pflanze und jedes Tier singt ein Lied, das uns helfen kann, wieder zu uns zu finden, wieder klar denken und fühlen zu können.

Mittlerweile gibt es schon viele tausend homöopathische Mittel, die erforscht worden sind, es ist also sehr faszinierend, in die Homöopathie einzutauchen, ihr Wesen zu verstehen, um sich und anderen das Geschenk zu machen, das passende Mittel zu finden, denn die sogenannten bewährten Indikationen, das heißt Mittel X hilft bei Beschwerde Y, können manchmal ein Treffer sein, oft aber passen sie einfach nicht gut genug zu den Menschen, Tieren und Pflanzen, denen sie gegeben werden.

Es lohnt sich, uns und unser Universum aus homöopathischer Sicht zu betrachten und kennen zu lernen und die Heilprinzipien und das Wirken der Lebenskraft zu verinnerlichen.
Lassen wir die Worte der Mystikerin Hildegard von Bingen, die das Universum mit ihrer Seele sah, erklingen, auch sie bringt uns das Wirken des Lebens in der Welt nahe, indem sie es selbst sprechen lässt:
„Ich, die höchste und feurige Kraft, habe jedweden Funken von Leben entzündet und nichts Tödliches sprühe ich aus. Ich entscheide über alle Wirklichkeit. Mit meinen höheren Flügeln umfliege ich den Erdenkreis: mit Weisheit habe ich das All geordnet.
Ich, das feurige Leben göttlicher Wesenheit, zünde hin über die Schönheiten der Fluren, ich leuchte in den Gewässern und brenne in der Sonne, Mond und Sternen. Mit jedem Lufthauch, wie mit unsichtbarem Leben, das alles erhellt, erwecke ich alles zum Leben … So ruhe ich in aller Wirklichkeit verborgen als feurige Kraft. Alles brennt so durch mich, wie der Atem den Menschen unablässig bewegt, gleich der windbewegten Flamme im Feuer.
Dies alles lebt in seiner Wesenheit und ist kein Tod darin. Denn ich bin das Leben. Ich bin auch Vernunft, die den Hauch des tönenden Wortes in sich trägt, durch das die ganze Schöpfung gemacht ist. Allem hauche ich Leben ein, so dass nichts davon in seiner Art sterblich ist. Denn ich bin das Leben.“

Möge die Erkenntnis über das Wesen der Lebenskraft dazu beitragen, dass sie in uns wieder in ihre Ordnung findet und kraftvoll fließt.

portrait wollmannDr. Kathrin Wollmann
ist Biologin und arbeitet seit 10 Jahren als Heilpraktikerin für klassische Homöopathie und begleitet Menschen im Retreat. Ihr bereitet es große Freude zu zeigen, dass unsere Welt alles für uns bereithält, was wir für unser Heilwerden brauchen. So ist es ihr großes Anliegen, dass wir Menschen uns nicht weiter von der Natur entfremden, sondern uns wieder mehr mit ihr verbinden.
Kontakt zur Autorin info@heilpraxis-wollmann.de
weitere Informationen: www.hps-kastanienhof.de

Fotos: Kathrin Wollmann